Gefährliche Strahlung und Stoffe aufspüren

Feuerwehr Wichmannshausen ist Teil des hessischen ABC-Katastrophenschutzes

Haben eine spezielle Ausbildung für den ABC-Erkunder: (von links) Wehrführer René Jakob, dessen Stellvertreter René Rimbach und Tristan Sennhenn.
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Haben eine spezielle Ausbildung für den ABC-Erkunder: (von links) Wehrführer René Jakob, dessen Stellvertreter René Rimbach und Tristan Sennhenn.

Mit einem besonderen Fahrzeug ist die Freiwillige Feuerwehr Wichmannshausen Teil des Hessischen Katastrophenschutz. Wir stellen das Gefährt vor.

Wichmannshausen – „Mit dem normalen Feuerwehrdienst hat das eigentlich nichts mehr zu tun“, sagt der Wichmannshäuser Wehrführer René Jakob. Strahlenschutz ist ein anspruchsvolles Arbeitsfeld und bei der Wehr im Sontraer Stadtteil ist dafür der Gerätewagen Gefahrstoff-ABC-Erkundung stationiert.

Das mit umfangreicher Messtechnik für atomare, biologische und chemische Gefahren ausgestattete Fahrzeug ist samt sieben ausgebildeten Feuerwehrleuten aus Wichmannshausen ein Teil des Landes-Katastrophenschutzes.

27 dieser Gerätewagen wurden zum Stückpreis von rund 200 000 Euro im Jahr 2018 über ganz Hessen verteilt. „Hauptsächlich wurden sie für Störfälle im südhessischen Atomkraftwerk Biblis oder Satelliten, die vom Himmel fallen, angeschafft“, sagt Jakob.

Nuklearkatastrophe von Tschernobyl sorgte für Veränderung

Die Spezialfahrzeuge, die Alpha-, Beta- und Gammastrahlung messen können, werden im Einsatzfall zusammengezogen. Der eigentliche Aufbau solcher Abteilungen beim Land geht zurück auf die Erfahrungen nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl 1986, sagt Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt. Ein großer Sensor im Wagen kann Strahlung im Mikrosievert-Bereich erkennen – er arbeitet wie ein wesentlich feinerer Geigerzähler.

Bei der Messung kann das Fahrzeug in Bewegung bleiben: „Vier Öffnungen an der Karosse messen die Werte, die dann mittels einer Datenbank am Laptop analysiert werden“, sagt René Rimbach, sttellvertretender Wehrführer. Früher habe das Personal dazu aussteigen müssen, nun sei das nicht mehr nötig, so René Jakob.

Um das Fahrzeug bedienen zu können, ist eine umfangreiche Ausbildung erforderlich. Benötigt werden die ABC-Einsatzausbildung, die Ausbildung für das Fahrzeug selbst, der Atemschutzgeräteträger-Lehrgang sowie der Gruppenführer-Lehrgang.

Links: Schutzanzüge gegen chemische Stoffe. Rechts: ein Messgerät für Radioaktivität.

Chemische Kampfstoffe können aufgespürt werden

Der Gerätewagen Gefahrstoff-ABC-Erkundung ist der einzige seiner Art im Werra-Meißner-Kreis, in Hessisch Lichtenau ist ein Fahrzeug der älteren Generation stationiert, welches allerdings vom Bund gestellt wurde, so Jakob und Rimbach.

Für die ABC-Bekämpfung ist das Fahrzeug, das mit vier Personen besetzt wird, mit einer Vielzahl an Gerätschaften bestückt. Es gibt tragbare Geräte für die Strahlenmessung im Nanosievert-Bereich, chemische Kampfstoffe wie das Nervengift VX oder Chlor können allerdings genauso gemessen werden wie die Alltagsgase Kohlenstoffmonoxid und Schwefelsäure.

Schutzanzüge werden für chemische Stoffe genutzt. Unten ein Messgerät für Radioaktivität.

Zur umfangreichen Ausstattung gehören unter anderem zwei Atemschutzgeräte, eine Spritze für die Dekontamination und Schutzanzüge. „Gegen Radioaktivität hilft außer Abschirmen und Abstand halten nichts. Wir nutzen die Anzüge gegen chemische Stoffe“, sagt Wehrführer Jakob.

Filmplaketten müssen die Männer im atomaren Einsatz ebenfalls tragen. Sie werden eingeschickt und stellen fest, wie viel Strahlung aufgenommen wurde. Mit der atomaren Brandbekämpfung haben die Wichmannshäuser übrigens nichts zu tun, dafür gibt es Spezialfirmen.  mmo

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