Gefahr droht auch der Lärche

Der Borkenkäfer wartet noch - Forstämter im Kreis haben unterschiedliche Ausgangspositionen

Opfer von Borkenkäferplage und Trockenheit: Immer mehr Fichtenwälder verschwinden durch die zwangsweise Aufarbeitung durch die Forstämter im Werra-Meißner-Kreis.
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Opfer von Borkenkäferplage und Trockenheit: Immer mehr Fichtenwälder verschwinden durch die zwangsweise Aufarbeitung durch die Forstämter im Werra-Meißner-Kreis.

Bald beginnt die Saison für den Borkenkäfer. Während das Forstamt Hessisch Lichtenau eine weitere Großoffensive starten will, ist man im Wehretal schon bei der Wiederaufforstung.

Werra-Meißner - So warm wie in den jetzigen Sonnentagen war es im Februar in den vergangenen Jahrzehnten selten. Muss der Forst deshalb befürchten, dass die Borkenkäfer früher denn je aus ihren Winterquartieren ausschwärmen, um sich wieder fortzupflanzen – zum Leidwesen vieler Fichten und der Waldbesitzer?

Bei plus 20 Grad Celsius Lufttemperatur tagsüber kommt der Borkenkäfer aus dem Boden oder unter der Rinde wieder hervor, wissen Matthias Dumm und Dr. Thomas Rysavy, die Leiter der Forstämter Hessisch Lichtenau und Wehretal. Aber auch von der Tageslänge ist abhängig, wann der Käfer wieder aktiv ist, gibt Dumm vorerst Entwarnung. Ende März, Anfang April beginnt er nach Aussage der Experten erst wieder aktiv zu werden. Allerdings, gibt Rysavy zu Bedenken, könnten sich die Larven während einer längeren warmen Zeit schon entwickeln. Folge: Es gibt sogar mehrere Generationen Käfer in einem Jahr. Die mittlerweile ungewohnt tiefen Temperaturen vor zwei Wochen jedenfalls hätten dem Insekt nichts anhaben können.

Doch für das Forstamt Hessisch Lichtenau ist es zunächst egal, wie stark der Borkenkäfer aus dem Winter kommt. Auch 2021 gebe es eine Großoffensive gegen ihn, kündigt Leiter Dumm an. Denn von den rund zwei Millionen Fichten in seinem Zuständigkeitsbereich seien seit 2018, als das Problem begann, zwar mehr als die Hälfte der Flächen eingeschlagen. Doch um 900 000 Fichten müsse man sich noch intensiv kümmern.

Das sieht im Bereich des Forstamtes Wehretal anders aus, da es dort generell weniger Fichtenbestände gibt. Und nach dem Abräumen der geschädigten, 60 Jahre und älteren Bäume „geht bei uns die Fichte schon zur Neige“, sagt Leiter Rysavy. Er kann sich daher in diesem Jahr bereits verstärkt der Wiederaufforstung widmen.

Buchdrucker und Kupferstecher

Zu den Borkenkäfern, eine Unterfamilie der Rüsselkäfer, gehören verschiedene Arten. Viele davon pflanzen sich unter der Borke oder im Holz von Bäumen in selbstgebohrten Gängen fort. Besonders zerstörerisch wirken der Buchdrucker und der Kupferstecher, weil sie die Leitungsbahnen in den Stämmen zerfressen. In der Folge stirbt der Baum ab. Der Befall von Fichten durch die schwarzen und braunen Käfer wird durch sehr warme und trockene Witterung noch begünstigt.

Neben Kampf gegen Borkenkäfer wird neu gepflanzt

Für Anfang Mai plant das Forstamt Hessisch Lichtenau wieder eine intensive Beobachtung der Fichtenwälder, sogar Hilfskräfte sollen dafür eingesetzt werden, erläutert Matthias Dumm, der Leiter des Forstamtes, die Strategie, um dem starken Borkenkäferbefall Herr zu werden. Wenn ermittelt ist, welche Fichten in diesem Jahr befallen sind, könne gezielt aufgearbeitet werden.

Doch noch sei sogar unklar, wie viele Käfer sich über Winter im Boden verborgen haben und ausschwärmen werden.

Bis dahin will das Forstamt Hessisch Lichtenau schon rund 300 000 Jungbäume gepflanzt haben. Mindestens 1500 Hektar, das ist umgerechnet fast die Fläche der Gemeinde Weißenborn, stünden jetzt kahl, so Dumm. Insbesondere die nährstoffreichen Böden darunter müssen früh bepflanzt werden, um Brombeeren und anderem Gesträuch zuvorzukommen, wenn dort wieder Wald wachsen soll. Dem Amtsleiter zufolge handelt es sich zumeist um Flächen am Meißner und in den Bereichen Witzenhausen und Neu-Eichenberg. Mitte April sollen alle Setzlinge – Eiche, Ahorn, Linde und Hainbuche – im Boden sein.

Nadelhölzer werden weniger nachgesetzt, sagt Dumm. Denn es gibt noch einen weiteren Schädling, den Großen Braunen Rüsselkäfer. Der liebt nämlich die Fichte und würde aus den alten Baumstümpfen gleich auf die jungen Bäume wechseln. Und im Landeswald sei es kaum möglich, ein Schutzmittel gegen ihn einzusetzen. Für den Stadtwald von Bad Sooden-Allendorf hingegen sollen, da dort schon viel Laubholz wächst, zunächst auf die Douglasie gesetzt werden.

Diese Nadelbaumart ist aber ebenso wie die Lärche auch nicht gänzlich vor dem Buchdrucker, eine Art aus der Familie der Borkenkäfer, gefeit. Auch der Kupferstecher gehört dazu, der schwächere und geschwächte Nadelbäume bevorzugt. Außerdem gibt es den Lärchenborkenkäfer, der, wie sein Name schon verrät, sich auf Lärchen spezialisiert hat. „Auch den haben wir bei uns schon beobachtet“, sagt Dr. Thomas Rysavy, der Leiter des Forstamtes Wehretal.

Er sieht die Gefahr, dass die Borkenkäfer notfalls mit anderen Bäumen als Fichten vorliebnehmen, wenn viele von ihnen ausschwärmen. Die 60 Jahre alten und älteren Fichten seien in den vergangenen drei Jahren bereits am Aussterben, mittlerweile würden die rund 40 Jahre alten Bäume geerntet.

Deshalb setzt auch das Forstamt Wehretal, obwohl es kaum noch Fichtenbestände zu betreuen hat, den Kampf gegen den Borkenkäfer in diesem Jahr fort. „Damit er sich nicht über Lärchen und Douglasien hermacht“, wie Rysavi sagt.

Dennoch rechnet er mit weitaus geringerem Aufwand beim Einschlag als in den vergangenen Jahren, als sogar extra Personal eingestellt worden sei.

Für dieses Jahr lenkt Rysavy das Hauptaugenmerk auf Wiederaufforstung. Insgesamt 400 Hektar Staatsforst müssten in seinem Bereich neu bewaldet werden, mindestens so viel Fläche, eventuell sogar doppelt so viel in den betreuten Kommunal- und Privatwäldern. „Das ist in diesem Jahr gar nicht zu schaffen“, so der Amtsleiter. Bei den Neuanpflanzungen setzt er übrigens auf die Eiche, weil die von den Mäusen nicht gemocht werde. Denn nicht nur mit Käfern, sondern auch mit kleinen Nagetieren müssen sich die Forstleute herumschlagen.  

(Stefan Forbert)

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