Geld in räumlicher Nähe einsetzen

Wehretal will für 300 000 Euro Ökopunkte kaufen – BUND kritisiert Vorgehen

Wiesen und Felder sind aus der Vogelperspektive zu sehen.
+
Ausgleich für Natur soll erkauft werden: Mittels Ankauf von Ökopunkten will die Gemeinde Wehretal den Eingriff in die Natur für das Reichensächser Gewerbegebiet kompensieren.

300 000 Euro hat die Gemeinde Wehretal in ihren jüngst verabschiedeten Haushalt für 2021 eingestellt, um davon sogenannte Ökopunkte zu kaufen.

Wehretal – „Die Ökopunkte sind der naturschutzrechtliche Ausgleich für die Erschließung des Gewerbegebietes „Goldene Äcker“ in Reichensachsen“, sagte Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich. Der Plan der Gemeinde Wehretal, damit ihren Verpflichtungen zum Ausgleich verschiedener Baumaßnahmen nachzukommen, wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz des Werra-Meißner-Kreises (BUND) scharf kritisiert. „Das Geld sollte lieber in räumlicher Nähe der Gemeinde eingesetzt werden“, so Thomas Reimann vom BUND. Dadurch werde die Wohn- und Lebensqualität in Reichensachsen verbessert. Wie wichtig naturnahe Naherholungsräume sind, sei gerade auch in Zeiten der Pandemie sichtbar geworden.

Der BUND fordert daher die Gemeinde Wehretal auf, nach Alternativen zu suchen, um die Ausgleichsdefizite nicht durch den Ankauf von Ökopunkten woanders zu investieren, heißt es in einer Stellungnahme des BUND. „Wenn marktwirtschaftliche Instrumente wie Ökopunkte bei Natur- und Umweltbelangen angewandt werden, dann ziehen Mensch, Natur und Umwelt zumeist den Kürzeren“, sagt Reimann.

Erhebliche Umsetzungsdefizite

Der BUND, der bei Bauprojekten als Verband zur Stellungnahme aufgefordert wird, kritisiert zudem, dass die Gemeinde ein neues Baugebiet ausweist, obwohl aus der Vergangenheit Baugebiete wie „Leimbach Teil 1 und 2“ und „Am Tannenbaum“ noch „erhebliche Umsetzungsdefizite“ bei den Ausgleichsverpflichtungen aufweisen, die für die Zulässigkeit von Bauvorhaben rechtsverbindlich seien.

Zu der im Haushalt geplanten Investition der 300 000 Euro in Ökopunkte sagt Bürgermeister Friedrich: „Die Grundstücke für Ausgleichsmaßnahmen müssen im Eigentum der Gemeinde sein und dann von ihr 30 Jahre lang auch gepflegt werden. Dann kaufen wir Punkte und sind raus.“ Anders als vom BUND dargestellt, kompensiere Wehretal nur „einen Bruchteil“ seiner Baumaßnahmen über Ökopunkte. „Alle anderen Ausgleichsmaßnahmen sind über das Gemeindegebiet verteilt.“ Für das neue Baugebiet „Leimbach 3“, dass die Gemeinde entwickelt, bedürfe es aufgrund seiner geringen Größe keines Ausgleiches. Stefanie Salzmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.