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Geldautomatenraub: Freispruch für Ex-Sparkassen-Mitarbeiter

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Von: Stefanie Salzmann

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Symbolbild der Justizia mit verbundenen Augen
Ein Sparkassenmitarbeiter soll 148.000 Euro ergaunert haben, wurde aber freigesprochen © Peter Steffen/dpa - Bildfunk

Der ehemalige Angestellte der Sparkasse Werra-Meißner war angeklagt, im Mai 2019 in Witzenhausen einen Geldautomaten der Sparkasse ausgeraubt und 148 000 Euro erbeutet zu haben.

Eschwege – Mit einem Freispruch endete am Donnerstag der Prozess gegen einen 53-jährigen Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis vor dem Amtsgericht in Eschwege. 

Das Urteil des Vorsitzenden Richters Leidreiter fiel nach fast acht Stunden zäher Beweisaufnahme und der Befragung von sechs Zeugen kurz und knapp aus. „Es gibt mehr als gehörige Zweifel an der Schuld des Angeklagten“, sagte der Richter und entschuldigte sich in seiner Begründung schon beinahe für die von der Staatsanwaltschaft erhobene Anklage aufgrund der Aktenlage. „Zu viele Leute haben aus verschiedensten Gründen und Drucksituationen Ihren Namen genannt“, wandte er sich an den Angeklagten, der nach seinem Freispruch den Tränen nahe sagte, dass die letzten beiden Jahre für ihn der „blanke Horror“ gewesen seien.

Ursprünglich waren für den Prozess gegen den IT-Spezialisten, der bei der Sparkasse über 30 Jahre beschäftigt und zuletzt auch für die Software der Geldautomaten zuständig war, zwei Verhandlungstage angesetzt. Die Anklage beruhte auf einer Indizienkette, zu der zum einen der Zugang des Angeklagten zu den Automaten, als aber auch zahlreiche Bargeldeinzahlungen in kleineren Tausenderbeträgen auf seine Girokonten bei der Sparkasse und der VR-Bank in den Monaten nach der Tat zählten sowie die angeblich von ihm in Auftrag gegebene Verschrottung des Hauptbeweismittels – des Geldautomaten.

Doch nachdem sich praktische alle Zeugen im Prozess – angefangen von zwei Mitarbeitern der Sparkasse für Facility-Management (Liegenschaftsverwaltung) bis hin zu den ermittelnden Polizeibeamten und dem Hausmeister – in Widersprüche verwickelt hatten, beziehungsweise sich entgegen früherer Aussagen plötzlich nicht mehr erinnern konnten, stellte Staatsanwalt Dr. Weigel gestern als erster den Antrag auf Freispruch.

Indizienbeweise lassen Verurteilung zu 

Bei einem Indizienprozess ist das Gericht bei der Urteilsfindung auf Beweisanzeichen angewiesen. Die deutsche Strafprozessordnung lässt eine Verurteilung auf Grundlage von Indizienbeweisen zu. Indizienprozesse sind langwierig und erfordern vom Gericht akribische Detailarbeit. salz

In seinem Plädoyer sagte er: „Die Beweisaufnahme hat nur zweifelsfrei ergeben, dass bei der Sparkasse Werra-Meißner einiges im Argen liegt.“ Damit meinte Weigel unter anderem die Schlüsselgewalt für die Tresore der Bank. Zugleich, sagte er, spreche vieles dafür, dass der Geldautomat von einem Zugriffberechtigten ausgeräumt worden sei. „Ob das der Angeklagte war oder einer der sechs anderen Mitarbeiter der Bank, die Zugriff auf die Schlüssel hatten, war nicht zu ermitteln.“ (Stefanie Salzmann)

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