Geldstrafe

Werra-Meißner: Hund beißt Kind - Gericht stellt Verfahren ein

Ein Richterhammer.
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Symbolbild: Weil ihr Hund einen 11-jährigen Jungen gebissen hat, musste sich eine 55 Jahre alte Tierhalterin vor Gericht verantworten.

Weil ihr Hund einen 11-jährigen Jungen gebissen hat, musste sich eine 55 Jahre alte Tierhalterin vor Gericht verantworten. Das Verfahren mündete in einer Geldstrafe.

Eschwege – Statt seine Sommerferien im Schwimmbad zu verbringen, musste sich ein elfjähriger Junge aus Bad Sooden-Allendorf im vorigen Sommer zwei komplizierten Operationen unterziehen und immer wieder für längere Aufenthalte in eine Klinik nach Göttingen. Einige Wochen saß er im Rollstuhl, später konnte er an Krücken laufen. Am Nachmittag des 8. Juli 2020 war der Junge von einem belgischen Schäferhund angefallen worden, der ihm ein etwa zehn mal 15 Zentimer großes Fleischstück aus der Wade riss. Eine große, unschöne Narbe hat der Junge am Bein, die Spätfolgen sind noch unbekannt.

Das Strafverfahren wegen Fahrlässigkeit gegen die heute 55-jährige Besitzerin des Hundes wurde am Mittwoch vor dem Amtsgericht Eschwege verhandelt und mündete in einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer sogenannten Auflage in Höhe von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Die Schilderung des Vorfalls der angeklagten Hundehalterin und des heute zwölfjährigen Opfers decken sich weitestgehend.

Der Junge war an jenem Nachmittag zu Besuch bei seiner Großmutter, die neben der Halterin des Schäferhundes wohnt. Die beiden Frauen hatten bis dahin ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis und an diesem Nachmittag verabredet, dass Großmutter und Enkel auf das Nachbargrundstück kommen, um dort eine Hecke zu beschneiden.

Nur wenige Minuten nach ihrem Eintreffen auf dem Nachbargrundstück, Oma und Enkel sind bereits am Hecke stutzen, stürzt sich der laut Aussage seiner Besitzerin an einer sieben Meter langen Schleppleine festgemachte Hund auf den Jungen und beißt ohne Vorwarnung zu.

„Er hat vorher auch nicht gebellt“, berichtet der Zwölfjährige vor Gericht. Er selbst sei zum ersten Mal auf dem Grundstück gewesen und „Ich habe den Hund auch nie geärgert“, sagt der Junge, der häufig bei seiner Großmutter zu Besuch ist. Allerdings, so schildert das Kind, habe der Hund oft am Zaun gebellt und versucht, in die Hecke „ein Loch zu fressen“. Der Hund müsse an jenem Nachmittag die Leine zerrissen haben, anders könne sie sich den Vorfall nicht erklären, beteuert die Hundebesitzerin.

Hundebiss: Wesenstest des Tieres fällt positiv aus

Als ihr Hund zubiss, sei sie gerade ins Haus gegangen, um ein Werkzeug zu holen. Nie zuvor habe der Hund aggressives Verhalten gezeigt. Die Frau, die seit 20 Jahren Hunde besitzt, betreibt mit ihren Tieren unter anderem Hundesport. Ein inzwischen durchgeführter Wesenstest bei dem Hund sei positiv ausgefallen. „Mir tut das unendlich leid, aber ich kann es ja nicht rückgängig machen“, sagt die 55-jährige Angeklagte vor Gericht.

Seit dem Vorfall habe sie begonnen, entlang der Grundstücksgrenze einen 1,80 Meter hohen Sichtschutzzaun zu ziehen. Gegenüber dem Gericht wollte sie sich allerdings nicht festlegen, wann dieser Zaun fertig ist. Die Hunde lasse sie nicht mehr in den Garten. Ein Punkt, der vor allem der Mutter und der Großmutter des verletzten Kindes wichtig ist. „Aus unserer Sicht ist dieser Hund gefährlich, und der Zaun ist bisher nicht fertig“, sagt die Mutter.

„Uns geht es nicht um Geld. Ich möchte, dass meine Mutter und mein Sohn wieder entspannt in den Garten gehen können.“ Für die 80-jährige Rentnerin sei es hilfreich, wenn der Zaun sicher ist.“ (Von Stefanie Salzmann)

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