Ehrenamtlich im Hauptamt

Gemeinde Weißenborn: Thomas Mäurer ist seit zehn Jahren Bürgermeister

Man steht im Dienst der Bürger. Der Titel spielt dabei keine Rolle.
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Bürgermeister Thomas Mäurer: Man steht im Dienst der Bürger. Der Titel spielt dabei keine Rolle.

In Weißenborn ist wohl Hessens einziger Bürgermeister, der sein Amt offiziell mit dem Status „ehrenamtlich“ ausführt.

Weißenborn – Seit nun zehn Jahren leitet Thomas Mäurer (parteilos) die Verwaltung der Gemeinde Weißenborn.

„Ehrenamtlich“ ist bei ihm aber nur der Titel seines Bürgermeisteramts. Denn der Familienvater und Hundepapa steht täglich vor denselben Aufgaben und Herausforderungen, wie seine hauptamtlichen Kollegen auch – und zwar in Vollzeit mit bis zu 70 Stunden die Woche. Dafür bekommt der 51-Jährige eine Aufwandsentschädigung.

Als der Werra-Meißner-Kreis in den 1970er-Jahren im Zuge der Gebietsreform neu gegliedert wurde, entstanden daraus die 16 Städte und Gemeinden des Werra-Meißner-Kreises, wie wir sie heute kennen. Gemeinden mit weniger als 2500 Einwohnern durften laut Landesverordnung damals entscheiden, ob sie einen haupt- oder ehrenamtlichen Bürgermeister auf den Chefsessel in der Verwaltung setzen wollen.

Das Amt steckt mir ein bisschen in den Genen.

Thomas Mäurer, Bürgermeister Weißenborn

Weißenborn entschied sich für Letzteres. Das habe damals unter anderem auch Kostengründe gehabt und lag an der geringen Einwohnerzahl, erklärt Mäurer heute.

Ab 1972 hatte bereits sein Vater Arno Mäurer das Amt inne. Für 30 Jahre. „Das Amt steckt mir ein bisschen in den Genen“, sagt der gelernte Maschinenschlosser mit einem Schmunzeln. Nach seiner Ausbildung bei Sahm arbeitete er zeitweise in Spanien, wo er die Maschinen aus Eschwege aufbaute. Gelebt hat Thomas Mäurer aber schon sein ganzes Leben in Weißenborn. Ein echter Dörnermann eben.

Später hat er sich zum Wirtschaftsberater weitergebildet und hat unter anderen Bankmitarbeiter ausgebildet. 20 Jahre lang war er selbstständig, bis er als Einzelkandidat für das Bürgermeisteramt kandidierte.

Im Juli 2011 wurde Thomas Mäurer dann zum Bürgermeister gewählt. „Mit überwältigender Mehrheit“, wie er heute zurückblickt. Politisch engagiert war Thomas Mäurer zuvor bereits, unter anderem in der SPD und als erster Beigeordneter.

Ein halbes Jahr nach seiner Wahl stand aber schon die erste große Herausforderung an, mit der Thomas Mäurer fast seine gesamte bisherige Amtszeit zu kämpfen hatte: Weißenborn wurde unter den Schutzschirm gestellt. „Das war bitterböse“, sagt er heute. Ebenfalls sehr getroffen hat ihn die Schulschließung in Weißenborn drei Jahre später.

Mäurer blickt aber auch auf Höhepunkte in den vergangenen zehn Jahren. Dazu zählt er unter anderem die 650-Jahr-Feier in Weißenborn und die 725-Jahr-Feier in Rambach. „Da hat man richtig den Zusammenhalt unter den Bürgern gemerkt.“

Als weiteres großes Erlebnis nennt er die Wanderung kürzlich mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier durch Wanfrieder und Weißenbörner Gebiet. „Das war schon sehr besonders und hat großen Spaß gemacht. Er ist ein sehr authentischer Mensch“, sagt Mäurer, der auch privat gerne wandert und sich um seinen Garten kümmert.

Den Beruf des Bürgermeisters empfindet der 51-Jährige als sehr erfüllend und abwechslungsreich. „Nicht nur verwalten, sondern gestalten“, lautet seit jeher sein Motto.

„Das wird mit der Zunahme der täglichen Aufgaben aber immer schwieriger“, sagt Thomas Mäurer, der für den Ehrenamts-Titel manchmal auch belächelt wird, wie er erzählt. „Ich weiß aber, was ich leiste. Man steht im Dienst der Bürger. Der Titel – ob ehrenamtlich oder hauptamtlich – spielt dabei keine Rolle.“

Von Jessica Sippel

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