Gemeinsam gegen die Sucht nach Sportwetten

Selbstkontrolle: Anhand dieser Bodenzeitung, hier präsentiert von Fabienne Wittich (von links), Anne Niebeling und Eva Bohr, konnten sich die Schülerinnen und Schüler kritisch hinterfragen zum Thema Sportwetten. Foto: Cortis

Witzenhausen. Eva Bohr ist Leiterin der Fachberatung Glücksspielsucht in der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention der Diakonie in Eschwege. Bei ihrem Besuch an den Beruflichen Schulen Witzenhausen stand das Risiko von Sportwetten auf dem Stundenplan.

Wer bei Wetten ihrer Meinung nach wirklich der Gewinner ist, und wo es Hilfe für Betroffene gibt, lesen Sie hier.

„Ja“, sagt Jan, er habe schon mal gewettet. Und das ist gar nicht mal so lange er. Mit Kumpels habe er den Ausgang der Spiele bei der Fußball-WM in Brasilien getippt. Wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hatte, bekam den Pott: zwei Euro pro Mitspieler. Aber Sportwetten, wie sie an fast jeder Ecke und vor allem im Internet angeboten werden? „Nee“, schüttelt der 17-jährige Schüler aus Witzenhausen den Kopf. Mit dieser Zockerei wolle er nichts zu tun haben. Das Risiko, in die Schuldenfalle zu tappen, sei „viel zu hoch“.

Diesen jungen Mann musste Eva Bohr nicht „bekehren“, als sie am Donnerstag mit ihrem Team in den Beruflichen Schulen in Witzenhausen aufkreuzte, um bei einem Aktionstag zur Glücksspielsucht auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die auf jene lauern, die sich auf Glücksspiele und hier speziell auf Sportwetten einlassen. Der Weg zum erhofften Glück führt allzu oft nämlich ins persönliche Unglück.

Eva Bohr ist Leiterin der Fachberatung Glücksspielsucht in der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention der Diakonie in Eschwege. Aus Erfahrung weiß sie, dass vor allem ganz junge Menschen dem Glücksspiel eher erliegen als dem Alkohol. Und irgendwann stehen sie dann bei ihr vor der Tür, wenn statt des schnellen Geldes nur die Schulden angewachsen sind und der Druck aufzufliegen immer größer wird. Sie berichtet von einem jungen Familienvater, der seine Frau und seine Eltern immer wieder belogen, schließlich aber die Heimlichtuerei um seine Spielsucht nicht mehr ausgehalten habe.

Anhand einer riesigen Bodenzeitung, ausgelegt im Eingangsbereich zur Cafeteria, konnten sich die jungen Leute der Beruflichen Schulen selbst kritisch hinterfragen. Zum Thema Sportwetten wurden sie unter anderem mit diesen Thesen konfrontiert:

„Ohne Risiko im Spiel ist das Leben doch langweilig“, „Man braucht nur die richtige Strategie um zu gewinnen“, „Wenn ich regelmäßig wette, kommt irgendwann das große Geld“, „Wer sich in einer Sportart gut auskennt, kann richtig viel gewinnen“ oder „Der Anbieter von Sportwetten gewinnt immer“.

Von Suchtrisiken im Zusammenhang mit Sportwetten, weiß Eva Bohr, seien vor allem junge Männer betroffen. Hohe Gewinnaussichten, vermeintlich sichere Tipps, und die eigenen Sportkenntnisse animierten sie zu wetten.

Pro Klasse ein Schüler 

Mehr als 40 000 Menschen in Hessen hätten Probleme mit Glücksspielen, beruft sich Eva Bohr auf eine Erhebung der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Unter den Jugendlichen hätten schon mehr als fünf Prozent ein problematisches Glücksspielverhalten. Anders ausgedrückt: in einer Klasse mit 25 Schülern statistisch mindestens einer. (zcc).

Hintergrund: Hier gibt es Hilfe 

Ob Probleme mit Glücksspiel oder Alkohol - die Faschstelle für Suchthilfe und Prävention des Werra-Meißner-Kreises leistet gern professionelle Hilfe. Dabei ist jede Beratung kostenlos und vertraulich.

Hauptsitz ist Eschwege, Leuchtbergstraße 10 b. Dort ist die Fachstelle montags bis donnerstags von 9 bis 16 und freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Termine können auch frei vereinbart werden.

Die Nebenstelle in der Walburger Straße 49 a in Witzenhausen ist montags von 9.30 bis 11 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Eine weitere Nebenstelle befindet sich in der Kirchstraße 18 in Hessisch Lichtenau. Die Terminvergabe für alle Stellen erfolgt über Eschwege, und zwar über Tel. 0 56 51 /3 39 42 92, Fax: 0 56 51 /7 63 37, E-Mail: suchthilfe-esw@arcor.de (zcc)

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