Geburtshilfe für Wendehals

Geo-Naturpark hängt 48 Nistkästen für bedrohte Spechtart auf

Betreut beim Geo-Naturpark Frau-Holle-Land das Wendehals-Projekt: Christian Bringmann mit einem
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Betreut beim Geo-Naturpark Frau-Holle-Land das Wendehals-Projekt: Christian Bringmann mit einem

Drei Wendehals-Paare haben in diesem Jahr rund um die Frankershäuser Hie- und Kripplöcher gebrütet, ein Paar sogar zwei Mal. An die 35 Jungvögel der stark gefährdeten Spechtart flogen aus.

Frankershausen – Die Specht-Paare nutzten spezielle Nistkästen, die der Vogelschutzbeauftragte des Kreises, Jörg Friederich, in Absprache mit der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land erstmals aufgehängt hat.

„Finanziert wird das auf mehrere Jahre angelegte Projekt mit Geldern der Hessischen Biodiversitätsstrategie“, berichtet Naturpark-Mitarbeiter Christian Bringmann.

„Ich habe zunächst nach geeigneten Standorten im Kreis gesucht“, berichtet Friederich. Er entschied sich für Kalkmagerrasen und alte Streuobstbestände an der Blauen Kuppe bei Eschwege, am Jestädter Weinberg, bei den Hie- und Kripplöchern sowie bei Wendershausen und Roßbach. Dreimal kontrollierte Friederich die insgesamt 48 Kästen während der Brutsaison.

In den übrigen Gebieten konnte er den charakteristischen Ruf des Vogels hören, der mit seiner grau-braun-schwarz-weißen Marmorierung auf Baumstämmen kaum zu erkennen ist. Die Tiere nutzen aber seine Kästen nicht. „Vermutlich brüteten sie in Baumhöhlen oder – wie in Rossbach – in bereits vorhandenen Nistkästen“, sagt der Vogelschützer.

Der 17 Zentimeter lange und bis zu 50 Gramm schwere Specht ist in Hessen vom Aussterben bedroht. „Landesweit gehen wir von 200 bis 300 Paaren aus“, berichtet Bringmann. Der Vogel leidet unter dem Verlust von Lebensraum. Er ernährt sich fast ausschließlich von Wiesenameisen und ihrer Brut, die er am Boden sucht und mit seiner langen, klebrigen Zunge, der Leimrute, fängt. Fündig wird er insbesondere auf Kalkmagerrasen, auf denen Schafe den Bewuchs kurz halten und mit ihren Klauen Erdreich frei treten. Rund um den Meißner ist das der Fall. Der Wendehals kann sich im Unterschied zu anderen Spechtarten seine Bruthöhlen nicht selbst bauen. Er ist auf vorhandene Höhlen, die es etwa in alten Obstbäumen gibt, angewiesen. Auch Nistkästen nimmt der Vogel an. Sie bieten ihm zusätzliche Sicherheit vor Nesträubern wie dem Waschbären oder dem Marder.

Die von Friederich Anfang des Jahres aufgehängten Kästen sind auch von anderen bedrohten Vogelarten genutzt worden, etwa von Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper oder Feldsperling, zudem von Kleiber und verschiedenen Meisenarten. Sie kamen auf insgesamt 31 Bruten. In einigen Kästen siedelten sich Hornissen und Wespen an. In anderen quartierten sich drei Siebenschläfer ein.

Nach Ende der Brutzeit hat Friederich die Kästen gereinigt und verschlossen. Er wird sie im kommenden April wieder öffnen. Dann kehren die Wendehälse aus ihren Winterquartieren in West- und Zentralafrika zurück. Sie sind nämlich die einzigen Zugvögel unter den europäischen Specharten. „Trifft ein Wendehals-Paar andere Vögel in einem Nistkasten an, wird es rabiat und vertreibt die Konkurrenz“, berichtet Bringmann. (Michael Caspar)

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