Amtsgericht Eschwege

Gesellige Runde ist Auftakt einer ereignisreichen Nacht

Gesellige Runde ist Auftakt einer ereignisreichen Nacht.
+
Gesellige Runde ist Auftakt einer ereignisreichen Nacht.

Ein Verfahren, in dem einem Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis fahrlässige Brandstiftung in betrunkenem Zustand angelastet wurde, endete vor dem Amtsgericht in Eschwege jetzt mit einem Freispruch. Die Fortsetzung:

Werra-Meißner – In geselliger Runde folgte ein Bier auf das nächste, zwischendurch doppelte Schnäpse: Als Herr K. an einem Mittwochabend gegen 22 Uhr im Januar vergangenen Jahres schließlich zu Hause ankam, hatte er in dreieinhalb Stunden mindestens 2,5 Liter Bier und sieben Doppelte gekippt.

Dem seien bei einer Tageswanderung zwei Liter Hefeweizen vorausgegangen. Das rekonstruierte der 47-Jährige am Freitagmorgen im Amtsgericht Eschwege.

An alles könne er sich nicht erinnern oder habe es im Nachhinein erfahren. Die Stunden mit Freunden waren jedoch nur der Auftakt einer ereignisreichen Nacht, die sich in einem Mehrfamilienhaus im Werra-Meißner-Kreis abspielte und mit einem Brand endete. Über ein Jahr später saß Herr K. als Angeklagter im Amtsgericht. Adrett gekleidet und in seinen Schilderungen um Genauigkeit bemüht.

Brandursache unklar

Die Staatsanwaltschaft vermutete, er habe den Brand in besoffenem Zustand durch eine unbeaufsichtigte Kerze ausgelöst. Mittags wurde er freigesprochen. Bis zum Schluss blieb die Feuerursache unklar.

War es ein technischer Defekt, Brandstiftung oder Fahrlässigkeit? Eine Kerze war es jedenfalls nicht, wie auch der Brandsachverständige bestätigte.

Angstzustände

In jener Nacht habe Herrn K.s Mutter nach eigenen Aussagen ihren Sohn zweimal – gegen 23 Uhr und gegen 0 Uhr – beruhigen müssen. Er habe sich verfolgt gefühlt, dachte, in seine Wohnung sei eingebrochen worden. Der Angstzustand sei nicht ungewöhnlich, berichtet die Mutter. Dass er viel trinke, auch nicht.

Gegen 1 Uhr in der Nacht drehte der ebenfalls im Haus wohnende Bruder im Keller die Sicherung raus – wegen lauter Musik. Daraufhin sei Herr K. randalierend zum Sicherheitskasten gezogen. Die Mutter rief die Polizei. „Zum ersten Mal.“ Die Beamten trafen im Hausflur auf einen Mann mit Waffe. Eine Spielzeugwaffe, wie sich herausstellen sollte.

Zu dieser Zeit muss es in Herrn K.s Wohnung bereits gebrannt haben. „Ich habe den Rauchmelder schon gehört“, so ein Beamter gegenüber der Richterin. Die Hausbewohner seien von einem defekten Rauchmelder im Hausflur ausgegangen. Als Herr K. mit den Beamten wegen der Einbruchsvermutung seine Wohnung betreten wollte, schlug ihnen eine Stichflamme entgegen.

Das Haus musste mitten in der Nacht evakuiert werden. Herrn K.s direkter Nachbar erlitt aufgrund einer Verpuffung, schwere Verbrennungen. Der Schaden – nur im Haus – betrug 100 000 Euro.

Alkoholkonsum

Der medizinische Sachverständige attestierte Herrn K.s Schuldfähigkeit, bezweifelte aber, dass dieser einen Grund gehabt hätte, absichtlich ein Feuer zu legen. Er habe Arbeit, auf die er stolz sei, und ein Leben mit Hobbys und Freunden. Als problematisch beurteilte er jedoch den Alkoholkonsum, die folgende Paranoia und das fehlende „Problembewusstsein“.  (Hanna Maiterth)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.