Gesetzliche Sonderregelung endet

Höhere Abgaben: Viele Kindertagespfleger müssen ihren Job aufgeben

Zahlen oder aufgeben: Wenn der Beitrag für die Krankenkasse steigt, wird das für die in der Kindertagespflege Selbstständigen zum existenziellen Problem. Foto: dpa

Werra-Meissner. Tagesmütter und -väter sind besorgt: Bisher galten sie als nebenberuflich selbstständig. Ab Januar 2016 wird sich das ändern.

Dann sind sie laut Gesetz hauptberuflich selbstständig und müssen mit höheren Sozialabgaben rechnen.

Vielen Tagesmüttern im Werra-Meißner-Kreis bereitet das Sorge. Ilona Friedrich vom Fachbereich Jugend, Familie, Senioren und Soziales sagt, man rechne nun damit, dass manche ihre Tätigkeit in Frage stellen oder gar aufgeben müssen.

Grund für die Änderung ist das Auslaufen einer gesetzlichen Sonderregelung, die 2008 verabschiedet wurde, um dem Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren entgegenzuwirken. Der Bund wollte damit bessere finanzielle Bedingungen für die Kindertagespflegepersonen schaffen - befristet bis zum 31. Dezember 2015.

Die Regelung hatte zur Folge, dass sich die zu entrichtenden Sozialabgaben für die Kranken- und Pflegeversicherung nach der Einkommenshöhe der Tagespflegeperson richten. Da diese bisher als nebenberuflich selbstständig galt, fielen die Abgaben niedriger aus, als für andere Berufsgruppen. „Die Sonderregelung ist nun nicht mehr erforderlich“, sagt Meinhard Johannides vom Verband der Ersatzkassen. Der Verein Hamburger Tagesmütter und -väter fordert die Weiterbewilligung der Sonderregelung - in Hessen zeigt sich derzeit kein Widerstand.

Und auch beim Werra-Meißner-Kreis war man von der HNA-Anfrage überrascht. Man habe sich selbst erst erkundigen müssen, sagt Ilona Friedrich. Die Betreuungsplätze in der Tagespflege seien fester Bestandteil der Bedarfsplanung, deren Wegfall man nicht hinnehmen wolle. Auch bedeute die Erhöhung der Sozialabgaben eine zusätzliche Belastung des Kreishaushalts, da der Kreis die Sozialabgaben zur Hälfte zahle. Man wende sich nun an den Hessischen Landkreistag.

Über eine Tagesmutter, die um ihre Existenz fürchtet, berichten wir in der gedruckten Mittwochausgabe der Witzenhäuser Allgemeinen.

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