Arbeitsgruppe soll Alternativen prüfen

Gestiegene Baukosten: Vorerst keine Ausschreibung für Feuerwehr-Neubau

Gibt es bisher nur im Entwurf: den Neubau des Feuerwehrstützpunktes in Reichensachsen. Im Juni vorigen Jahres war Spatenstich, seitdem ist wenig passiert. Grafik: Baubüro Luther
+
Gibt es bisher nur im Entwurf: den Neubau des Feuerwehrstützpunktes in Reichensachsen. Im Juni vorigen Jahres war Spatenstich.

Es wird vorerst keine Ausschreibung für den geplanten Neubau des Feuerwehrstützpunktes in Reichensachsen geben. Das entschied die Gemeindevertretung am Montag einstimmig.

Reichensachsen – Die Erschließung des Baugrundes für den Neubau soll aber fortgesetzt werden. Grund des Stopps sind die gestiegenen Baukosten von ursprünglich geschätzten 4,2 Millionen Euro (2017) auf jetzt 6,5 Millionen Euro beziehungsweise sogar sieben Millionen, rechnet man die derzeitig hohen Preise am Bau durch Corona mit ein.

Arbeitsgruppe prüft Alternativen

Zudem beschloss das Parlament, Alternativen zu den bisherigen Planungen für den Feuerwehrneubau zu erarbeiten. Dafür wird nun eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, der Bürgermeister Timo Friedrich, der Parlamentsvorsitzende Norbert Claus (FWG), der Gemeindebrandinspektor sowie der Wehrführer Reichensachsensens und eine Person aus der Bauverwaltung der Gemeinde angehören. Weil die Fraktionen sich aus dem Thema ausgeschlossen fühlten, soll das Gremium um eine feststehende Person aus jeder der Fraktionen erweitert werden. „Wir müssen die Zeit jetzt nutzen, und objektiv beurteilen, ob es Alternativen gibt“, sagte Friedrich.

Mehr Unterstützung vom Landkreis gefordert

Weil die Teuerung für den Neubau von 1,9 Millionen beziehungsweise 2,5 Millionen Euro allein zulasten der Gemeinde gehe, kündigte Friedrich an, bereits Verhandlungen mit dem Landkreis um eine Aufstockung dessen Zuschusses um 380 000 Euro für das Projekt zu erwirken. Der Landkreis will den Stützpunkt als Übungszentrum mitnutzen. „Angemessen ist aus unserer Sicht eine Summe vom Kreis von 800 000 Euro“, sagte der Bürgermeister am Montag. An den förderfähigen Kosten für das Projekt, die mit 1,5 Millionen Euro bemessen sind, beteiligt sich der Kreis mit rund 570 000 Euro. Das Land fördert mit 600 000 Euro. Laut Friedrich habe Kreisbrandinspektor Christian Sasse nach einem ersten Gespräch Ende Juni zugesagt, sich beim Kreis für eine Erhöhung der Zuwendung an die Gemeinde Wehretal einzusetzen. „Die Notwendigkeit des Vorhabens bleibt unverändert, aber wir haben es mit Steuergeldern zu tun“, verteidigte Friedrich auf der Sitzung, an der auch zahlreiche Mitglieder der Reichensächser Feuerwehr als Zuschauer teilnahmen, die Entscheidung, derzeit nicht mit der Ausschreibung der Bauleistungen zu beginnen. „Wenn die Ausschreibung erst veröffentlicht ist, ist das Verfahren nicht mehr zu stoppen“, sagte Friedrich.

Finanzielle Auswirkungen

Im Zuge der Debatte um den Ausschreibungsstopp erläuterte Friedrich dem Parlament die Konsequenzen der Teuerung des Feuerwehrneubaus für die Gemeinde. Die Neuverschuldung von fünf Millionen Euro zur Finanzierung schlägt mit 30 bis 40 000 Euro für Zinsen und 180 000 bis 190 000 Euro Tilgung jährlich zu Buche, bei sofortiger Ausschreibung sogar mit 230 000 Euro. Die Möglichkeiten der Kommune zum Sparen beziehungsweise Einnahmequellen zu generieren, seien „sehr eingeschränkt“, sagte Friedrich. „Bleiben nur Steuererhöhungen und das macht uns als Gemeinde wieder unattraktiver.“

Was eine Steuererhöhung bringen würde

Nach Berechnungen durch die Verwaltung würden die Grundsteuern um 100 bis 150 Punkte steigen, die Gewerbesteuer um 50 Punkte. Bisher liegt Wehretal bei der Grundsteuer bei 420, bei der Gewerbesteuer bei 400 Punkten und damit mit am günstigsten im Kreis. (Stefanie Salzmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.