Ein Mekka der Pferdezucht

Sie brachte Gestüt Altefeld in 60ern auf Vordermann – ehemalige Besitzerin gestorben

Erfolgreich in der Pferdezucht: Die inzwischen verstorbene Alexandra Gutierrez – geborene Gräfin von Spreti und verwitwete Scherping – war einst Besitzerein des Gestüts Altefeld. 
Repro: Manfred Graf/nh
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Erfolgreich in der Pferdezucht: Die inzwischen verstorbene Alexandra Gutierrez – geborene Gräfin von Spreti und verwitwete Scherping – war einst Besitzerein des Gestüts Altefeld. Repro: Manfred Graf/nh

Das Gestüt Altefeld lag einst in den Händen der kürzlich verstorbenen Alexandra Gutierrez, die ihm in den 60ern zu neuem Glanz verhalf. Ein Rückblick.

Altefeld – 40 Jahre ist es her, dass die Schlüssel für das Gestüt Altefeld in der Gemeinde Herleshausen übergeben wurden. Ein letztes Mal hielt sie damals Alexandra Gutierrez in den Händen, bevor sie das Gestüt 1981 an Manfred und Doris Graf übergab. Erst im Dezember ist Gutierrez, die in Altefeld wohl besser bekannt sein wird unter dem Namen Alexandra Scherping, gestorben. Das teilte Graf nun mit.

„Ein herausragender Verdienst in ihrem Leben war sicher der Ankauf und die Renovierung von Altefeld 1962“, sagt der heutige Gestütsbesitzer über die im Alter von 91 Jahren in Punta Del Este (Uruguay) Verstorbene und am 15. Januar 1929 als Gräfin von Spreti Geborene.

Denn in der Nachkriegszeit habe die Zukunft des Gestüts düster ausgesehen: Es drohte der Verfall. Doch dann kam Gutierrez. Sie sei der Vollblutzucht und dem Rennsport von Hause aus eng verbunden gewesen, erklärt Manfred Graf. „Ihr Großvater Carl von Weinberg gründete das damals bedeutende Vollblutgestüt Waldfried in Frankfurt am Main, welches Frau Gutierrez von ihrem Vater Rudolf Graf von Spreti erbte.“ Das Gestüt Waldfried sei jedoch 1943 bei einem der Bombenangriff der Alliierten getroffen und dadurch zerstört worden. Vorübergehend zog es auf dem Römerhof in Köln ein, bevor Alexandra Gutierrez das Gestüt Altefeld entdeckt und gekauft habe.

„Viele Menschen aus der Region fanden in dieser Zeit Arbeit im Vollblutgestüt und den umfangreichen Reparaturarbeiten an den Gebäuden“, so der geschichtlich interessierte Graf. Allein der Bau der unzähligen Kilometer Betonzaun seien ein enormer Wirtschaftsfaktor gewesen.

Aufbau einer Vollblutzucht lag Alexandra Gutierrez am Herzen. Sie brachte erfolgreiche Pferde hervor

Neben dem Erhalt der historischen Bauwerke lag Frau Gutierrez in Altefeld natürlich besonders der Aufbau der Vollblutzucht am Herzen, ist sich Graf sicher und weißt auf erfolgreiche und bekannte Pferde hin, die unter der Leitung Gutierrez in Altefeld geboren und aufgezogen worden seien, die aber auch als Zukäufe zur Zucht auf das Gestüt kamen. „Diese Faktoren machten eine besondere Ära aus, in der Altefeld wieder zu einem Mekka der Pferdezucht avancierte.“

Auch im Ort habe sich die pferdebegeisterte Frau eingebracht, sagt Graf. Etwa beim Bau der evangelischen Kirche Altefeld. Lange Zeit hätten die Gottesdienste im Pferdestall abgehalten werden müssen, erklärt Graf.

Über den Wunsch der Altefelder nach einer eigenen, richtigen Kirche berichteten wir schon im Jahre 1960 Ende Januar – wie ein Blick ins Archiv zeigt. Da hieß es: „Eine große Zahl der Einwohner Altefelds sprach sich für den sofortigen Bau einer Kirche aus. Laut Pfarrer Jochen Düftler aus Renda, der für Altefeld zuständig ist, wird über den Bau eines Gotteshauses nachgedacht, das etwa fünfzig Gläubigen Platz bieten soll. Außerdem soll auch ein Gemeinderaum entstehen. Die Kosten für die Verwirklichung werden schätzungsweise rund 80 000 Mark erfordern. Pfarrer Düftler erklärte außerdem, dass die Finanzierung noch nicht endgültig geklärt ist, man aber in dieser Hinsicht noch sehr zuversichtlich sei. Mit der Unterstützung der Landeskirche und einiger Gönner hoffe man, sehr bald die Voraussetzung für den Baubeginn schaffen zu können.“

Gebaut wurde die Altefelder Kirche dann 1964. Der Neubau sei mit wesentlicher Unterstützung von Gutierrez errichtet worden, wie Manfred Graf weiß. Nicht verwunderlich, habe er Alexandra Gutierrez doch stets als großherzigen und großzügigen Menschen kennengelernt. (Von Hanna Maiterth)

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