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Gottesdienst und Ausstellung über Künstler aus Wichmannshausen

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In der Martinskirche in Wichmannshausen finden ein Gedenkgottesdienst und eine Ausstellung statt. archiv
In der Martinskirche in Wichmannshausen finden ein Gedenkgottesdienst und eine Ausstellung statt. archiv © Michelle Funk

Er war Arzt, evangelischer Pfarrer in Wichmannshausen und bildender Künstler: Kurt Reuber, dessen Bild „Stalingradmadonna“ zum Weihnachtsfest 1942 viele Emotionen auslöste.

Wichmannshausen – Ein Gedenkgottesdienst findet am 21. August ab 11.30 Uhr in der Kirche in Wichmannshausen statt. Anlässlich des 750. Geburtstages des Ortes gibt es zusätzlich eine Ausstellung zu Reuber in der Kirche – vom 21. August bis zum 11. September zwischen 15 und 18 Uhr. Der Besuch der Ausstellung in der Kirche ist auch nach Vereinbarung möglich. Kontakt: Uwe Bartholmai, Tel.: 0 56 58/86 94

Aber zurück zum Anfang der Geschichte: Kurt Reuber wuchs in Kassel auf, studierte in Bethel, Tübingen und Marburg Theologie. Gleichzeitig besuchte er medizinische Vorlesungen und nahm Malunterricht. 1933 wurde er Pfarrer in Wichmannshausen. Während seiner Pfarrstelle studierte er Medizin in Göttingen und promovierte im Jahr 1938.

Als Truppenarzt wurde er im Oktober 1939 zur Wehrmacht – zunächst im Balkankrieg – einberufen. Nach einem Heimaturlaub kehrte er im November 1942 zu seiner Einheit in Stalingrad zurück. Zwei Tage später schloss sich der Kessel von Stalingrad. Die „Stalingradmadonna“ malte Reuber auf die Rückseite einer russischen Landkarte. Das Bild wurde in einem Bunker aufgehangen. Augenzeugen sollen berichtet haben, dass dieses Bildnis zum Weihnachtsfest viele Emotionen auslöste.

Kurt Reuber selbst nannte das Bild „johanneisch“, dabei bezog er sich auf die Worte: Ich bin das Licht der Welt (Johannes 8, 12); Ich bin die Auferstehung und das Leben (Johannes 11, 25); Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm (1. Johannes 4, 16). „Die Worte (Leben, Liebe, Licht) werden zum Symbol einer Sehnsucht nach allem, was äußerlich so wenig da ist und was am Ende nur in unserm Innersten geboren werden kann“, so schreibt Reuber selbst in seinen Anmerkungen zur Entstehung des Bildes. Später – und auch heute noch – bewirkt dieses Bild der Geborgenheit, welches in einer Zeit des Chaos, des Krieges und der Vernichtung gefertigt wurde, dass viele Menschen Hoffnung schöpfen und den Glauben nicht verlieren, heißt es.

Diese Zeichnung und etwa 150 weitere Porträts wurden vom verletzten Kommandeur Kurt Reubers mit dem letzten Flugzeug aus dem Kessel von Stalingrad nach Deutschland gebracht. Das Original der „Stalingradmadonna“ hängt seit 1983 in der Gedächtniskirche in Berlin, eine Kopie ist zudem in der Kirche in Wichmannshausen zu sehen.

Im Januar 1943 geriet Reuber in russische Kriegsgefangenschaft, zum Weihnachtsfest 1943 zeichnete er die „Gefangenenmadonna“. 1944 verstarb er im Gefangenenlager in Jelabuga an Fleckentyphus.  

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