Sie erzählt Geschichten: Mittelalterliche Dorfkirche Hollstein

Mittelalterliche Dorfkirche Hollstein
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Klein, aber problematisch: Zwei Mal in der Geschichte der Kirche war der Turm einsturzgefährdet.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: die Kirche in Hollstein.

Hollstein – Im September 2000 musste die Kirche in Hollstein geschlossen werden, weil sie baufällig geworden war. Gottesdienste konnten dort erstmal nicht mehr stattfinden, stattdessen wurde drei Jahre lang renoviert. Dabei mussten der Turm und das Kirchendach ganz neu aufgebaut werden und die Fundamente trockengelegt. Auch die Fenster, die Treppe und die Empore wurden erneuert und ein neuer Innenputz aufgetragen. Bei der Gelegenheit wurden auch gleich die Elektrik erneuert, eine Heizung eingebaut, die Orgel generalüberholt, die Innenfarben aufgefrischt, an der Außenfassade gearbeitet und der Platz vor der Kirche neugestaltet. Am 28. September 2003 erlebte die kleine Kirche somit ihre Wiedergeburt.

Zur Einweihung hatte sich Agnes Huck eingehend mit der Geschichte beschäftigt. Aber auch sie musste feststellen, dass über die Anfänge der Kirche so gut wie nichts bekannt ist. Das Dorf Hollstein wurde 1195 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar als Besitz des Klosters Germerode. Vermutet wird, dass die Kirche aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt. Es handelt sich um eine spätgotische Saalkirche, wie Dr. Gerhard Seib in der Chronik „700 Jahre Lichtenau“ festhielt. Gemauert wurde sie aus Sandstein, wobei das Langhaus offenbar älter ist als der später angebaute Chor.

Ein Blick in den Innenraum der Kirche: Im Sommer schwitzt der neue Innenputz.

An der Ostwand ist noch ein kleines Spitzbogenfenster erhalten, die übrigen Fenster sind rechteckig. Über der Westfassade erhebt sich ein Dachturm mit achtseitiger Laterne und Welscher Haube. Die Wetterfahne gibt das erste fassbare Datum an: Ein neuer Dachreiter kam 1797 aufs Dach, nachdem das damals schon einmal einsturzgefährdete Dach und das gesprungene Mauerwerk des Turmes ausgebessert worden waren. Auch im Innenraum wurde die Kirche erneuert. Und schon zu dieser Zeit beklagte Baumeister Hinser, dass es beim Bauholz „eine fast täglich zunehmende Theurung“ gebe.

Im Inneren sind bis heute Emporen an drei Seiten eingezogen, wobei die Orgelempore leicht vorschwingt. Die klassizistische Kanzel stammt vom Beginn des 19. Jahrhunderts, die Orgel wurde 1882 gebaut. Interessant sind die erhaltenen Kirchenrechnungen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Sie führen auf, welche Beträge für die Erhaltung und Ausstattung der Kirche aus eigenen Mitteln aufgewandt werden musste. So musste während des 30-Jährigen Krieges ein neuer Zinnkelch angeschafft werden, weil „die Krieger den vorigen genommen“. Die Kirche war vermutlich geplündert worden.

Pfarrerin Dorothee Holzapfel steht an der Orgel, die 1882 gebaut wurde.

Zwischen 1659 und 1665 musste das Gebäude erstmals renoviert worden sein, denn es wurden Maurer bezahlt, Kalk gekauft und Bretter sowie Nägel für das Dach. 1753 wurde ein neues Gesangbuch angeschafft. Festgehalten wurde, wann das weiße Altartuch gewaschen wurde (1786 und 1799 - 1844 wurde eine neues gekauft) und man erfährt, dass der Schullehrer dafür bezahlt wurde, die Kirche auszufegen und die Fenster zu putzen. 1934 wurde die Kirche noch einmal grundlegend renoviert und 1949, die im Krieg abgegebene Glocke ersetzt und eingeweiht. Die Linde auf den Kirchvorplatz wurde 1962 gepflanzt. Schließlich wurde 1994 ersichtlich, dass sich das Fundament des Kirchturms gesenkt hatte und die Schäden am Gebäude offenbar größeres Ausmaß hatten. Besonders schön gestaltet wurden bei der Renovierung die neuen Fenster aus buntem Glas. „Und der neugestaltete Kirchplatz ist heute ein Treffpunkt, an dem die Leute aus dem Dorf zusammenkommen, und dann wird geschnuddelt“, erzählt Edith Pasterk, Mitglied des Fördervereins der Dorfkirche Hollstein, die gleich neben der Kirche wohnt und die Aufzeichnungen zur Geschichte von Agnes Huck aufbewahrt hat. (Kristin Weber)

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