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Grenzmuseum: Wie ein DDR-Bürger mit diesem Radlader flüchten wollte

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Von: Christoph Cortis

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Restauriert zurück im Grenzmuseum: Das Fahrzeug, mit dem der DDR-Arbeiter Heinz-Josef Große aus dem thüringischen Thalwenden bei einem Fluchtversuch erschossen worden war.
Restauriert zurück im Grenzmuseum: Das Fahrzeug, mit dem der DDR-Arbeiter Heinz-Josef Große aus dem thüringischen Thalwenden bei einem Fluchtversuch erschossen worden war. © Chris Cortis

Bad Sooden-Allendorf – Komplett restauriert zurück im Grenzmuseum Schifflersgrund ist jenes Fahrzeug, mit dem der DDR-Bürger Heinz-Josef Große vor mehr als 40 Jahren bei einem gescheiterten Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze in den Tod gefahren ist.

Der Radlader, auch Überkopflader genannt, war in den vergangenen Monaten in der Werkstatt des Berliner Diplom-Restaurators Dirk Voigtländer fachgerecht gereinigt und von Grund auf restauriert worden.

Über Jahrzehnte war das Baufahrzeug im Freigelände des ersten Grenzmuseums auf deutschem Boden der Witterung ausgesetzt gewesen. Erhebliche Verschmutzungen und Korrosionsschäden waren die Folge. Nach deren Beseitigung erhielt das Fahrzeug – historisch authentisch – seine grüne Farbgebung zurück.

Am Mittwoch brachte ein Tieflader das tonnenschwere Fahrzeug zu seinem Bestimmungsort. Geschützt steht es dort einstweilen unter dem Dach der Hessenhalle.

Rückblende: Der 29. März 1982 war für den damals 34-jährigen Facharbeiter Heinz-Josef Große der letzte Arbeitstag an der innerdeutschen Grenze. Schon mehrfach war er dort eingesetzt worden und galt bei dem zuständigen Grenzkommando der DDR als zuverlässig und vertrauenswürdig. An diesem Tag aber plante er seine Flucht in den Westen. Zwei Grenzsoldaten hatten ihm noch das Mittagessen gebracht, entfernten sich aber dann, um einer motorisierten Streife des Bundesgrenzschutzes zu folgen, die dort Patrouille fuhr. Die Gelegenheit schien günstig zu sein. Große fuhr an den Metallgitterzaun heran, der noch mit der Selbstschussanlage SM 70 bestückt war. Er legte die schwenkbare Schaufel des Überkopfladers auf den oberen Rand der Sperranlage und kletterte auf die Schaufel, als die DDR-Grenzer seine Absicht erkannten. Deren Aufforderung, stehen zu bleiben, missachtete er, sprang über den Zaun, befand sich aber immer noch auf DDR-Territorium, als die Soldaten zunächst einen Warnschuss abgaben und dann gezielt das Feuer eröffneten. Große wurde tödlich getroffen. Er verblutete wenige Meter vor Erreichen bundesdeutschen Gebietes. Das restaurierte Fluchtfahrzeug, so Wolfgang Ruske als Gründer des Grenzmuseums, soll „Leitexponat“ einer Dauerausstellung in einem neuen Gebäude werden, das gegenwärtig am Eingang zum Freigelände entsteht.

Ab sofort können Besucher den Radlader aber auch schon in der Hessenhalle sehen. Geöffnet ist das Grenzmuseum täglich zwischen 10 und 17 Uhr, Heiligabend und Silvester geschlossen.  zcc

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