Unser Spiel: Beim Kreisliga-Wettkampf der Turnerinnen der KSV Auedamm in Großalmerode

Um 6.15 Uhr klingelt der Wecker

Unterstützung am Gerät: Trainer Jörn Schröder und Marie Müller.

Großalmerode. Für ihre große Leidenschaft, das Turnen, steht Emely Ziegler am Sonntag früher auf als an Schultagen. „Heute hat der Wecker um 6.15 Uhr geklingelt“, sagt die Zehnjährige.

Seit zwei Jahren turnt sie bei der KSV Auedamm – wie ihre jüngere Schwester, die siebenjährige Mia. Boden und Balken sind ihre Lieblingsgeräte. Vorher hat Emely Ballett getanzt. „Aber der Spitzentanz ist nicht gut für die Füße“, erklärt sie.

Deswegen ist sie zum Turnen gewechselt. „Das ist eine Ganzkörpersportart mit komplexen Bewegungen“, sagt Trainer Jörn Schröder, der Emely, Mia und die anderen Mädchen drei Mal in der Woche in der Kasseler Goetheschule trainiert. 22 Sportlerinnen zwischen sieben und neunzehn Jahren trainieren momentan bei ihm und seiner Kollegin Claudia Großbach. Schröder ist der Hahn im Hühnerhaufen. „Wir haben viel Spaß zusammen, die Mädchen sind echte Charaktere.“ Heute steht in Großalmerode ein Wettkampf der Kreisliga Nordhessen an. Die Mädchen treten in vier Teams an.

Als Emely in die Halle kommt, haben sich ihre Mannschaftskolleginnen schon am Weichboden in der Hallenmitte versammelt. An den orange-schwarzen Trainingsanzügen sind sie leicht zu erkennen. Zwischen all den Mädchen ragt ein großer Teddybär heraus. „Das ist Molly“, sagt die neunjährige Lilly Jordan. „Unser Glückbär.“ Molly ist bei jedem Wettkampf dabei. Abends darf jedes Mädchen ihn mal mit nach Hause nehmen. Streit um ihn gibt es selten. „Wir verstehen uns alle richtig gut“, sagt die elfjährige Greta Helbing, die beim Turnen viele Freundinnen gefunden hat. „Langweilig ist es bei uns nie, wir haben uns immer was zu erzählen.“ Claudia Großbach lacht: „Das stimmt, ruhig ist es bei den Mädchen nicht.“ Aber nur selten muss sie dazwischen gehen und um Konzentration bitten. „Wir haben eine sehr homogene und fleißige Gruppe.“ Gemeinsam fahren die Mädchen auch zu Turnfesten oder gehen ins Schwimmbad.

Zöpfe flechten vor der Arbeit

Heute sind alle gut vorbereitet. Die kunstvoll geflochtenen Zöpfe fallen ins Auge. „Die hat meine Mutter schon gestern Abend gemacht“, sagt die siebenjährige Mia Christin Steeb. „Papa kann das nicht.“ Mutter Natalie musste zur Arbeit, bevor die Tochter aufgestanden ist. Viele der anderen Eltern sitzen auf der gut gefüllten Tribüne der Großalmeröder Sporthalle und feuern an.

Als die zwölfjährige Kirsten Weber ihre Kür vorführt, sitzen die anderen Mädchen gespannt an der Seite, schauen zu. Jörn Schröder dreht die Musik auf, an Wettkampftagen hat er viel zu tun. Die Filmmusik aus „Mission Impossible“ erklingt. „Kiwis Musik mag ich am liebsten“, sagt Greta. Auf einem Turnfest haben die Mädchen sich gegenseitig Früchte- und Gemüsespitznamen gegeben. „Aber Granatapfel und Radieschen waren zu lang, deswegen ist nur „Kiwi“ geblieben“, erklärt Kirsten. Der Spitzname ziert ihren Turnanzug.

Als Kirsten fertig ist, klatschen sich die Mädchen ab. „Wir unterstützen uns gegenseitig und ermuntern uns, wenn es mal nicht so läuft“, sagt sie. Als der Wettkampf um 18.30 Uhr nach neuneinhalb Stunden beendet ist, hat Auedamm zwei erste, einen zweiten und einen dritten Platz erturnt und drei Einzelsiege geholt. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.

Von Carina Wagener

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