Illegal Badende

Ärger um den Exbergsee in Epterode - Schwimmer ignorieren Badeverbot

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Hier darf eigentlich nicht gebadet werden.

Wo am Montagvormittag Wege und Gebüsch rund um den Exbergsee in Epterode sauber sind, liegen am Dienstagabend Papiertaschentücher, Plastik, Handtuchfetzen und Zigarettenkippen.

Die Menschen, die durch die warmen Temperaturen zum See gezogen wurden, haben ihre Spuren hinterlassen. Und das, obwohl sie dort eigentlich nicht sein dürften. Der See ist gepachtet vom Angelsportverein Großalmerode, das Gelände somit privat, worauf an jedem Weg zum See gelbe Schilder hinweisen.

Die werden einfach ignoriert, berichtet Markus Traube, Erster Vorsitzender des Angelsportvereins. Die Mitglieder haben nach der ersten Wärmeperiode bereits einen Arbeitseinsatz hinter sich gebracht und das Areal vom Müll befreit. Aber: „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, so Traube.

Fische leiden wegen Sonnencreme

Bereits 2018 bemängelte er nicht nur den finanziellen Verlust: Wenn gebadet wird, können die Vereinsmitglieder und zahlende Gastangler nicht ihrem Hobby nachgehen. Außerdem sorge etwa Sonnencreme dafür, dass sich auf dem Wasser ein Film bildet und die Fische dadurch leiden.

Hinzu kommt, dass die Badegäste oft auf dem Geh- und Radweg parken, der Rommerode und Epterode verbindet. Der Bereich rund um den See, vor allem rund um den Bahnübergang und die Straße „Am See“, wird an heißen Tagen verstärkt durch das Ordnungsamt kontrolliert, berichtet Bürgermeister Finn Thomsen auf HNA-Anfrage. Bis Dienstagfrüh wurden am Bahnübergang bereits 35 Ordnungswidrigkeiten wegen Parkens auf dem Geh- und Radweg geahndet, so Thomsen. Dazu kommen sechs Fälle von Parken im Halteverbot „Am See“.

Dazu sei auf Antrag der Stadt von Hessen Mobil ein zusätzliches Geh- und Radwegeschild am Bahnübergang aufgestellt worden und es wurden durch die Stadt Markierungen auf den Asphalt gemalt. „Dadurch wird noch offensichtlicher, dass es sich um einen Geh- und Radweg handelt“, sagt Thomsen. 

Am Dienstag, 18 Uhr, sieht es am See so aus: Rund um den Bahnübergang bei Epterode ist es kaum möglich, einen legalen Parkplatz zu finden. Dicht gedrängt stehen Autos, viele von ihnen mit Kasseler und Göttinger Kennzeichen. Einige von ihnen haben auf dem Geh- und Radweg geparkt. Im See plantschen Kinder und Erwachsene, andere liegen gemütlich auf den Wiesen. 

So wie ein 22-Jähriger aus der Nähe von Lohfelden, der mit zwei Freunden am See ist. Dass es eigentlich nicht gestattet ist, sich auf dem Gelände aufzuhalten, weiß er: „Wenn jemand kommt und sagt, wir sollen gehen, dann würden wir das auch machen.“ Prinzipiell verstehe er, dass der Angelsportverein (ASV) das Baden verbietet, aber „so ein See ist ein Gut der Region, sowas sollte man teilen.“ Gerne auch gegen Eintritt, so der junge Mann. Von dem Geld könnten dann auch mögliche, durch die Badenden verursachte Schäden am Ökosystem des Wassers behoben werden. 

So wie der 22-Jährige reagieren nicht alle. Zum Beispiel der junge Mann mit Basecap, freiem Oberkörper und Shorts. „Ich weiß nichts von dem Verbot, ich bin nicht von hier“, antwortet er auf die Frage, warum er trotz eindeutiger Schilder zum Exbergsee kommt. Und: „Regeln sind dafür da, um gebrochen zu werden.“ Wenn es ein Privatgrundstück sei, dann solle der Pächter eben einen Zaun darum ziehen. 

Christian Dach, Zweiter Vorsitzender des ASV, kennt das Problem: „Man schickt die Leute weg und nach fünf Minuten kommen sie durch den anderen Zugang wieder.“ Wenn es nicht helfe, mit den illegal Badenden zu sprechen, werde man die Polizei zu Hilfe holen, so der Erste Vorsitzende Markus Traube. Da es sich um ein Privatgrundstück handelt, kontrolliert die Polizei das Badeverbot nicht, berichtet Jörg Künstler, Sprecher der Polizei im Kreis, auf HNA-Nachfrage. Im Mai 2018 gab es den Anruf eines ASV-Mitglieds, das die Polizei darum bat, das Hausrecht des Vereins durchzusetzen. „Es wurden an diesem Tag 18 Platzverweise erteilt“, so Künstler. Verlassen die illegal Badenden nicht freiwillig das Gelände, könne der Pächter dies wohl nur durch Unterstützung der Polizei durchsetzen. 

Zusätzlich wird auch noch gegrillt - trotz Waldbrandgefahr

Verkehrsverstößen geht die Polizei nach, sagt Künstler. „Dabei wird auch darauf geachtet, dass die Zufahrten zum See frei bleiben.“ Großalmerodes Bürgermeister Finn Thomsen erklärt dazu, dass auf Anraten von ASV und Polizei im vergangenen Jahr die Feuerwehrzufahrten deutlich gekennzeichnet wurden. Bisher sei vonseiten der Stadt noch nicht festgestellt worden, dass diese zugestellt waren. 

Ein weiteres Problem sehen die ASV-Mitglieder darin, dass trotz der umstehenden Bäume nebst aktueller Waldbrandgefahr gegrillt wird. Auch Feuerstellen sind rund um den See zu finden. Und: Häufchen von Fischschuppen lassen darauf deuten, dass hier nicht nur illegal gebadet wird. 

Bei allem Ärger: Gut läuft die seit 2018 bestehende Zusammenarbeit mit dem Reiterhof Hirschberg, betonen die Vorsitzenden. Die Wege rund um den See wurden neu geschottert und Reiterhof-Betreiber Robert Simon habe einen Reitweg oberhalb des Sees zu einer Koppel angelegt. Rund um den See ist das Reiten indes verboten.

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