Rauchfrei dank Jakobsweg

Armin Scheerschmidt qualmte 60 bis 90 Zigaretten am Tag

+
Erinnerung an die Wanderungen: Neben dem klassischen Jakobsweg ist Armin Scheerschmidt auch schon den in Spanien und der Schweiz gepilgert. 

Gerade einmal 13,5 von 50 Lebensjahren hat Armin Scheerschmidt nicht geraucht. Die erste Kippe gab es mit zehn Jahren, zwischendurch zwei Pausen und den Rückfall. Am Schluss waren es 60 bis 90 Zigaretten am Tag – Bis er am 14. Januar 2019 den blauen Dunst aus seinem Leben verbannte.

Nicht der Gesundheit wegen, die war in Ordnung. Beim medizinischen Check zum 50. Geburtstag wurde eine Lungenfunktion von 105 Prozent festgestellt, sagt der in Laudenbach wohnende Pfarrer. Er führt das darauf zurück, das er lange Fußball und Zehnkampf auf Hochleistungsniveau betrieben hat. Aber: „Die ständige Abhängigkeit hat genervt“ – bei Sitzungen stündlich vor die Tür gehen, ebenso bei Feiern oder wenn er mit seiner Frau essen ging.

Aber wie schafft man es, eine so massive Sucht zu beenden? Scheerschmidt hat dafür einen besonderen Weg gefunden, ein Mantra, das er sich immer wieder vorsagte: „Wer 916 Kilometer in 37 Tagen auf dem Jakobsweg laufen kann, der kann auch mit dem Rauchen aufhören.“ Ihm habe das geholfen, den Suchtgedanken beiseite zu schieben, berichtet Scheerschmidt.

„Der Kopf ist das A und O, das Wichtigste ist das Wollen“, rät er allen, die selbst von der Sucht runterkommen möchten. Gelaufen ist Scheerschmidt mit seiner Frau den klassischen Jakobsweg vom französischen Saint-Jean-Pied-de-Port über die Pyrenäen bis ins spanische Santiago de Compostela von August bis Oktober 2018. „Der Weg hat mich wahnsinnig angeregt“, sagt er. Man habe die ganze Zeit nichts anderes zu tun als zu gehen, zu essen und zu schlafen. „Man denkt viel über sich selbst, das Leben und die Zukunft nach. Was will ich ändern? Dazu gehörte bei mir auch das Rauchen“, sagt Scheerschmidt, der von zahlreichen spirituellen Erfahrungen auf dem Weg berichtet. „Ich weiß nicht, wie oft ich das Vaterunser, den Psalm 23 und das Herzgebet gesprochen habe.“ Gebetet hat er zum Beispiel auch, als in der Stadt Burgos plötzlich die Beine dichtmachten, er nicht mehr weitergehen konnte. Nach einer halben Stunde ging es wieder und er marschierte an diesem Tag 27 Kilometer. „Ein Wunder“, nennt Scheerschmidt es.

Das Mystische des Weges machen auch Begegnungen mit Menschen aus, berichtet er. Wie die mit einem jungen Mann, der Scheerschmidts berichtete, dass er sich eigentlich vor dem Jakobsweg noch von seinem Heimat-Pfarrer segnen lassen wollte, der aber nicht da war. Gut, dass er in Scheerschmidts auf einmal zwei Geistliche als Wandergefährten hatte. Viele, die sie trafen, haben aus ihrem Leben erzählt. „Wenn man 20 Jahre im Beruf ist, lernt man, Menschen zuzuhören“, sagt Scheerschmidt, der den Beschluss, den Jakobsweg zu laufen, fasste, nachdem ein Osteopath ihn von Knieschmerzen befreite und er so um eine Operation herumkam.

„Die Spiritualität des Weges ist mir für den Alltag erhalten geblieben“, sagt Scheerschmidt. Und der Entschluss, die Zigaretten beiseite zu legen. Mit positivem Effekt: „Die Lebensqualität hat sich wahnsinnig gesteigert ohne Qualm. Nicht nur für meine Frau, sondern auch für mich.“ Und die paar Kilos, die durch das Nichtrauchen dazu gekommen sind, sollen nun auch wieder runter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.