Großalmerode

Ärger auf dem Friedhof: Aufregung um verschwundene Urne

Fundort: Klaus Wendel zeigt auf die Stelle, an der die Urne seines 2008 verstorben Vatres, verscharrt wurde. Der Fundortliegt nur zehn Meter vom Familiengrab entfernt. Foto:  Shuhaiber

Großalmerode. Ärger auf dem Friedhof von Großalmerode: Eine Firma soll eine Urne aus einem Familiengrab genommen und in einem Gebüsch wieder vergraben haben.

Für die Urnenbestattung von Erika Wendel soll ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen versehentlich die Urne ihres Schwiegervaters aus dem Familiengrab ausgegraben und 15 Meter entfernt im Gebüsch wieder verbuddelt haben.

Sohn Klaus Wendel hat nun Strafanzeige wegen Störung der Totenruhe erstattet. Ob der Straftatbestand tatsächlich besteht oder ob eine Fahrlässigkeit vorliegt, muss nun die Staatsanwaltschaft Kassel ermitteln.

Klaus Wendel ist schockiert: Am vergangenen Freitag hat er seine Frau Erika auf dem städtischen Friedhof in Großalmerode beisetzen lassen. Bereits während der Bestattung hatte der 61-Jährige das Gefühl, dass etwas nicht stimmt: Exakt an der Stelle, an der die Urne seines Vaters Heinrich beigesetzt wurde, wurde in der vergangenen Woche die Urne seiner Frau bestattet. Einen Tag nach der Beerdigung besuchte Klaus Wendel erneut das Familiengrab und entdeckte etwa einen Meter entfernt blaue Urnenteile im Gebüsch - sein Vater war 2008 in einer blauen Urne bestattet worden.

„Ich wollte wissen, ob die Urne meines Vaters überhaupt noch da ist.“

Die Entdeckung ließ dem Witwer keine Ruhe. „Ich wollte wissen, ob die Urne meines Vaters überhaupt noch da ist“, sagte Wendel. Deshalb fuhr er am Sonntag aufs Polizeirevier in Hessisch Lichtenau und trug seine Befürchtungen dort vor. „Die Staatsanwaltschaft hat dann am Montag angeordnet, dass die Urne meiner Frau ausgegraben wird“, erzählt er. Doch wo war die Urne seines Vaters Heinrich geblieben? Im Familiengrab konnte sie nicht gefunden werden.

„Ich habe die Urne meiner Frau in den Arm genommen und bin mit ihr ein Stück spazieren gegangen, bevor ich sie Pfarrer Klinge zur Aufbewahrung gegeben habe“, erzählte er mit tränenerstickter Stimme. Weil die Urne des Vaters offenbar spurlos verschwunden war, habe die Staatsanwaltschaft einen Tag später angeordnet, die gesamte Grabfläche auszuheben. Bei einem weiteren Ortstermin am Mittwoch entdeckte Wendel zehn Meter vom Grab entfernt eine Stelle mit frisch ausgehobener Erde. „Ich habe sofort die Polizei angerufen und nichts angefasst, bis die vor Ort waren.“ Unter einer fünf Zentimeter dünnen Erdschicht sei dann die blaue Urne des Vaters gefunden worden. Der Deckel sei zerbrochen gewesen.

Klaus Wendel ist zutiefst enttäuscht. Er erstattete Anzeige gegen die Firma, die die Grabpflegearbeiten im Auftrag der Stadt übernommen hat. Der 61-Jährige vermutet, dass bei den Vorbereitungen zur Beerdigung etwas schiefgelaufen ist, und der Fehler anschließend vertuscht werden sollte. Ob sich sein Verdacht bestätigt, müssen nun die Behörden ermitteln. Weil Wendel den Gedanken nicht nicht ertrug, dass sein Vater einfach so entsorgt werden sollte, hat er bei der Stadt um eine neue Grabstätte gebeten. Die erneute Beerdigung seiner Eltern und seiner Frau ist für den 13. Dezember geplant.

Bürgermeister Andreas Nickel sprach dazu seine Betroffenheit aus: „Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, eine Urne auszugraben und zehn Meter weiter wieder zu verscharren.“ Da auch die Stadt ein großes Interesse an der Aufklärung des Falles habe, sei bereits Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet worden. Die ausführende Firna habe der Stadt gegenüber versichert, dass sie nicht dafür verantwortlich sei.

Der Unternehmer wollte mit Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren noch keine Stellungnahme zu der Sache abgeben. Er erklärte lediglich, dass die Polizei auch in andere Richtungen ermittele.

Von Alia Shuhaiber

Das sagt der Staatsanwalt

Die Staatsanwaltschaft Kassel bestätigte auf Anfrage, dass Strafanzeige wegen Störung der Totenruhe erstattet wurde. „Ich kann keine weiteren Angaben zu dem laufenden Verfahren machen. Die Akten sind noch nicht bei uns angekommen“, sagte Sprecher Götz Wied. Es müsse nun ermittelt werden, ob es sich um eine vorsätzliche Straftat oder eine Fahrlässigkeit handelt. Der Strafbestand „Störung der Totenruhe“ sei nur bei vorsätzlicher „Grabschändung“ gegeben und werde mit einer Geldbuße oder in besonders schweren Fällen mit einer Freiheitsstrafe bis drei Jahre geahndet. (alh)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.