Neben Corona erschweren Überschwemmungen und Heuschrecken das Leben in Ostafrika

Bericht aus Großalmerode: In Kenia müssen die Menschen an drei Fronten kämpfen

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Bei den Massai: In diesem Haus wohnt eine der Familien der ostafrikanischen Volksgruppe der Massai, deren Farm jüngst auch erheblich von den Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Von den Folgen der Corona-Pandemie sind derzeit wohl die meisten Menschen auf der ganzen Welt betroffen, mehr oder weniger schlimm. Die Menschen in Kenia hat es drastischer getroffen, sie müssen an drei Fronten kämpfen: gegen Corona, gegen Heuschrecken und gegen Überschwemmungen wegen Starkregens. Davon berichtet das Missionswerk Frohe Botschaft (MFB), das in Großalmerode seinen Sitz hat.

Das MFB unterstützt seit vielen Jahrzehnten Patenschaften und Projekte in Ostafrika. Dessen Sozialarbeiterin Evelyne Timado, die auch Leiterin der Hilfsorganisation „Light of Life“(LoL) in Kenia ist, hat eines der Patenmädchen zu Hause besuchen können und übermittelte ihre Eindrücke nach Deutschland. Sylke Goebel, die Patenschaftsbeauftragte des MFB, hat sie zusammengefasst:

„Die Überschwemmungen haben den Garten der Mutter zerstört. Die ganze Ernte, die sonst auf dem Markt verkauft worden wäre, ist vernichtet. Evelyne besuchte sie gerade, als die Mutter die Reste der Ernte zusammensuchte, um daraus wenigstens noch eine Mahlzeit kochen zu können.

Die Ausgangssperre in Kenia wurde inzwischen wieder um einen Monat verlängert (Stand: 13. Mai). Sie umfasst ein großes Gebiet um die Hauptstadt Nairobi herum. Die Preise steigen, besonders für die wichtigen Lebensmittel wie Zucker, Maismehl, Reis und Speiseöl. Viele Menschen verzichten deshalb auf Mahlzeiten, um die Vorräte zu strecken.

In der Küche: Sozialarbeiterin Evelyne Timado, die Leiterin von „Light of Life“, der Partnerorganisation des Missionswerks Frohe Botschaft, zu Besuch bei einer Massaifamilie.

Evelyne Timados Haus liegt zwar außerhalb der Ausgangssperrzone, jedoch kann sie und ihre Nachbarn auch nicht einfach zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten gelangen – die liegen nämlich innerhalb der Zone. Die „Coronazentren“ in Kenia sind Nairobi und Mombasa. Beide Städte sind großflächig abgesperrt worden, damit sich das Virus nicht weiter im Land verbreitet.

Evelynes „Kochplan“ für eine Woche sieht Folgendes vor: Für sie, ihre Familie und die 32 aufgenommenen Patenmädchen gibt es nur Frühstück und Abendessen. Dabei achtet Evelyne darauf, dass es jeden Tag etwas anderes zu essen gibt. Morgens gibt es Porridge oder Brot und Tee. Nur samstags gibt es auch Würstchen dazu. Abends gibt es abwechselnd Reis und Maisbrei, mal mit einer Art Bohneneintopf, mal mit Kohl oder anderem Gemüse.

Allgemein werden die Lebensmittel in Kenia knapp. Die Heuschreckenplage und die starken Überschwemmungen trugen weiter dazu bei. Die Bauern, die zum Jahreswechsel den wichtigen Mais angebaut haben, haben ihre Ernte verloren. Die Heuschrecken sind weiterhin aktiv, nun schon in der zweiten Generation.

Das Nachbarland Uganda kann im Moment keine Lebensmittel liefern, denn auch dort herrscht in einigen Landesteilen bereits Nahrungsmittelknappheit. Deshalb ist das Nahrungsmittelangebot eingeschränkt und die Preise sind gestiegen, bei Maismehl um ein Viertel (auf umgerechnet jetzt ein Euro pro Kilogramm) und bei Reis und Speiseöl um ein Drittel (auf 1,45 Euro/Kilo beziehungsweise 1,80 Euro/Liter).

Die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten sind stark eingeschränkt und viele Kenianer deshalb arbeitslos. Das gilt besonders für die Tagelöhner, sowohl in den Gebieten mit Ausgangssperre, als auch außerhalb davon. Die offenen Märkte, wo die Lebensmittel billiger angeboten werden als in den Supermärkten, haben wegen Infektionsgefahr geschlossen. Die Marktbetreiber hätten zurzeit ohnehin nicht viel zu verkaufen.

Die angespannte Versorgungslage macht Evelyne Angst: Zuerst haben sich alle über den kostbaren Regen gefreut, doch dann wurde er zu stark und überschwemmte sehr viel Land. Dort, wo die Überschwemmungen nicht (stark) waren, gehen die Menschen daran, erneut ihr Land zu bebauen.

Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus behindern auch die Maßnahmen gegen die Heuschrecken. Dadurch können sich die Heuschrecken weiter (stark) vermehren. Die Bauern versuchen sich so gut es geht selbst zu helfen und vertreiben die Heuschrecken mit großen Stoffstücken – was leider nur wenig hilft.“

Spendenkonto des Missionswerks Frohe Botschaft (MFB): IBAN: DE22 5206 0410 0000 0000 94; Stichwort: Nothilfe Kenia

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