HNA-Interview: Dan Zoreka berichtet über seine Arbeit 

Bischof aus Uganda zu Besuch in Großalmerode

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Zu Gast im Missionswerk: Mit Missionsleiter Hartmut Krause (links) und Sylke Goebel (rechts) arbeitet Bischof Dan Zoreka (Mitte) seit sechs Jahren eng zusammen. 

Großalmerode. Seine Heimat ist Afrika, seine Diözese in Ugande ist eng mit dem Missionswerk Frohe Botschaft verbunden. Im HNA-Interview berichtet Bischof Dan Zoreka von seiner Arbeit.

Bischof Dan Zoreka aus Uganda ist derzeit zu Gast beim Missionswerk Frohe Botschaft (MFB). Seine Diözese liegt im Südwesten des Landes. Durch die nahe Grenze hat der Kirchenbezirk zeitweise mit Flüchtlingsströmen aus dem Kongo zu tun. Auf die Integration der von dort vertriebenen Pygmäen hat der Bischof ein besonderes Augenmerk gelegt. Jasmin Goldmann hat mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Ist es Ihr erster Besuch in Deutschland?

Zoreka: Ja, es ist das erste Mal. Es ist ein sehr schönes Land. Man kann es aber nicht mit meiner Heimat vergleichen. Es sind einfach zwei völlig verschiedene Länder.

Ihre kleine Tochter ist erst kurz vor Ihrer Abreise auf die Welt gekommen. War es schwer für Sie, jetzt nach Deutschland zu reisen?

Dan Zoreka: Ja, es war nicht so leicht, meine Familie kurz nach der Geburt allein zu lassen. Als ich sicher war, dass es meiner Frau und unserer Tochter gut geht, war ich beruhigt und konnte fahren.

Haben Sie viel Kontakt zu den Mitarbeitern des MFB?

Zoreka: Ja, wir sprechen sehr regelmäßig miteinander. Meistens kommunizieren wir durch E-Mails. Gestern beim Missionsfest hatte ich außerdem die Möglichkeit, viele von den Menschen kennenzulernen, die meine Diözese durch Patenschaften für Kinder unterstützen. Das war wichtig für mich, da wir für die Unterstützung sehr dankbar sind.

Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Ihrer Diözese und dem Missionswerk?

Zoreka: Bevor ich zum Bischof der Diözese wurde, hat mein Vorgänger den Kontakt zum MFB aufgebaut und gepflegt. Als die Pygmäen Anfang der 90er-Jahre aus dem Kongo vertrieben wurden, hat sich mein Kirchenbezirk für diese Menschen stark gemacht und wollte gegen ihre Diskriminierung vorgehen. Zu dieser Zeit muss auch der erste Kontakt zum MFB entstanden sein. Das Missionswerk unterstützt uns vor allem durch Schulpatenschaften für die Kinder dieses Stammes.

2000 wurde die „Bishop School“ gegründet, in die Kinder von Pygmäen mit anderen Kindern gehen. Wie viele Kinder sind in der Schule und wie viele von ihnen sind Pygmäen?

Zoreka: 295 Kinder gehen dort zur Schule. Von diesen gehören ungefähr 80 bis 90 Kinder zum Stamm der Pygmäen.

Haben Sie selbst eine Funktion in dieser Schule?

Zoreka: Nein, eine richtige Funktion nicht. Aber ich besuche die Schule und die Kinder dort sehr oft. Sehr viele von ihnen kenne ich persönlich.

Sie sagten, dass gerade die Pygmäen oft von anderen Stämmen diskriminiert wurden. Von welcher Art von Diskriminierung sprechen wir?

Zoreka: Am Anfang, kurz nach der Umsiedlung, wurden diese Menschen nicht als gleichwertig betrachtet. Es wurde ihnen zum Beispiel nicht erlaubt, mit Menschen anderer Stämme zusammen zu essen. Diese Diskriminierung war der Hauptgrund für die Gründung der „Bishop School“, um die Kinder von allen Stämmen gemeinsam aufwachsen zu lassen. Heute gibt es diese Diskriminierung nicht mehr. Alle Kinder essen zusammen, lernen gemeinsam, tragen die gleichen Schuluniformen und gehen in dieselbe Kirche. Wir behandeln alle gleich.

Welche Pläne hat die Diözese für die Zukunft?

Zoreka: Wir versuchen, in unserem Kirchenbezirk eine Art Berufsschule aufzubauen, wie es sie auch in Deutschland gibt. Uganda hat eine hohe Arbeitslosenrate. Das liegt mit daran, dass junge Menschen auch mit einem Universitätsabschluss nicht immer Arbeit finden. Das wollen wir ändern, indem wir ihnen ein Handwerk mit auf den Weg geben, das es ihnen ermöglicht, sich selbst zu versorgen. Wenn es uns gelingt, für das Projekt Förderer zu gewinnen, könnte die Schule schon nächstes Jahr eröffnet werden.

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