Die Geschichte des guten Tons

Blauer Sonntag im Glas- und Keramikmuseum Großalmerode

Andrea Sölle war aus Kassel-Kirchditmold gekommen und ließ sich von Stefan Möller über das Mineral Markazit, landläufig als „Katzengold“ bekannt, aufklären.
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Andrea Sölle war aus Kassel-Kirchditmold gekommen und ließ sich von Stefan Möller über das Mineral Markazit, landläufig als „Katzengold“ bekannt, aufklären.

Die Aktion „Blauer Sonntag“, eine Initiative der Fördergesellschaft Nordhessen zur heimischen Industriekultur, wurde in Großalmerode als „Blauer Samstag“ aktiv: der örtliche Geschichtsverein hatte für Samstag in die Stadt des guten Tons eingeladen, um den mineralischen Rohstoff in besonderer Weise zu erkunden und zu erleben.

Großalmerode - „In diesem Jahr ist alles anders“, ging Stefan Möller, seit Februar dieses Jahres Vorsitzender des Geschichtsvereins, auf die besondere Situation unter Corona ein. „Statt eines langen Industriekultur-Wochenendes mit großen Veranstaltungen und vielen Menschen gibt es diesmal das Format ,Blauer Sonntag auf Achse Spezial 2020’, ganz der Situation angepasst. Das bedeutet, dass von Anfang August bis Ende September überwiegend im Freien Führungen, Besichtigungen und Wanderungen mit begrenzter Teilnehmerzahl und vorheriger Anmeldung stattfinden.“

Im Garten des Glas- und Keramikmuseums begrüßten Möller und einige Vereinsmitglieder 16 Teilnehmer, die sich für die beiden Führungen zur Geschichte des Tons angemeldet hatten. Nach einer kurzen Einführung zu dem Rohstoff, mit dem die Stadt seit dem 12. Jahrhundert verbunden ist und sie entscheidend geprägt hat, teilten sich die Teilnehmer in zwei gleich große Gruppen. Während die eine Gruppe sich zu Fuß zum etwa 200 Meter entfernten „Heiligenhof“ auf den Weg machte, um dort etwas über die Tonaufbereitung zu erfahren, stiegen die anderen ins Taxi, um zum knapp eineinhalb Kilometer entfernten Gebiet „Lengemann“ zu fahren, wo nach wie vor der wertvolle Rohstoff gewonnen wird. Im Anschluss an die jeweilige 30- bis 40-minütige Führung tauschten die Gruppen die Standorte.

Als sachkundige Führer hatten sich Dr. Wolfgang Kistner und Stefan Bauer zur Verfügung gestellt. Während Kistner den Teilnehmern die Tonaufbereitung in den Räumen der Glasschmelzhafenfabrik Fastner und Co. auf dem Gelände „Heiligenhof“ an der Straße „Obere Scheidquelle“ vorstellte, führte Bauer die Gruppe zum „Lengemann“ wo er sich als Bergmann mit der Tongewinnung unter Tage bestens auskennt. Der Stollen ist der einzige in Deutschland, wo noch heute im Tiefbau von einer Handvoll Bergmännern Ton gefördert wird, mehrere Hundert Tonnen pro Jahr. Der Großalmeröder Ton hat eine Zusammensetzung, die weltweit einzigartig ist und den gebrannten Produkten eine hohe Feuerfestigkeit verleiht. (Von Lothar Röß)

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