HNA-Serie „Die Kirche im Dorf lassen“

Bewegte Geschichte: Die Kirche in Laudenbach

Kirche Laudenbach
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Die Kirche in Laudenbach laut Bauinschrift 1669 erneuert und erweitert, 1837 wurde das Kirchenschiff nach Norden vergrößert und erhöht, 2002-2007 wurde der Dachstuhl neu errichtet.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: die Kirche in Laudenbach.

Laudenbach – Im Jahr 1397 wurde erstmals schriftlich festgehalten, dass es in Laudenbach eine Pfarrkirche gegeben habe. Wann genau diese auf dem Hügel im Dorf erbaut wurde, kann nur noch geschätzt werden, aber es muss ein gutes Jahrhundert früher gewesen sein. Das Untergeschoss des stabil aus Bruchsteinen gemauerten Turmes - seine Wandstärke beträgt 1,30 Meter - könnte noch im romanischen Stil um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden sein. Der weite Bogen, der vom Turm ins Kirchenschiff führt, trägt aber schon spitzbogige, gotische Züge. Nach dem dreißigjährigen Krieg war die Kirche dann entweder beschädigt oder so stark baufällig, dass sie 1669 erneuert und erweitert wurde.

Der damalige Pfarrer Friedrich Wagner hielt dies mit einer Inschrift über der Eingangstür fest. So wurde erstmal der Glockenstuhl befestigt, damit die Glocken nicht herunterfielen, wie in alten Kirchenrechnungen notiert ist, die der Archäologe Dr. Karl Kollmann in der Chronik aufbereitet hat. Auch wurden drei neue Fenster eingesetzt. Auf dem Turm, der noch in seinem mittelalterlichen Baubestand erhalten war, kam eine Welsche Haube. 1673 wurde eine neue Kanzel und die Pfarrbank errichtet und bis 1695 nach und nach auch die Bänke und das Kirchendach ausgebessert.

Im 19. Jh. nahmen die Pläne, die Kirche ein weiteres Mal umfangreicher zu sanieren und zu erweitern, Gestalt an, doch das Vorhaben musste finanziert werden. 1836 erteilte die Landeskreditkasse endlich eine Zusage für ein Darlehen. Im Norden wurde das Kirchenschiff um einige Meter verbreitert und erhöht. Heute noch kann man außen am Mauerwerk erkennen, welches die damals erweiterten Teile sind. 1877 aber der nächste Schock: Ein Riss klaffte im Mauerwerk des Turmes und musste beseitigt werden. Zwischen 1956 und 58, als die Empore verbreitert, die Wandfarbe von blutrot zu rosa abgemildert und der vergitterte Pfarrstand entfernt wurde, kam schließlich eine Überraschung zu Tage. „Es wurde entdeckt, dass der spätgotische Taufstein aus Sandstein all die Zeit unter dem Altar versteckt gewesen war“, erzählt Pfarrer Armin Scheerschmidt. „So hat er die Reformation und den Bildersturm überstanden.“ 1975 erhielt die Kirche ein buntes Fenster aus der Werkstatt des bekannten Glasmalers Jakobus Klonk zum Matthäus-Vers: „Ihr seid das Salz der Erde.“

Die Kanzel von 1673 erstrahlt wie einst.

2002 musste die Kirche erneut geschlossen werden. Und die folgenden Arbeiten standen den Erneuerungen der Vergangenheit in nichts nach. „Die Decke drohte einzustürzen“, berichtet der Pfarrer. „Eine neue Decke wurde eingezogen und der Dachstuhl neu gebaut.“ Der Kirchenälteste Karl Gumpfer erinnert sich gut. „Viel wurde von uns durch Eigenleistung gestemmt. Die Vereine haben mitgeholfen und die ganze Kirche 80 cm tief ausgeschachtet, um eine neue Heizung einzubauen“, erzählt er. Bei den Arbeiten wurden zwei alte Gräber gefunden. Außerdem wurden die Kanzel sowie die Orgel überarbeitet, neue Eichenbänke angeschafft, eine Lautsprecheranlage installiert und die Wände erhielten eine neue Farbe, bzw. eine alte: Unter den sieben historischen Farbschichten wurde ein freundliches Gelb aus der Zeit zwischen dem 18. und 19. Jh. ausgewählt, das gut zur Kanzel passte.

Bis heute gibt es in Laudenbachs wunderschön wiederhergestellter Kirche eine sehr aktive Gemeinde, die sehr zufrieden mit ihrem langjährigen Pfarrer ist. Und der hat sich schon ein neues Bauprojekt vorgenommen. Hinter dem großzügigen gotischen Bogen soll der Raum im Erdgeschoss des Wehrturms mit seinen Resten mittelalterlicher Malereien restauriert und ausgebaut werden. (Kristin Weber)

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