Maler ohne Kolonie

Gemälde von Künstler Heinrich Pforr in Kassel zu sehen  

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Gemälde von Heinrich Pforr (1880-1970): Die Bilder „Spaziergang im Sommer“ und „Anna Pforr im Krankenbett“ in der Kasseler Galerie Heinzel.

Laudenbach/Kassel. In der Galerie Heinzel gibt es eine neue Ausstellung, die den Namen „Hessenkunst“ trägt. Die Schau trägt den Untertitel „Heinrich Pforr und Zeitgenossen.

Der Blick fällt durch ein geöffnetes Fenster: Auf dem Ast eines blühenden Apfelbaums sitzt eine Amsel, ein paar rote Dächer gehen in erdiges Feld und grüne Wiesen über, dahinter liegt ein sanft geschwungener Hügel. Die Fensterflügel sind geöffnet, auf dem Tisch steht ein üppiger Strauß Flieder, in dem weitere Blüten Farbakzente setzen.

Doch Heinrich Pforrs 1906 entstandenes Ölgemälde ist nicht nur heiter Sonnenschein: Es zeigt seine kranke Schwester Anna, die sehnsuchtsvoll von ihrem Lager nach draußen blickt. In der Hand hält sie fest umschlossen Gänseblümchen. Das Sträußchen erscheint als Vorbote eines Gebindes, das man einer Toten in die Hand drücken würde. Das Gesicht der Patientin, die sich dieses Mal noch erholte, trägt eine dramatisch fahle Farbe, die sie mit der Wand gemein hat.

Das Bild ist Teil der Ausstellung „Hessenkunst“ der Galerie Heinzel. Die Schau trägt den Untertitel „Heinrich Pforr und Zeitgenossen“. Zu ihnen zählten die Maler der Willingshäuser Malerkolonie, darunter Carl Bantzer, der mit dem „Leineweber Rupp aus Willingshausen“ vertreten ist. Das markante Profil des häufig von Bantzer gemalten Webers wird durch die Seitenansicht und die verschränkten Arme unterstrichen. Von Bantzer ist auch das Porträt einer Schwälmerin zu sehen: Mit dem streng gebundenen Schnatz korrespondieren die locker in den Nacken fallenden Strähnen des Haaransatzes. Auch eine Vorstudie zu dem in Willingshausen entstandenen „Waldspaziergang“, der in der Neuen Galerie hängt, ist Teil der Schau.

Im Gegensatz zu den Malern, die nach Willingshausen kamen, um Motive zu sammeln und diese in ihren Ateliers umzusetzen, hat der in Laudenbach geborene und in Hann. Münden gestorbene Pforr seine Heimat nie verlassen.

Ein weiteres Gemälde von Pforr zeigt einen Spaziergang vor einer Meissnerlandschaft. „Eigentlich zwei Bilder, die ins Museum gehören“, findet Galerist Walter Schomberg.

Bis 19. Mai, Galerie Heinzel, Opernstr. 9, Mo-Fr 10-13 und 14-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr, sowie n. V. unter Tel. 0561/15879.

Von Anne-Kathrin Aue

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