Sie gibt Mädchen Hoffnung: Kenianerin rettet junge Frauen vor Zwangsheirat

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Hilfe für junge Frauen: Evelnye Nakota und Sylke Goebel vom Missionswerk Frohe Botschaft in Großalmerode. Nakota trägt traditionelle Massai-Kleidung.

Großalmerode. Evelnye Nakota ist eine bemerkenswerte Frau. Mit festem Blick erzählt sie davon, wie sie junge Frauen vor Beschneidung und Zwangsheirat rettet und dafür Morddrohungen erhält. Trotzdem macht sie weiter.

Evelnye Nakota ist Sozialarbeiterin für das Projekt „Light of Live“ (Licht des Lebens) in Kenia, das vom Missionswerk Frohe Botschaft in Großalmerode geleitet wird. Zum Afrikatag des Vereins hat die 30-Jährige jetzt Deutschland besucht. „Wir haben sie eingeladen“, sie kann am besten erzählen, was sie dort alles macht und wie das Projekt aufgebaut ist“, sagt Sylke Goebel, Patenschaftsleiterin im Missionswerk. Das Partnerprogramm richtet sich an ältere Massaimädchen. Durch Patenschaften wird es den jungen Frauen ermöglicht, die Schule zu besuchen. „Viele Massai sind arm, und können das Schulgeld nicht bezahlen. Die Väter lassen dann die Mädchen zwangsverheiraten, um das Brautgeld zu bekommen“, sagt Nakota. Sie arbeitet dafür, dass die Massai-Mädchen eine Chance auf eine höhere Schulbildung bekommen.

Im Projekt sind 107 Mädchen, acht von ihnen leben dauerhaft bei Nakota, ihrem Mann und ihren beiden Kindern. „Das Schulgeld schützt sie, sodass sie Zuhause wohnen bleiben können. Bei den acht ist eine Zwangsheirat allerdings nicht ausgeschlossen, deshalb bleiben sie bei mir“, sagt die Sozialarbeiterin.

Für sie ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Als sie jung war, hat ihr Vater sie vor einer Zwangsheirat bewahrt, indem er dem Dorf den Rücken gekehrt hat und es ihr ermöglicht hat, zur Schule zu gehen. „Ich habe gemerkt, dass es viele Mädchen gibt, die nicht von ihrer Familie unterstützt werden. Das versuche ich zu ändern.“

Sie hat auch schon Erfolge zu verbuchen: Drei Mädchen konnte sie in den vier Jahren, in denen es das Projekt gibt, retten und ihnen angesehene Berufe und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Die Betroffenen kontaktieren Evelnye Nakota meist selbst, oft wendet sich aber auch die Polizei an sie. „Ich hole die jungen Frauen dann aus den Häusern und nehme sie bei mir auf. Klar sind die Väter wütend und drohen. Ich habe aber keine Angst, mein Mann beschützt mich“, sagt sie.

Sie wünscht sich, dass die Massaikultur sich ändert. „Die Frauen sind kein Gegenstand, das muss in den Köpfen der Menschen ankommen“, sagt sie. Außerdem hofft sie, dass die Organisation weiterhin viele Mädchen retten kann. „Es gibt immer Hoffnung, besonders für die Zukunft der Mädchen“, sagt sie.

Patenschaft für Schulbesuch 

Patenschaften kosten 33 Euro im Monat und ermöglichen es den Mädchen, in die Schule zu gehen.

Informationen gibt das Missionswerk Frohe Botschaft unter Tel. 0 56 04/50 66 und unter www.mfb-info.de

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