Großalmerode: Diese Eindrücke bleiben

Helfer vom THW Großalmerode berichten vom Einsatz im Hochwassergebiet an der Ahr

Bewegende Erlebnisse: Beim Betrachten der Bilder von der Flutkatastrophe erinnern sich Marco Schäfer (links) und Thomas Kalny an ihren Einsatz an der Ahr.
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Bewegende Erlebnisse: Beim Betrachten der Bilder von der Flutkatastrophe erinnern sich Marco Schäfer (links) und Thomas Kalny an ihren Einsatz an der Ahr.

Marco Schäfer, Zugführer des Technischen Hilfswerks (THW) Großalmerode, erinnert sich noch genau an den 15. Juli. Er wurde vom Eschweger THW für den Einsatz im Ahrtal alarmiert.

Großalmerode – Sintflutartiger Regen hatte dort über Nacht die Ahr in einen reißenden Fluss verwandelt, der Häuser wegriss und ganze Orte verwüstete. „Gleich am nächsten Tag klingelte bei mir zu Hause mittags um 13 Uhr das Telefon.“

Mehr als 180 Menschen verloren bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ihr Leben.

„Ich hatte Urlaub, brauchte nur meine Sachen zu packen und machte mich auf den Weg, um als Einsatzleiter schnell vor Ort die erforderlichen Maßnahmen einleiten zu können“, berichtet Schäfer von seinem Aufbruch in Epterode.

Sein Auftrag: Die Einsatzkräfte vor Ort mit technischer Ausstattung, Fahrzeugen, Material, Einsatzkleidung und Lebensmitteln zu versorgen und sanitäre Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Allein um Baumaschinen, Lastwagen, Bagger und Radlader für die Bergung vermisster Personen und Aufräumarbeiten einsatzfähig zu halten, mussten täglich etwa 30 000 Liter Diesel und etwa 10 000 Liter Benzin bereitgestellt werden.

Erste Anlaufstelle für Schäfer war das mehr als 100 Kilometer entfernte Trier, da die Infrastruktur im Einsatzgebiet weitgehend zerstört war. Von dort organisierte er zunächst die Materialbeschaffung, koordinierte Einsätze zum Abpumpen von Wasser aus den beschädigten Häusern sowie von Heizöl aus Tanks und stellte dafür die Stromversorgung über Großaggregate sicher.

Nach fünf Tagen wechselte er direkt an die Ahr zum etwa 32 Kilometer langen Einsatzabschnitt von Kreuzberg bis Hönningen, wo der Einsatz nach 22 Tagen am 6. August endete. Dort organisierte er unter anderem die Verpflegung für bis zu 1500 Helfer und 5000 Anwohner.

Unvergessen bleiben ihm Berichte von Helfern, die Leichen aus Autos und Kellern bargen – und aus Bäumen, in denen sie bei der bis zu acht Meter hohen Flut hängengeblieben waren. „Mir selbst ist so ein Anblick erspart geblieben, selbst als wir einen Wohnwagen auf einem Campingplatz kontrolliert haben“, sagt Schäfer. Er hofft, dass sich alle in Sicherheit bringen konnten. „Ich habe mit meiner Frau über das Erlebte gesprochen, um es zu verarbeiten.“.

Im gleichen Gebiet waren von 26. bis 31. Juli auch die Großalmeröder Thomas Kalny als THW-Ortsbeauftragter und Marius Möller als Baufachberater im Einsatz. Sie begutachteten im Auftrag des Bauamts Häuser, die von den Bürgern als beschädigt gemeldet wurden. „In Einzelfällen kamen auch Anwohner auf uns zu und fragten, ob wir mal gucken können“, so Kalny.

50 Häuser inspizierten er und Möller in einer Woche: Drei konnten abgestützt werden, zehn mussten abgerissen werden. Einen Physiotherapeuten traf es doppelt: Sein Haus war einsturzgefährdet, im Nachbarort verlor er seine Praxis. Ein anderer hätte sich dagegen den Abriss seiner beschädigten Pizzeria gewünscht.

Insgesamt waren 14 Helfer vom THW-Ortsverband Großalmerode im Katastrophengebiet.

Zehn davon halfen vom 17. bis 31. Juli im Fluthilfe-Basislager auf dem Nürburgring mit der Einheit Logistik/Verpflegung, um unter der Leitung von Claudia Schäfer 6500 Helfer vom THW, der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern, dem Arbeiter-Samariter-Bund und der Bundeswehr zu verköstigen. Allein bis zu 20 000 Brötchen samt Belag mussten morgens vorbereitet werden. (Von Lothar Röß)

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