1980 fand die letzte Renovierung statt

Nico Bradler restauriert marodes Fachwerkhaus in Großalmerode

Schritt für Schritt: Im Frühjahr will Nico Bradler zunächst die Fassade renovieren und neue Fenster einbauen. Bei einem Termin mit der Denkmalschutzbehörde hat er sich bereits informiert, welche Vorgaben dazu er einhalten muss. Fotos:  Shuhaiber

Großalmerode. Nico Bradler aus Großalmerode hat im Internet ein baufälliges und denkmalgeschütztes Fachwerkhaus für 4700 Euro vom Land Hessen ersteigert. Der 36-Jährige will das Haus nun Stück für Stück restaurieren. Wir werden in loser Folge von den Bau- und Renovierungsarbeiten berichten.

Ein eigenes Haus – diesen Wunsch haben viele Menschen. Nico Bradler hat sich diesen Traum erfüllt. Am 22. Mai ersteigerte der 36-jährige Frührentner ein Haus mit Grundstück an der Zäunenstraße 8 in Großalmerode.

Dabei war der Eigenheimbesitzer zunächst skeptisch, als ein Freund sonntags mit einem Auktionsangebot des Hessischen Immobilien Managements vor seiner Tür stand. Trotzdem wagte er den Schritt und schlug zu. An die Online-Auktion erinnert sich Bradler noch allzu gut: „Obwohl kein anderer geboten hatte, kamen mir die fünf Minuten wie eine Ewigkeit vor“, erinnert er sich. 4700 Euro lautete das Startgebot. Und für eben diesen Betrag erhielt der gelernte Altenpfleger den Zuschlag: „Das Immobilien Management hatte sich natürlich mehr erhofft, allein das Grundstück ist deutlich mehr wert.“

An einer Stelle ist Wasser von außen in die Decke gedrungen. Die Stelle wurde freigelegt, damit das Holz trocknen kann.

Jetzt wartet jede Menge Arbeit auf Bradler. Das Fachwerkhaus mit seinem besonderen Design entstand um 1780 und steht heute unter Denkmalschutz. Die Fachwerkkonfiguration zeichnet sich durch ein schlichtes auf Gerüstfiguren verzichtendes Raster aus, heißt es in einem Dokument der Behörde. Besonders schützenswert sei auch das dem Satteldach eingestellte Zwerchhaus mit Ladeluke.

Doch bevor es mit der eigentlichen Renovierung los gehen konnte, musste der 36-Jährige zunächst das seit 2010 leerstehende Gebäude entrümpeln und von den Spuren der Waschbären befreien, die es sich zwischenzeitlich dort gemütlich gemacht hatten. Auch den zugemüllten Hinterhof und den völlig verwucherten Garten befreite Bradler von meterhohem Bewuchs und Gerümpel.

Nachdem die frühere Eigentümerin gestorben war und kein Erbe ausfindig gemacht werden konnte, war die Immobilie als Fiskalerbschaft in den Besitz des Landes Hessen übergegangen – die sich aber nicht um das Eigentum kümmerte. Im Haus fand Bradler neben Unrat auch einige kleine Schätze: „Die Möbel aus den 50er-Jahren und die vollfunktionstüchtige Jukebox sind immer gepflegt worden.“

Um das marode Haus wieder in Schuss zu bringen, setzt Bradler auch auf Tipps und die Hilfe aus dem Freundeskreis. „Es ist viel Arbeit. Das Haus wurde das letzte Mal 1980 renoviert, aber ich habe Spaß daran.“ In der Grundsubstanz sei das Haus in einem guten Zustand. Ein Balken, der vom Hausschwamm befallen war, wurde bereits ausgetauscht und die Decke nach einem Wasserschaden freigelegt. Geheizt wird mit zwei Holzöfen, eine Zentralheizung gibt es noch nicht.

Für Nico Bradler ist die Renovierung des Hauses eine Lebensaufgabe. „Ich habe als Frührentner nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten, aber ich habe genug Zeit und freue mich auf die nächsten Jahre.“

Von Alia Shuhaiber

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