Großalmerode: Gefahr durch Exbergsee?

So gut ist Großalmerode für Katastrophen gerüstet

Könnte gefährlich werden: Wenn Starkregen das Fassungsvermögen des Exbergsees übersteigt, gefährdet er laut Hobbyhistoriker Hermann Nobel die Stadt Großalmerode und die Stadtteile Epterode und Faulbach.
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Könnte gefährlich werden: Wenn Starkregen das Fassungsvermögen des Exbergsees übersteigt, gefährdet er laut Hobbyhistoriker Hermann Nobel die Stadt Großalmerode und die Stadtteile Epterode und Faulbach.

Großalmerode ist durch Unwetter im Werra-Meißner-Kreis besonders gefährdet. Davon geht zum Beispiel Hobbyhistoriker Hermann Nobel aus.

Großalmerode – „Wahrscheinlich ist, dass alle bisherigen Hochwasservorkehrungen eine Überschwemmung der Stadtmitte nicht verhindern“, sagt er. Grund seien zum Beispiel die Überbrückung der Gewässerzuläufe, Flurbereinigungen und Bauarbeiten, bei denen Flächen versiegelt wurden.

Besonders bedrohlich werde die Situation jedoch durch den Exbergsee im Stadtteil Epterode. „Ein Starkregen würde sein Fassungsvermögen um ein Vielfaches überschreiten“, sagt Nobel, „Ich befürchte, das Wasser wird sich seinen Weg über die Faulbach nach Großalmerode suchen.“ Betroffen seien außer der Kernstadt die Stadtteile Epterode und Faulbach.

Auch Wolfgang Evers, Ortsvorsteher von Großalmerode, sieht Gefahren im Fall eines Starkregens in Faulbach. „Nachdem die Bodenschätze oberhalb der alten Bahnlinie, westlich der Faulbach, beendet waren, blieb dort ein Loch, das mit verschiedenen Materialien zugeschüttet wurde“, sagt er.

Dort sei immer wieder Erdaushub abgekippt worden. Die entstandene Hügellandschaft befinde sich bis zu 20 Meter über dem ursprünglichen Gelände. „Bei einem Starkregen könnte sich die Erde in Bewegung setzen und zu einer Schlammlawine führen, die den westlichen Teil von Faulbach trifft.“

Zudem gebe es südlich und oberhalb der Häuser vom Hof Faulbach einen Klärteich. „Dort gab es seit Jahrzehnten keine Wartungsarbeiten“, sagt Evers. Der ursprünglich angelegte Überlauf sei praktisch nicht mehr vorhanden. Bei einem Starkregen bestehe die Gefahr, dass der Damm den Wassermassen nicht standhalten könne oder abgetragen werde. „Das würde zu einer Schlammwelle auf die darunter liegenden Häuser führen.“

„Wenn Gefahr von einer Naturkatastrophe ausgeht, dann wahrscheinlich von Starkregen und Sturm“, sagt der Großalmeröder Stadtbrandinspektor Marcel Dann. In den vergangenen 16 Jahren, in denen er in der Feuerwehr aktiv gewesen sei, habe es hin und wieder Einsätze gegeben, bei denen wegen Starkregen zum Beispiel Keller ausgepumpt werden mussten.

„Es hielt sich aber in Grenzen“, sagt er. „Die Einsätze konnten schnell und ohne großen Schaden bearbeitet werden.“ Allerdings sei ungewiss, wo und wann ein Gewitter entstehe und wo es Starkregen gebe.

„Im Stadtgebiet Großalmerode sind wir für normale Einsätze gut ausgerüstet“, sagt Dann. Zur Ausrüstung gehörten mehrere Pumpen und mehr als 1000 Sandsäcke im Lager. Zudem gebe es eine Notstromversorgung im Feuerwehrgerätehaus Großalmerode und eine fest installierte Funkausrüstung. So könnten bei einem Stromausfall von dort die Einsätze im Stadtgebiet koordiniert werden, auch wenn keine Verbindung zur Leitstelle in Eschwege mehr bestehe.

„Wenn wir auf die jüngsten Katastrophen schauen, wo in kurzer Zeit bis zu 250 Liter Wasser auf den Quadratmeter geregnet sind, dann ist jede Hilfsorganisation überfordert“, sagt der Stadtbrandinspektor. Ein derartiges Szenario sei schlecht zu üben, da das Ausmaß nicht absehbar sei. (Von Fabian Becker)

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