19 Cent in Kernstadt, 8 Euro in Faulbach

Großalmerode: Starke Unterschiede bei Straßenbeiträgen - Anlieger müssen hohe Summen aufbringen

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So viel werden sie wohl zahlen müssen: Anwohner der Straße Hof Faulbach zeigen die Beträge, die auf sie zukommen. Bei einer Anliegerversammlung am Montag im Rathaus waren mehr als 70 Faulbächer anwesend. 

Faulbach gehört zur Kernstadt von Großalmerode. Aber wenn es um die Straßenbeiträge geht, wird die Siedlung nicht dazugerechnet - nun stehen hohe Summen an, vor der sich Anwohner fürchten.

Faulbach wird durch ein Waldstück von Großalmerode getrennt und gilt daher als eigenes Abrechnungsgebiet. Sehr zum Leidwesen der Anwohner, denn in Faulbach lasten die Straßenbeiträge auf den Schultern von 108 Anwohnern, in der Kernstadt sind es 3227.

Auf die Anlieger der Straße „Hof Faulbach“ kommen nun erst einmal einmalige Straßenbeiträge zu. Die Straße wurde bis Juni 2016 saniert. Und 2019, vermutlich im August, gehen die Bescheide raus. Anwohner Bernd Jung wünscht sich, dass die Kosten auch über wiederkehrende anstatt über einmalige Straßenbeiträge abgerechnet werden – laut Bürgermeister Finn Thomsen ist das allerdings nicht möglich. 

„Auf die Anlieger kommen hohe Summen zu“, sagt Jung. Wiederkehrende Straßenbeiträge könnten diese Situation nur gering ändern, da in Faulbach wenige Menschen wohnen. Ihn erwartet vermutlich eine Summe von etwa 20.000 Euro. Die Stadt rechnet derzeit mit 14,50 Euro pro Quadratmeter.

Karte: Hier liegt Faulbach 

Straßensanierungen für 2022 geplant

Für 2022 sind Sanierungen an der Barbarastraße und dem Hirschbergweg vorgesehen, die dann wohl über wiederkehrende Straßenbeiträge abgerechnet werden – außer bei denjenigen, die bereits dieses Jahr zahlen. Bernd Jung, Wolfgang Evers und Lothar Schubert aus Faulbach haben 8,87 Euro pro Quadratmeter errechnet, die Stadt geht von 7,95 Euro aus – beides sei für die Anwohner nicht tragbar, finden die Männer. In der Kernstadt sind das derzeit 19 Cent. „Man hätte vorab eine Plausibilitätsprüfung machen müssen“, sagt Schubert – also die groben Summen für die einzelnen Abrechnungsgebiete ermitteln, um das Ausmaß abschätzen zu können.

Ein weiterer Haken: Die einmaligen Straßenbeiträge können in Raten gezahlt werden, was viele laut Jung in Faulbach auch tun werden müssen, weil sie so viel Geld gar nicht haben. Für wiederkehrende Straßenbeiträge gibt es laut Evers bisher allerdings nicht die Möglichkeit der Ratenzahlung – das werde für die Grundstücksbesitzer in Faulbach dann auf einen Schlag sehr teuer.

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Mehrere Vorschläge ausgearbeitet

Um zu verhindern, dass das passiert, hat Evers mehrere Vorschläge ausgearbeitet. „Die Obergrenze des Quadratmeterpreises müsste bei fünf Euro liegen“, lautet einer. „Wir sind ganz klar dafür, die Straßenbeiträge abzuschaffen“, macht Jung deutlich – in 39 hessischen Gemeinden sei das bereits passiert. Straßensanierungen über die Grundsteuer zu finanzieren, sei eine Möglichkeit, führe allerdings zu einer Doppelbelastung all jener, die bereits Straßenbeiträge bezahlt haben.

Evers weist darauf hin, dass viele Anwohner die Sanierung von Barbarastraße und Hirschbergweg gar nicht wollen und wenn, dann nur das Nötigste. Zudem formuliert Evers die Bitte, damit bis 2024 zu warten, weil dann weitere Landtagswahlen stattfinden und die Hoffnung bestehe, dass die neue Regierung die Straßenbeiträge gänzlich abschaffe. Thomsen merkt an, dass das unwahrscheinlich sei.

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