Großalmeröder erinnern sich bei Abschiedsfest an ihr Gemeindehaus

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Mit dem Gemeindehaus groß geworden: Karin Krause (links), Dietmar Lohrmann und Gisela Gundlach tauschten Erinnerungen an gemeinsame Zeiten im Gemeindehaus aus. Gundlach war hier schon im Kindergarten, als Jugendliche war sie Gast bei den Konzerten von Lohrmann. Sie hatte einen Zeitungsartikel über einen Jugendaustausch mit, den sie mit dem Haus verbindet.

Großalmerode. Kurz vor dem Abriss des evangelischen Gemeindehauses haben die Großalmeröder mit einem Fest Abschied von dem 1894 erbauten Haus genommen.

„Ich habe in diesem Haus laufen gelernt.“ Der 14-jährige Marvin verbindet viele schöne Erinnerungen mit dem Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde in Großalmerode. Schon als kleines Kind unternahm er in der Kinderkrabbelgruppe seine ersten Gehversuche, es folgten Bibelkreise, Jugendgruppen, Konfirmandenunterricht. Jetzt muss das Haus abgerissen werden, da der Sanierungsbedarf zu groß ist.

Mit einer Abschiedsfeier sagten am Freitag Pfarrer Jörn Jakob Klinge, Dekanin Ulrike Laakmann und viele Gemeindemitglieder dem Haus auf Wiedersehen. Denn es wird nicht nur abgerissen, sondern macht auch Platz für Neues. Künftig werden in dem neuen Gebäudekomplex, dessen 30-monatige Bauzeit im März beginnen soll, neben der Kirchengemeinde eine Tagespflege für Senioren und die DiaCom Altenhilfe untergebracht sein.

Laut Klinge soll der Neubau ein Treffpunkt für Generationen werden. Alle Gruppen, die sich bisher im Gemeindehaus getroffen haben, sollen auch im neuen Bau Platz finden. Vorübergehend wurden andere Räume gefunden, die sie während der Bauzeit nutzen können. Dank der Unterstützung aktiver Gemeindemitglieder konnten auch Lagermöglichkeiten für das Mobiliar gefunden werden, für den Transport sorgt bereits seit Samstag die Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks.

Aber nicht alles wird eingelagert. Bilder, Kerzenhalter, Dekorationen und eine alte Schreibmaschine durften sich Gemeindemitglieder bei der Feier als Andenken mitnehmen. Außerdem entstand eine Wand mit Erinnerungen, die jeder mitgestalten durfte. So hatte Dietmar Lohrmann eine Fotocollage aus den 80er-Jahren mitgebracht, die Bilder von der Großalmeröder Living-Peace-Band zeigen, die vor mehr als 30 Jahren im Gemeindehaus probte und auch immer wieder dort auftrat.

Viele alte Fotos wurden mitgebracht und aufgehängt und Erinnerungen konnten aufgeschrieben und zur Wand hinzugefügt werden. Die frühesten brachte Herta Goebel mit: „Wenn wir als Kinder hinfielen, dann gingen wir nicht zum Doktor, sondern zu Schwester Katrin, die hier arbeitete und lebte. Sie hatte eine knallrote Salbe, die bekamen wir auf die Knie und ein Pflaster drauf“, erinnert sich die 85-Jährige. Sie weiß auch noch, wie nach Weihnachten die Kerzenstumpen mit dem Messer klein geschnitten und auf dem Holzfußboden verteilt wurden: „Wir sind dann mit unseren Strümpfen darüber gerutscht, die Kerzen waren der Bohnerwachs“, erinnert sie sich und lacht. Die Erinnerungswand soll aufgehoben und im neuen Haus aufgestellt werden, die nettesten Geschichten will Klinge in einem Heft zusammenfassen.

„Ein Abschied ist auch immer ein Neuanfang“, war am Freitag immer wieder zu hören. Und auf den freuen sich Gemeindemitglieder und Diakonie gemeinsam.

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