Fall in Großalmerode

Aus Wut über Jäger: Anonymer Hundehalter schreibt Brief an Stadtverordneten

Aus Spaß wird Ernst: Hunde mögen das Tollen im Wald. Doch wenn Nicht-Jagdhunde in Revieren hetzen, dürfen Jäger schießen. Ein anonymer Briefschreiber spricht von „direkten Drohungen“. Foto: dpa

Großalmerode. Pünktlich zur Jagdsaison köchelt ein Streit zwischen Jägern und Hundehaltern. Das legt der Beschwerdebrief eines anonymen Schreibers nahe, der im Postfach des Stadtverordneten Max Grotepaß (FDP) landete. Die Anschuldigungen wiegen schwer - doch sind sie wirklich ernst zu nehmen?

In dem Brief berichtet ein Hundehalter von „direkten Drohungen“ durch Jäger gegen ihn als Hundehalter: Wenn der Vierbeiner im Wald nicht angeleint sei, solle er sich nicht wundern, wenn die Hunde „abgeschossen werden“, zitiert der Verfasser einen Jäger.

In dem Schreiben steht weiter: „Vermehrt werde ich in letzter Zeit wieder von Jägern belästigt, die mich bei Spaziergängen mit meinem Hund anhalten und auf einen Leinenzwang pochen, den es hier nicht gibt.“ Dies geschehe regelmäßig in „aggressiver“ Art: „Vor ein paar Monaten sogar von zwei offensichtlich betrunkenen Waidmännern, die wohl gerade von einem Ansitz kamen und dann mit dem Auto davonfuhren...“

Dazu muss man wissen: Tatsächlich besteht in Hessens Wäldern keine grundsätzliche Anleinpflicht für Hunde. Wenn, dann regeln die Kommunen ein solches Verbot, heißt es beim Landesjagdverband Hessen. Dennoch gilt in jedem Fall: Der Hund muss im Einwirkungsbereich des Herrchens sein. Beginnt der Hund, Wild zu hetzen, dürfen Jäger auf den Vierbeiner schießen. Ausnahmen sieht das Hessische Jagdrecht für Hirten-, Jagd-, Blinden-, Polizei- und Rettungshunde vor. Dort steht aber auch: „Die Tötung muss unterbleiben, wenn andere Maßnahmen ausreichen, um die Gefahr abzuwehren, die von dem Hund ausgeht.“ Gleiches gilt für Katzen.

Wieso sich der anonyme Hundefreund in Rage ausgerechnet an den 27-jährigen FDP-Parlamentarier Grotepaß gewendet hat, weiß der Abgeordnete auch nicht so genau. Offenbar wünscht der Briefschreiber eine politische Diskussion des Themas. Ob der Verfasser weiß, dass Grotepaß selbst regelmäßig zur Jagd in Rommerode geht? „Ich vermute es“, sagt Grotepaß. Und: „Leider kann ich den Mann nicht kontaktieren. Ich wüsste nicht, dass in den Revieren der Region jemals ein Hund erschossen wurde.“ Doch grundsätzlich habe die Regelung Sinn: „Wenn ein Hund ohne Leine ein Reh wittert, legt er den Schalter um und ist weg“, so Grotepaß.

Dass das Thema Hundeleine in Jägerkreisen oft diskutiert wird, berichtet Herbert Rafalski, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus Witzenhausen. „Wir haben immer wieder unschöne Situationen, in denen Schäferhunde oder andere große Rassen Rehe reißen.“

Was die jüngste Beschwerde gegen die Jägergemeinde angeht, ist Rafalski skeptisch: „Wenn jemand nicht in der Lage ist, offen zu sprechen, stimmt irgendetwas nicht.“ Grotepaß sagt zum Inhalt des Briefes, dass sich „schwarze Schafe“ sowohl auf Jäger- als auch auf Hundehalterseite wahrscheinlich nicht vermeiden lassen. „Doch der Tenor, Jäger seien Verbrecher, die sich am Leid der Tiere erfreuten“, sei unsachlich und unverschämt. In der FDP-Fraktion wird das Thema nicht weiter verfolgt.

Von Jan Schumann

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