Eines der seltenen Tiere gesehen

Jogger trifft auf Luchs im Wald bei Großalmerode

Etwas unscharf, aber trotzdem deutlich erkennbar: Christian Liese aus Rommerode fotografierte diesen Luchs im Wald bei Großalmerode mit seinem Handy. Foto: Liese/nh

Großalmerode. Als es im Gebüsch raschelte, dachte sich Christian Liese nichts. „Das ist bestimmt ein Fuchs oder ein Reh", sagte sich der Rommeröder. Doch er traf auf etwas anderes.

Christian Liese wollte am Dienstagnachmittag gerade seine Joggingrunde nahe der Dreierhütte im Wald bei Großalmerode beenden und zu seinem Auto zurückkehren. Was da allerdings aus dem Gebüsch trat, hätte er nicht erwartet: Ein Luchs lief auf den Waldweg - und blieb etwa vier Meter vor Liese stehen.

„Das war eine ganz schön große Katze!“ sagt Liese jetzt im Gespräch mit der HNA. Er hatte noch nie zuvor einen Luchs in freier Wildbahn getroffen, die scheue Großkatze aber sofort erkannt. Nur dass diese Großkatze nicht scheu gewesen sei, berichtet Liese. Er beschreibt den Luchs als aufmerksam, aber nicht ängstlich.

Der Luchs habe sich vor ihn auf den Weg gesetzt und ihn angestarrt. Liese starrte zurück. Dann holte der Rommeröder vorsichtig sein Handy aus der Tasche seiner Joggingjacke, um ein Foto machen. Erst dann habe sich der Luchs auch wieder bewegt, sagt Liese. Das Tier sei zum anderen Wegrand gegangen. Liese schaffte es noch, den Luchs zu fotografieren, bevor der Luchs im Wald verschwand.

„Ich bin oft in diesem Bereich am Bilstein unterwegs“, sagt Liese, der in dem Gebiet regelmäßig joggt, mit seiner Partnerin spazieren geht oder Mountainbike fährt. Dabei habe er auch schon viel Wild gesehen - Hasen und Rehe beispielsweise. „Ich hätte aber nie gedacht, dass ich hier mal einen Luchs so nah und so lange sehen würde.“ Insgesamt habe er den Luchs wohl ein bis zwei Minuten lang beobachten können, schätzt Liese. Angst hatte der Jogger bei der Zufallsbegegnung nicht. „Ich war eher überrascht, dass der Luchs so ruhig war.“

Und noch ein anderer Spaziergänger hatte Glück: Beim Luchsbeauftragten Ralf Meusel vom Forstamt Hessisch Lichtenau hat sich ein weiterer Mann gemeldet, der am Dienstag gegen 16.30 Uhr einen Luchs an der Dreierhütte gesehen hat. Auch er schaffte es, ein Foto von der Großkatze zu machen. „Ich gehe davon aus, dass es sich um das gleiche Tier handelt“, sagt Meusel.

Nach Angaben des Naturschützers gibt es im Bereich des Forstamtes Hessisch Lichtenau derzeit mindestens drei Luchse. Zwei - ein männliches und ein weibliches Tier - leben laut Meusel im Kaufunger Wald, zudem gebe es einen Luchs auf dem Meißner.

Erst vor wenigen Wochen, am 19. Dezember, hatten Lawrence Riddell aus Wiershausen und Schwiegertochter Jessica auf der Straße nahe des „Rinderstalls“ bei Hann. Münden einen Luchs gesehen (wir berichteten). Dass es sich dabei ebenfalls um den Luchs von der Dreierhütte handelt, glaubt Meusel indes nicht. Es könne aber sein, dass es eines der Tiere aus dem Kaufunger Wald gewesen sei, sagt der Experte. Luchse würden weite Strecken zurücklegen. „20 Kilometer am Tag sind für Luchse kein Problem.“

Von Friederike Steensen 

Kontakt: 

Wer ebenfalls einen Luchs gesehen hat, sollte sich beim Luchsbeauftragten Ralf Meusel, Forstamt Hessisch Lichtenau, Tel. 05602/935624, melden. Weitere Infos und aktuelle Luchssichtungen beim Arbeitskreis Hessenluchs: www.luchs-in-hessen.de

Wie man sich verhalten sollte, wenn man im Wald plötzlich auf einen Luchs trifft, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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