E-Mobilitäts-Prämie ungewiss

Käufer sollen weiter einen Bonus für E-Autos bekommen – rechtskräftig ist das noch nicht

Möchte auf Elektromobilität umsteigen: Wolfgang Evers will das neue E-Auto in seiner eigenen Garage in Großalmerode aufladen.
+
Möchte auf Elektromobilität umsteigen: Wolfgang Evers will das neue E-Auto in seiner eigenen Garage in Großalmerode aufladen.

„Die Bundesregierung behindert die Anschaffung von E-Autos“, da ist sich Wolfgang Evers aus Großalmerode sicher. Die Aussicht auf bis zu 9000 Euro Fördergeld hat ihn vom Kauf eines Elektroautos überzeugt. Doch bis der gewünschte Wagen geliefert wird, ist die Förderung durch die Innovationsprämie ausgelaufen.

Großalmerode – Die Prämie soll den staatlichen Anteil am Umweltbonus von 6000 Euro verdoppeln. Das hat die Bundesregierung im Juli 2020 beschlossen. Befristet ist die Förderung bis zum 31. Dezember 2021 – bis dahin müssen Autos zugelassen worden sein, um noch mit bis zu 9000 Euro gefördert zu werden.

Zwar wurde schon im vergangenen Jahr eine Verlängerung bis 2025 beschlossen. Gültig ist diese aber noch nicht. Für Kaufinteressierte wie Wolfgang Evers ein Ärgernis. „Dass man in 11 Monaten nicht in der Lage ist, das zu schaffen, das kann nicht sein“, sagt er. Dass die Änderung der Förderrichtlinie laut Bundeswirtschaftsministerium noch immer in der Ressortabstimmung und damit nicht gültig ist, ist für den ehemaligen Beamten Evers nicht nachvollziehbar. Mit der zusätzlichen Förderung hatte er fest gerechnet.

Denn die Entscheidung für ein E-Auto hat Evers nicht etwa wegen der positiven Umweltbilanz getroffen – sondern aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen, wie er betont. Darauf angesprochen, kann er auch gleich eine schriftliche Liste präsentieren: Die Preise für Kraftstoffe seien gestiegen und werden es noch, in einigen Städten bestünden schon Diesel-Fahrverbote, und durch die Befreiung von der Kfz-Steuer und die Förderung in Höhe von 9000 Euro würde ein E-Auto sich schlicht lohnen. Also hat Wolfgang Evers, der drei Diesel-Fahrzeuge in der Garage stehen hat, beschlossen, dass sein nächster Wagen ein elektrischer Twingo sein soll.

Genau das ist eigentlich erklärtes Ziel der 2020 beschlossenen Innovationsprämie: Damit die E-Mobilität zunimmt, muss die Entscheidung dafür sich lohnen. „Wenn die Politik die richtigen Voraussetzungen und Anreize schafft, kann man auch einfach etwas gegen den Klimawandel tun.“ Im ersten Halbjahr 2021 wurden Boni für 273 000 Fahrzeuge beantragt – mehr als im gesamten Vorjahr. Axel Vogelei bestätigt, dass E-Autos seit Einführung der Prämie die meistverkauften Autos in seinem Autohaus in Witzenhausen seien. Bei Auto und Garten Gottschalk machen E- und Hybrid-Autos 30 Prozent aus. „Nach der Förderung ging es richtig los“ sagt Geschäftsführer Carsten Gottschalk. Die Autohändler gehen fest davon aus, dass die schon beschlossene Verlängerung der Prämie auch eintritt.

Wolfgang Evers wünscht sich Rechtssicherheit, bevor er eine Kaufentscheidung trifft: „Das ist eine meiner Beamteneigenschaften: Ich bin immer für Vorsicht.“ Schließlich habe er keine Garantie, dass er eine Förderung erhalte, wenn er jetzt ein Auto bestelle. Die will ihm auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nicht geben: „Ob und inwieweit sich die Höhe der Fördersätze gegebenenfalls ändert, ist zum aktuellen Stand nicht bekannt“, teil das Amt auf Anfrage mit. (Alina Andraczek)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.