Hinweis auf Formfehler

Landeskirche kürzt Zahlungen an Handwerker

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Unterschrift fünf Zentimeter zu weit oben: Stephan Rappe mit einem der umstrittenen Stundenzettel.

Großalmerode. Die Evangelische Landeskirche Kurhessen-Waldeck hat Maler Stephan Rappe aus Großalmerode 4300 Euro für bereits geleistete Lohnarbeit mit Hinweis auf Formfehler gestrichen.

„So kann man sich als Kirche nicht verhalten!", kritisiert Rappe. Von Mai 2015 bis Februar 2016 arbeitete seine Firma neben rund 30 weiteren Gewerken am 13 Millionen teuren Umbau samt Sanierung der evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar.

Im März erfolgte die mangelfreie Bauabnahme - unterschrieben vom Projektsteuerer, den die Landeskirche beauftragt hatte. Die Abnahme und auch die von Rappe ausgestellten Rechnungen für Lohnstunden seien von einem Architekturbüro aus Weimar, das die Vergabeverhandlungen führte, geprüft und freigegeben worden. Für Innenputz-Arbeiten erhielt Rappe 145 000 Euro für die im Kostenvoranschlag aufgeführten Arbeiten.

Im April habe der Projektsteuerer dann die Lohnarbeiten gestrichen, die als zusätzliche Leistung nicht im Kostenvoranschlag enthalten waren. „Er kam mit fadenscheinigen Ausreden, zu denen ich Stellung nehmen sollte“, sagt Rappe, der stattdessen seinen Anwalt einschaltete. Unter anderem seien Stundenzettel nicht unterschrieben, die Tätigkeiten nicht richtig bezeichnet worden, es stehe auf einigen kein Facharbeiter drauf und ein Bautagebuch habe Rappe auch nicht geführt. „Er hat bei allen Lohnzetteln etwas gefunden“, sagt der 53-Jährige, der sich juristischen Spitzfindigkeiten ausgesetzt sieht.

In seiner Laufbahn als Maler habe Rappe solche Probleme noch nie gehabt: „Wenn ein Lohnzettel unterschrieben ist - und das waren alle - dann wird er auch bezahlt.“ Zumal er die erste von sieben Abschlagsrechnungen im Juli 2015 verschickt habe. Auf der seien bereits Lohnstunden aufgeführt gewesen. „Die hätte der Projektsteuerer ja direkt überprüfen können, aber er hat sich erst jetzt gemeldet.“ Dieses Verhalten hat laut Rappe „einen Geschmack“, zumal sich der Projektsteuerer nicht an die Frist für Einwendungen gehalten habe.

Die Frist habe nichts mit der „materiellen Richtigkeit“ zu tun, heißt es in einem der HNA vorliegenden Schreiben des Anwalts, der die Landeskirche vertritt. Die ihm in Kopie vorliegenden Stundenzettel seien von Auftraggeberseite nicht unterschrieben. Zudem belege die Unterschrift nur, dass die Arbeiten zu genannten Zeiten ausgeführt worden seien, sage aber nichts darüber aus, ob diese Arbeiten auch zu bezahlen seien.

Der Anwalt habe angeboten, sich auf die Hälfte zu einigen. Rappe sieht zwar nicht ein, warum er sich mit weniger als den ihm zustehenden Lohn abfinden soll, denn „handwerklich gibt es kein Problem, das habe ich schriftlich“, hat jedoch gezwungenermaßen eingewilligt.

Das sagt die Landeskirche

Auf Anfrage der HNA schreibt Pfarrerin Petra Schwermann, Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck: „Nach Rücksprache mit unserer Bauabteilung können wir Ihnen als Rückmeldung geben, dass die Landeskirche in Verhandlungen mit der Firma Rappe ist. Wir werden aus unserer Sicht in den nächsten Tagen zu einer einvernehmlichen Lösung finden.“

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