Lernen mit Zornibold: Sucht- und Gewaltvorbeugung im Kindergarten Rommerode

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Gruppenbild mit Kobolden: Julius (von links), Sarah, Liliana, Annika, Hannes, Denise und Marie-Sophie präsentieren ihre neuen Mitbewohner im Kindergarten.

Rommerode. Im Kindergarten Rommerode leben Kobolde - sie heißen Freudibold, Heulibold, Zornibold und Bibberbold und wohnen in einer Holzkiste. Mit ihnen lernen die Kinder den Umgang mit Gefühlen.

„Sie sollen den Kindern helfen, ihre Gefühle kennen und einschätzen zu lernen", berichtet die Leiterin Martina Zunke-Scharf. Die Kobolde gehören zur Fortbildung im Programm Papilio, nach dem der Kindergarten am Montag als „sucht- und gewaltpräventiv“ zertifiziert wurde.

Seit Januar 2015 haben die Erzieher an sieben Basis-Lehrgängen, zwei Vertiefungs-Seminaren und zwei Supervisionen teilgenommen und das Programm umgesetzt. Anhand der Geschichte „Paula und die Kistenkobolde“ halfen die Kinder mit, die vier Gnome, die Angst, Freude, Trauer und Ärger widerspiegeln, zu basteln.

„Bibberbold hat immer Angst“, erklärt Marie-Sophie. Deswegen ist die Puppe auch ganz grün im Gesicht und schaut gar nicht fröhlich. „Angst darf man aber auch mal haben“, weiß das kleine Mädchen. Und auch aufstampfen und schimpfen ist in Ordnung. „Wenn man wütend ist, dann grummelt es im Bauch“, berichtet Julius.

Mit dem Programm werde den Kindern vermittelt, mit ihren Gefühlen umzugehen, erklärt Zunke-Scharf. Damit die Jungen und Mädchen ihre Stimmung zeigen können, hängen im Kindergarten vier Leisten mit den Gesichtern der Kobolde. Für jedes Kind gibt es eine Wäscheklammer mit Namen, die es an die entsprechende Leiste klemmen darf.

Für neue Spielideen und eine andere Kommunikation unter den Kindern sorgt der spielzeugfreie Mittwoch, an dem alle vorgefertigten Spielsachen in die Ferien geschickt werden. Stattdessen gibt es Decken, Kisten, Seile, Bierdeckel und Julius Lieblinge: Die goldenen und silbernen Knöpfe. Liliana nimmt sich lieber Decken und baut eine Prinzessinnen-Höhle. Dritter Teil des Programms ist der spielerische Umgang mit festen Regeln im Zusammensein, dazu gehört zum Beispiel höfliches Benehmen.

Am Verhalten der Kinder habe sie im Zuge der Fortbildung Änderungen bemerkt, berichtet Zunke-Scharf. Sowohl die Eigen- und Fremdwarnehmung als auch das soziale Verhalten sei anders.

Der Kindergarten Rommerode ist der sechste im Kreis, der die Zertifizierung als gewalt- und suchtpräventive Einrichtung erhält, berichtet Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege. Insgesamt arbeiten zwölf Kindergärten und 78 Erzieherinnen mit dem Programm.

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