1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen
  4. Großalmerode

Hügel in Großalmerode besteht aus seltenem Gestein

Erstellt:

Von: Stefan Forbert

Kommentare

Das Bühlchen mit Erläuterungstafel im Vordergrund
Kein Bodendenkmal mehr: Nach einer neuen Expertise wird davon ausgegangen, dass es sich bei dem Bühlchen am Ortsrand von Epterode um eine Porzellanjaspis-Lagerstätte handelt. Nun wird vom Landkreis geprüft, diese als Naturdenkmal unter Schutz zu stellen. Archivfoto: Stefan Forbert © Stefan Forbert

In die Diskussion um die Frage, worum es sich bei dem „Bühlchen“ genannten Hügel am Ortsrand des Großalmeröder Stadtteils Epterode handelt, ist wieder Bewegung gekommen. Neuerdings gibt es eine Expertise, wonach die unterschiedlichen Theorien beide stimmen. Außerdem wird der Bereich jetzt als schützenswert erachtet.

Epterode – Eine einst über Jahrzehnte gewachsene Halde aus Rückständen von der Alaungewinnung oder ein auf natürliche Weise entstandener Hügel aus sogenanntem Porzellanjaspis, einem gefritteten Gestein? Das war bislang die Frage bezüglich des Bühlchens. Sowohl Buchit (der wissenschaftliche Name für Porzellanjaspis), als auch Alaun-Abfall, lautet jetzt die Antwort.

Zumindest die von Dr. Klaus Sippel. Wobei der Historiker und Bezirksarchäologe i. R. aus Lohfelden nach seiner Begehung und Begutachtung von Oberflächenmaterial zusammen mit zwei ebenfalls historisch Versierten im Mai das Bühlchen selbst als natürlich entstandene Porzellanjaspis-Lagerstätte ansieht. Direkt daneben liegend stellte er mehrere „wirkliche“ Alaunhalden fest, „die bisher noch nicht beschrieben“ worden seien.

Sippels Gutachten veranlasste das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bereits, das Bühlchen in seine Liste schützenswerter geologischer Objekte (Geotop) aufzunehmen. Als Geotope werden erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur bezeichnet. Die Aufnahme in die Geotop-Liste bedeute allerdings noch keinen Schutz für das Bühlchen, erläuterte Diplom-Geologe Dr. Heiner Heggemann vom HLNUG auf Anfrage.

Ein Schutzstatus ist seiner Aussage nach erreichbar, wenn das Bühlchen vom Landkreis entweder als Naturdenkmal, „geschützter Landschaftsbestandteil“ beziehungsweise als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird, alternativ durch Ausweisung als Bodendenkmal.

Als Bodendenkmale könnten die Reste der Alaungewinnung geschützt werden, da die Denkmalpflege nur für von Menschen Bewirktes zuständig sei, erklärte Bezirksarchäologin Dr. Eveline Saal auf Anfrage. Die Bergkuppe Bühlchen sei, da eine geologische Sehenswürdigkeit, daher kein Bodendenkmal.

Entsprechend sei das Bühlchen „aufgrund der neuen Erkenntnisse“ aus der Liste der Bodendenkmale gestrichen worden, teilte Landkreissprecherin Sylvia Weinert mit. Auch werde die Aufnahme in die Geotop-Liste des HLNUG vom Kreis begrüßt, erklärte sie.

Nach Auskunft des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege habe es in der Vergangenheit Überlegungen gegeben, das Gesteinsmaterial des Bühlchens abzubauen, berichtete Weinert ferner. Die Untere Naturschutzbehörde prüfe nun, das Bühlchen als Naturdenkmal auszuweisen und so zu schützen.

Außerdem wurden nach Auskunft der Kreissprecherin im weiteren Umfeld des Bühlchens liegende Bereiche mit ehemaliger Alaunverarbeitung aktuell als Bodendenkmale aufgenommen. Großalmerodes Bürgermeister Finn Thomsen will zunächst Epterodes Ortsbeirat einbeziehen. Den Fachdiensten der Kreisverwaltung stehe man beratend zur Seite.

Die Stadt freue sich, so Thomsen, wenn eine „von allen getragene Lösung“ gefunden wird, „um den Porzellanjaspis für die Zukunft zu sichern“. Wenn vom Kreis über eine Unterschutzstellung entschieden worden sei, wolle man außerdem überlegen, wie es in das Tourismus-Konzept der Stadt eingebunden werden kann. (sff)

Auch interessant

Kommentare