Valentin-Traudt-Schule

Schüler können dreimal pro Woche mit dem Minicar nach Hause fahren

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Schulbus mal anders: Morris Grund (von links), Neo Achenbach, Marvin Müller, Leonie Hartung und Lasse Hoffmann werden nach der 6. Stunde von Minicar-Fahrer Sebastian Weiser (rechts) nach Hause gebracht.

Großalmerode. Weil der Kreis nur zwei Fahrten nach Schulschluss finanziert, haben sich die Stadt Großalmerode, der Schulelternbeirat und der Förderverein der Valentin-Traudt-Schule eine Lösung überlegt, wie die Schüler nach der 6. Stunde nach Hause kommen: Dreimal die Woche fährt nun ein Minicar.

„Die Schule ist supermodern!“, „Es gibt überall offene, helle Lernbereiche.“ Dass Morris, Neo, Marvin, Leonie und Lasse morgens von Roßbach und Kleinalmerode eine Stunde unterwegs sind, um die Valentin-Traudt-Schule in Großalmerode zu erreichen, stört sie nicht. Dafür sind sie viel zu begeistert von der guten Ausstattung ihrer neuen Schule. Besonders klasse finden die Fünftklässler den Minicar-Bus, der sie ein- bis zweimal in der Woche nach der sechsten Stunde nach Hause bringt: „Dass wir nicht umsteigen müssen, ist super“, „der Fahrer ist auch voll nett, der erlaubt uns fast alles“, „es ist nicht so voll wie im Bus und wir sind schneller zu Hause.“

Unterdessen ist Sebastian Weiser mit dem Minicar eingetroffen und hat die Schiebetür geöffnet. Der Euro, den jeder der Schüler in seiner Hand parat hält, wandert in seine geöffnete Hand. Und wenn ein Schüler mal das Geld vergessen hat? „Das lege ich dann erst mal aus, das braucht die Chefin gar nicht zu erfahren“, sagt Weiser mit einem Augenzwinkern. Nachdem die Fünftklässler angeschnallt auf ihren Plätzen sitzen, schwingt auch Weiser sich hinters Steuer und setzt den Blinker. Mit dem Taxifahren habe er während seines Maschinenbaustudiums in Kassel angefangen, erzählt Weiser bei der Fahrt. „Wenn man sich mit den Oberen von Daimler anlegt, hat man in der Branche keine Chance mehr“, antwortet der 54-Jährige auf die Frage, warum er seinen Nebenjob zum Beruf machte. Während seines Praktikums bei dem Automobilhersteller sollte er, der zuvor Dreher gelernt hatte, Streikbrecher sein – und weigerte sich. Im Nachhinein sei er froh darüber, dass es so gekommen ist. „Es ist schön, Kindern und kranken Menschen Mobilität zu geben.“

Während das Minicar Großalmerode in Richtung Witzenhausen verlässt, nimmt der Geräuschpegel auf den hinteren Bänken zu: Mit dem Hund spielen, reiten, Hausaufgaben machen, rausgehen, Fußball spielen – die Zehn- bis Elfjährigen schmieden schon Pläne für den Nachmittag. „Es sind Kinder, die können mal laut sein, das macht mir nichts aus – solange sie sich nicht abschnallen und mit Essen werfen“, sagt der gebürtige Witzenhäuser. Bei den Schülern mit motorischen und geistigen Behinderungen, die er im Anschluss von einer Schule in Kassel abholen wird, sei das schon vorgekommen. Da müsse er dann anhalten und den Schüler erst mal wieder zur Ruhe bringen.

„Herr Busfahrer, können Sie uns wieder an der Kirche rauslassen?“, kommt die Frage, als Weiser eine kurze Erzählpause einlegt. „Ja“, antwortet dieser, setzt den Blinker in der Mitte von Roßbach angekommen und bremst bereits. Weiser ruft den Kindern einen Abschiedsgruß zu und fährt weiter zu seinem letzten Stopp in Kleinalmerode, bevor es weiter nach Kassel geht – danach hat er Feierabend.

Wie sich Stadt und Förderverein die Kosten aufteilen, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Witzenhäuser Allgemeinen.

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