Verbindung von nordhessischer Kultur mit antikem Denken

Schwarzenberg-Theater spielte vor vollem Saal in Großalmerode

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Das Schwarzenberg-Theater sorgte für überstrapazierte Lachmuskeln: Bernd Köhler spielte im Rathaussaal in Großalmerode Hausmeister Justus Riemenschneider, hier im Gespräch mit der zänkischen Xanthippe, gespielt von Julia Dernbach.

Großalmerode. Die nordhessische Kultur mit dem antiken Denken zu verbinden - mit „Philoso-Vieles aus dem Mittelgebirge" ist das dem Schwarzenberg-Theater am Samstag auf meisterliche Art in Großalmerode gelungen.

Wer schon immer einmal mehr über die nordhessische Kultur und den Zusammenhang mit dem antiken Denken als Ursprung der europäischen Philosophie erfahren wollte, der hatte mit dem Auftritt der Kabarettisten aus Melsungen im Rathaussaal der Tonstadt die richtige Wahl getroffen. Mit der Aussicht auf überstrapazierte Lachmuskeln hatte Anja Reuß im Namen der Kulturgemeinschaft bei der Begrüßung nicht zu viel versprochen, wie sich wenig später zeigte.

Schon als Kabarettist Bernd Köhler mit seinem wallend grauen Haar unter der Kaiserjägermütze und der Mappe unterm Arm als Hausmeister Justus Riemenschneider auf die Bühne stürmte, setzte das Gelächter im vollen Saal ein. Ein wenig erinnerte er mit seinem Auftritt schon an einen Pedell aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Geprägt von der Mittelgebirgslandschaft, einer Umgebung ohne große Höhen und Tiefen, orientiere sich der Nordhesse ohnehin nur am Mittelmäßigen, gab Riemenschneider zu bedenken. Von wegen auf dem Jakobsweg nach Compostela in Spanien, dem Nordhesse reiche in seiner Bescheidenheit der Elisabeth-Pfad zum Kloster Germerode. Ob als Hilfslehrer oder Mitglied der Hegegemeinschaft, Köhler schlüpfte in verschiedene Rollen und unternahm dabei so manch gedanklichen Ausflug mitunter über die Grenzen der Region hinaus bis ins krisengebeutelte Griechenland.

Im Dialog mit Julia Dernbach in der Rolle der Xanthippe wurde er jedoch immer wieder von deren scharfer Zunge ausgebremst. Die zänkische Gattin des griechischen Philosophen Sokrates hegte Zweifel an der Klugheit ihres Mannes, schließlich hätte sie ja davon etwas merken müssen. Mit Welf Kerner trug sie mit nachdenklichen Liedern, eigenen Kompositionen und eigenwilligen Tonkollagen zum musikalischen Teil des Kabaretts bei. Zwei Stunden stand das nordhessische Tun im Mittelpunkt des Programms, in dem der Hinweis auf die „Ahle Wurscht“ als Götterspeise der Nordhessen natürlich nicht fehlte - und auch immer wieder eine Brücke nach Großalmerode geschlagen wurde.

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