Halbjahreszeugnisse

"Schlechte Noten sind keine Katastrophe" - Sozialarbeiterin gibt Tipps

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Der Druck, gute Noten schreiben zu müssen, kommt manchmal von den Eltern. In einigen Fällen sind es aber auch die Schüler selbst, die sich Stress machen.

Werra-Meißner – Am Freitag, 1. Februar, gibt es in Hessen die Halbjahreszeugnisse. Knapp 60 Prozent der Eltern belohnen ihr Kind für ein gutes Schulzeugnis.

Das geht aus einer Studie des Forsa-Instituts für das Nachhilfeunternehmen Studienkreis hervor. 20 Prozent der befragten Eltern beschenken ihr Kind zu jedem Zeugnis – unabhängig von den Noten. Wir beantworten Fragen zu dem Thema.

Sollten Eltern ihre Kinder für das Schulzeugnis belohnen beziehungsweise bestrafen?

Zu dem Thema gibt es viele Ansätze, sagt Susanne Sandrock, Schulsozialarbeiterin an der Valentin-Traudt-Schule in Großalmerode. „Ich halte das nicht für sinnvoll.“ Ein Kind sollte sich von den Eltern bedingungslos geliebt fühlen, unabhängig von den Schulnoten, so Sandrock. 

Susanne Sandrock, Diplom-Sozialpädagogin

„Das Problem ist, dass die Schule und die Eltern oft starke Wertungen vornehmen.“ Lob und Kritik sollten sachlich sein und nicht persönlich – dann falle es dem Kind auf lange Sicht auch leichter, damit richtig umzugehen. „Schlechte Noten sind keine Katastrophe“, so Sandrock – das sollte man den Kindern auch vermitteln.

Teilweise sind es die Schüler selbst, die sich Druck machen. Wie können Eltern entgegenwirken?

„Ich sollte mich fragen, warum sich mein Kind so unter Druck setzt“, empfiehlt Sandrock. Die Angst vor dem Versagen kann unterschiedliche Ursachen haben: Vielleicht vermitteln die Eltern eine falsche Erwartungshaltung, vielleicht möchte das Kind gewissen Ansprüchen oder auch der Konkurrenz mit anderen Schülern gerecht werden, vielleicht hat es in den Medien Nachrichten zu dem Thema aufgeschnappt. Der Sache sollten Eltern auf den Grund gehen. „Da ist auch wieder die Kommunikation der Schlüssel“, sagt Sandrock.

Wie wichtig sind Schulnoten in der heutigen Zeit überhaupt noch?

Die Leistungsbewertung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft, stellt Sandrock fest, auch nach der Schulzeit. Sowohl Eltern als auch Schüler sollten sich allerdings nicht allzu stark von Schulnoten beeinflussen lassen. „Sie sind ein Wegweiser, aber wichtiger ist es, sich selbst zu erfahren“, findet Sandrock. Schulnoten seien oft überbewertet und haben im Berufsleben meist nicht mehr so eine große Bedeutung, wie man es vermutet.

Wenn das Kind bisher für Noten belohnt wurde, die Eltern das aber künftig lassen möchten – vielleicht auch aus finanziellen Gründen –, wie können sie das dem Kind vermitteln?

Sandrock hält es für sinnvoll, offen mit dem Kind über die Situation zu sprechen, ihm zuzuhören und es zu fragen, was eine schöne Belohnung wäre. „So verstehe ich, was mein Kind möchte und wie es tickt“, sagt sie. Manche Kinder bräuchten keine Belohnung oder sehnen sich vielmehr nach Zeit anstatt nach Materiellem.

Was kann ein Kind tun, das Angst hat, mit einem schlechten Zeugnis nach Hause zu gehen?

Helfen können laut Sandrock zum Beispiel Schulsozialarbeiter und Vertrauenslehrer. Sie begleiten das Kind und bieten Hilfe an. In schlimmen Fällen sei das Jugendamt die richtige Anlaufstation.

Hilfe für Eltern bei Problemen jeglicher Art

Eltern können sich Hilfe holen, wenn sie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen und Unterstützung suchen, sagt Schulsozialarbeiterin Susanne Sandrock. Hilfe – egal welcher Art und zu welchem Thema – bietet die Erziehungsberatungsstelle Werra-Meißner für Eltern und Kinder. 

Kontakt: Erziehungsberatungsstelle Werra-Meißner, An den Anlagen 8b in Eschwege, Tel. 05651/3329011, montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr, danach Anrufbeantworter, erziehungsberatung.wmk@akgg.de, akgg.de

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