Spur alter Rohre führt nach Großalmerode: Über 170 Jahre alte Tonprodukte entdeckt

Zu Besuch im Glas- und Tonmuseum: Die Tonrohre-Entdecker Werner und Annette Mühlenweg vom Deister wurden kürzlich von Herbert Kuhrmann und Hermann Harder (rechts) vom Großalmeröder Geschichtsverein im Museum begrüßt. Foto: Schröter

Großalmerode. Der Zufall schreibt manchmal bemerkenswerte Geschichten. So auch im Fall von Werner Mühlenweg.

Als der Hannoveraner nämlich bei einem Waldspaziergang im Deister, einem markanten, waldreichen Höhenzug südwestlich von Hannover, die Überreste alter Tonrohre findet, ist das für ihn eine echte Überraschung. Im Geschichtsverein des mehr als 150 Kilometer entfernten Großalmerode löst der Fund sogar regelrecht Begeisterung aus.

Woher kommen die Rohre? Wie kommen sie hierher? Und wofür wurden sie gebraucht? Das waren die Fragen, die Werner Mühlenweg und seine Frau Annette nach dem Fund der über hunderte Quadratmeter mit Laub bedeckten Waldbodens verstreuten Fragmente beschäftigten. Die in dicken Buchstaben eingebrannten Worte „Johannes Noll in Großalmerode“ gaben zumindest einen Hinweis auf den Herkunftstort.

„Zuerst habe ich versucht, im Internet etwas über den Hersteller und den Fabrikationsort herauszufinden“, sagt Werner Mühlenweg. Doch der Versuch schlug fehl. Kein Wunder: Die Firma existiert schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr.

Erst ein über das Großalmerö-der Stadtarchiv hergestellter Kontakt zu Hermann und Ute Harder brachte ein wenig Licht ins Dunkel. Die im Geschichtsverein engagierten Eheleute - sie ist Vorsitzende, ihr Mann nebenbei auch im Stadtarchiv aktiv - zeigten sich erstaunt über die Funde im Deister. „Wir wussten, dass hier in Großalmerode Tonrohre hergestellt und in der näheren Umgebung vertrieben wurden“, sagt Hermann Harder. Dass die Rohre aber auch in einer solchen Entfernung verkauft wurden, darauf habe es bislang keinerlei Hinweise gegeben.

Auch wenn in Großalmerode über die meisten Ton verarbeitenden Betriebe aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts kaum noch Unterlagen existieren, ergaben die Recherchen des Geschichtsvereins, dass die Firma Johannes Noll aus Rommerode zwischen 1836 und 1844 unter anderem Tonrohre herstellte. „Rohre dieser Art waren echte Nischenprodukte“, sagt Hermann Harder.

Weil die Rohre ein enormes Gewicht hatten, sei der Transport alles andere als einfach gewesen. Gerade dann, wenn es sich wie bei dem Fund im Deister um eine 400 Meter lange, von einer Waldquelle bis zu einer kleinen Siedlung führenden Wasserleitung handelt, wie die Untersuchungen vor Ort ergaben. „Wir vermuten, dass der Transport auf dem Wasserweg über Hann. Münden bis Hameln und dann weiter über Land bis zum Deister erfolgte“, so Harder.

Nachdem sich jetzt beim Großalmeröder Geschichtsverein die erste Aufregung gelegt hat, gehen die Nachforschungen erst richtig los. Hermann Harder: „Wir wollen jetzt herausfinden, wohin solche Tonrohre damals noch verkauft wurden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.