Stadtkirche Großalmerode: Einweihung vor 100 Jahren

Der Innenraum der Kirche 1916: Im oberen Halbbogen über dem alten Chor befand sich die Inschrift „Gottliebe“. Heute ist dort die figürliche Darstellung der zwölf Apostel zu sehen, die in den 60er-Jahren installiert wurde. Archivfotos:  Nobel

Großalmerode. Die Wintersonne strahlte, als heute vor genau 100 Jahren in der Notzeit des Ersten Weltkrieges der Neubau der Großalmeröder Kirche eingeweiht wurde.

Damit ging ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung, dem zahlreiche Eingaben der Pfarrer und Auseinandersetzungen mit den städtischen Gremien vorausgegangen waren, die eine finanzielle Beteiligung ablehnten. Bezeichnend für den Zustand des 1733 erbauten Vorgängers ist der Bericht des Pfarrers Th. J. Koppen von 1830, der bei der Kreisverwaltung klagte, dass die Dielen in den Gängen aus den Fugen geraten, teils faul und von Würmern zernagt seien und für ihn die Gefahr bestehe, in die darunter liegenden Gräber seiner Amtsvorgänger zu fallen. Erst 1910 - und dies erneut nach ernsten Disputen des amtierenden Pfarrers Holzapfel mit den städtischen Gremien, dem Kirchenvorstand und einflussreichen Bürgern - erfolgte der Beschluss des Kirchenvorstandes für den Neubau. Mit der Ausführung wurde der Kasseler Architekt Johannes Walpert beauftragt.

Im September 1912 erteilten Regierungspräsidium und Konsistorium in Kassel die Baugenehmigung. Diese beinhaltete den Abbruch des alten Kirchenschiffes und den nach Norden, Süden und Westen erweiterten Neubau sowie die Renovierung und Beschieferung des Kirchturms. Während die kirchliche Gemeinde für die Langhauskosten aufzukommen hatte, waren die Kirchturmkosten von der politischen Gemeinde zu tragen.

Dass die Entscheidungen nicht die einhellige Zustimmung der etwa 3200 Stadtbewohner fand, ist dem damals in der Zeitung veröffentlichten Gedicht von Gustav Bernhardt zu entnehmen: „In Almerode sind die Leute dumm, da reißen sie die Kirche um, den Turm lassen sie stehen, den soll der Wind umwehen.“

Nach dem Spatenstich im Februar 1913 erfolgte am 1. April die Grundsteinlegung. Vorgesehen war, den Bau 1914 abzuschließen. Erneute Differenzen über die Bedachung des Kirchturmes und der Kriegsausbruch verzögerten jedoch die Bauarbeiten um mehr als ein Jahr.

Mit einer Abschiedspredigt von Pfarrer Holzapfel im Vereinshaus, das während der Bauzeit als Gotteshaus diente, begann die Einweihungsfeier. Unter Glockenläuten marschierte die Festgesellschaft hinter den singenden Konfirmanden zur Kirche.

Alle 1600 Sitzplätze waren belegt, als der Oberhofprediger und Generalsuperintendent D. Möller die von Kaiserin Auguste Victoria gestiftete und der Kirchengemeinde gewidmeten Bibel an den Pfarrer überreichte.

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