Strafe fürs Schwänzen: Männergesangverein Rommerode feiert 125-jähriges Bestehen

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Freude am Singen: Auch heute kommen durchschnittlich 25 Sängern zu den Übungsstunde des Singkreises Wohratal mit Chorleiterin Ute Ludolph (links).

Rommerode. Mit Gesangsdarbietungen und Vorträgen feiert der Singkreis Wohratal am kommenden Samstag das 125-jährige Bestehen des Männergesangvereins 1890 Rommerode und lädt zur Feier ein.

Gegründet wurde der Verein, als der freiheitliche Bürgergeist sich im 19. Jahrhundert in Deutschland immer mehr durchsetzte.

Als sich ringsherum immer mehr Chöre bildeten, schlossen sich auch die Rommeröder Männer zusammen, um einen Gesangverein zu gründen. Geübt wurde zunächst in der alten Schule (Standort des jetzigen evangelischen Gemeindehauses) und später in der „Roten Schule“ in der Walburger Straße. Die Übungsstunde war für die mittlerweile 35 Sänger Pflicht. Fehlende Sänger wurden in der monatlich stattfindenden Mitgliederversammlung vom „Straflistenführer“ für ihr Fehlen abkassiert. Der Verein musste außerdem bei Veranstaltungen für Petroleum (Licht) und Holz (Heizung) selbst sorgen.

Harte Sitten: Der Gesangverein des Männergesangvereins 1890 Rommerode mit dem langjährigen Vorsitzenden und Dirigenten Jean Stenner (5. von links) im Jahre 1904. Wer die Übungsstunde schwänzte, musste Strafgeld zahlen.

Die Noten wurden in dieser Zeit vom Dirigenten oder einem Sänger handschriftlich abgeschrieben. Wer vom Dirigenten des Singens für unfähig befunden wurde, durfte immerhin als passives Mitglied dem Gesangverein beitreten. „Es waren schon andere Zeiten damals“, sagte der heutige Vorsitzende des Männergesangvereins Markus Kunkel, der seit 2003 dem Singkreis Wohratal im Männergesangverein Rommerode vorsteht.

Ab 1924 bildete sich erstmals ein gemischter Chor, wobei der Frauenanteil in den folgenden Jahren zunahm. Männer zahlten 30, die Frauen 10 Pfennig Vereinsbeitrag. 1952 wurde von Heinrich Vock das Lied „Mein Wohratal“ geschrieben, wobei das Wohratal in der heutigen Bezeichnung des Singkreises enthalten ist. „Allerdings wird das Lied heute nicht mehr gesungen“, sagte Kunkel.

Ab 1965 sang man wegen des gemeinsamen Dirigenten Willi Ebel zusammen mit den Laudenbächer Sängern, wobei als Höhepunkt 1982 zum 30 jährigen Chorjubiläum Ebels eine Schallplatte mit dem Titel „Musikalischer Gruß aus dem Werra - Meißner - Kaufunger Wald“ aufgenommen wurde. 2003 wurde sich wieder von den Laudenbächer Sängern getrennt und der Singkreis Wohratal im Männergesangverein Rommerode geboren.

Zu dieser Zeit gab es 34 aktive Sänger, aber bereits drei Jahre später war das genau umgekehrt. Heute sind es neun Männer und 19 Frauen, die aktiv im Singkreis Wohratal mitsingen und den Gästen bei ihren Auftritten mit ihrem Gesang Freude bereiten.

Ältester Sänger ist Otto Möller, der dieses Jahr seinen neunzigsten Geburtstag feiert.

Von Hartmut Neugebauer

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