Tore aus Bohnenstangen

VfB Rommerode feiert 100-jähriges Bestehen

Die Mannschaft des VfB Rommerode anfangs der 1930er-Jahre: Willi Nickel (vorn von links), Heinrich Hartmann, Richard Hildmann, Torwart Michel aus Wickenrode, Karl Heerich und  Otto Siebert, dahinter von links Hans Bauer, August Rühling, Willi Hartmann, Siebert Oetzel und Eduard Heerich.
+
Die Mannschaft des VfB anfangs der 1930er-Jahre: Willi Nickel (vorn von links), Heinrich Hartmann, Richard Hildmann, Torwart Michel aus Wickenrode, Karl Heerich und Otto Siebert, dahinter von links Hans Bauer, August Rühling, Willi Hartmann, Siebert Oetzel und Eduard Heerich.

Auch wenn die Fußballer des VfB Rommerode das genaue Datum der Gründung ihres Vereins für Bewegungsspiele vor 100 Jahren nicht kennen, feiern wollten sie das Jubiläum vom 24. bis 28. Juni.

Doch Corona hat ihnen die Tour vermasselt. Jetzt soll das Fest vom 1. bis 4. Juli 2021 stattfinden.

Den Grundstein für den Fußball in Rommerode legten englische Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg, die in den „Vereinigten Großalmeröder Thonwerken“ arbeiten mussten. Sie kickten in ihrer Freizeit und begeisterten auch die Dorfjugend. Da ohne Verein keine Spiele gegen andere Mannschaften möglich waren, vereinten sich Fußballer 1920 im Gasthaus „Zum Grünen Baum“ unter dem Namen „Einigkeit“, so steht es in der Chronik zum 90-jährigen Bestehen in 2010.

Der Überlieferung nach stand die Bevölkerung dem Spiel der „Wilden“, die in Arbeitsschuhen, langen Hosen und Taghemden ohne jegliche Taktik wie ein Bienenschwarm dem Ball nachjagten, Tore aus Wäscheleinen und Bohnenstangen bauten, überwiegend skeptisch gegenüber. Das erste Spiel soll gegen Fürstenhagen stattgefunden haben. Nach und nach gründeten sich Vereine in den Nachbarorten, damit nahm die Anzahl der Spiele zu. Politische Querelen spalteten den Verein Anfang 1923. Einige Spieler wechselten in den Arbeiter Sportverein, den zweiten Verein im Ort und schwächten damit das verbliebene Team. Enttäuscht kehrten die meisten Spieler jedoch nach zwei Jahren wieder zurück. Unter dem heutigen Namen „Verein für Bewegungsspiele“ (VfB) traten die Fußballer 1930 dem Westdeutschen Fußballbund bei. Damit begann die Phase der Serienspiele, Rommerode spielte nach heutigen Maßstäben in der Bezirksklasse. Die Mannschaft reifte zum Favoritenschreck, besiegte unter anderem die Teams aus Bebra und Grone.

Die Vereinsführung heute: Vorsitzender Egor Hegel (links), Karsten Lenz (zweiter Vorsitzender) und Tochter Antonia Lenz (Festausschussvorsitzende).

Trotz der Erfolge und dem Bau des Sportplatzes „Wetterburg“ flaute der Spielbetrieb ab 1937 ab und kam mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gänzlich zum Erliegen. Obwohl nahezu alle Spieler gefallen waren, starteten 55 Fußballbegeisterte im Dezember 1945 den Neubeginn und meldeten zur ersten Kreis-Verbandsrunde im Jahr drauf ihr Team. Ende der Saison 1947/1948 wurden die spielstärksten Mannschaften in die A-Klasse eingestuft, und Rommerode war dabei. Die Serie endete mit Platz drei und im Endspiel um den Kreispokal wurde Hundelshausen mit 5:2 Toren besiegt. Selbst gegen den KSV Hessen Kassel gingen die Rommeröder mit 4:3 Toren siegreich vom Platz. In den Folgejahren bestimmten die Wechsel zwischen A- und B-Klasse das Geschehen.

Frauenfußball gab es in Rommerode zunächst von 1946 bis 1948, noch einmal in den 70er-Jahren und zuletzt ab 2007 für einige Jahre. Seit Mitte der 50er-Jahre spielt die Jugend Fußball. 1978 wurde der Sportplatz an der damaligen Mittelpunktschule eingeweiht, elf Jahre später das VfB-Heim am Platz. Ihren letzten Erfolg feierte die erste Mannschaft 2010 mit der Meisterschaft in der Kreisliga B und dem Aufstieg in die A-Klasse, in der sie aktuell auf Platz zwölf liegt. Die zweite Mannschaft belegt aktuell in der C-Klasse Platz neun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.