Jetzt wird es Teil der Leseaktion

Vom Aufsatz zum „Buch des Jahres“: Großalmeröderinnen stellen „Gringa“ vor

„Gringa – das Prinzip ist Hoffnung“: Stolz präsentieren Autorin Claudia Wagener (rechts) und Co-Autorin Kornelia Stenzel ihr Erstlingswerk.
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„Gringa – das Prinzip ist Hoffnung“: Stolz präsentieren Autorin Claudia Wagener (rechts) und Co-Autorin Kornelia Stenzel ihr Erstlingswerk.

Was entsteht, wenn zwei Freundinnen sich entschließen, die Auslandserlebnisse der einen gemeinsam niederzuschreiben und das Ganze als Buch zu veröffentlichen? Ein neues Projekt für Großalmerode.

Großalmerode – Etwas richtig Gutes ist das im November veröffentlichte Erstlingswerk „Gringa – das Prinzip ist Hoffnung“ der Großalmeröderin Claudia Wagener. Sie hat es, unter ihrem Mädchennamen als Pseudonym, mit Kornelia Stenzel verfasst. Als behütet aufgewachsene Frau reiste die in Bad Karlshafen geborene Wagener 2006 als damals 19-Jährige erstmals nach Bolivien, ein ihr bis dahin vollkommen unbekanntes Land. Sie wollte während ihrer Ausbildung zur Erzieherin ein Jahr in einem sozialen Projekt arbeiten. „Stattdessen fand ich mich im größten Abenteuer meines Lebens wieder.“

Zwischen faszinierenden Reiseerlebnissen und den ihr täglich begegnenden Abgründen der menschlichen Seele habe sie Freundschaften zu Menschen aller gesellschaftlicher Schichten geschlossen. „Tiefgründige Beziehungen führten dabei zu der Erkenntnis, dass sich jedes Vorurteil mit der Betrachtung des einzelnen Schicksals auflöst“, sagt Wagener. Zurück in Deutschland formulierte sie das von ihr in Bolivien geführte Tagebuch zu Aufsätzen aus. „Als Methode zur Verarbeitung der Erlebnisse“, sagt sie. Bei ihrem Nebenjob in der Großalmeröder Kneipe Drehscheibe, wo sie Geld zur Finanzierung eines Sozialwissenschafts-Studiums und für einen weiteren Bolivien-Aufenthalt dazuverdiente, lernte sie Kornelia Stenzel kennen, die dort als Köchin arbeitete.

So begann die Freundschaft der Frauen

„Ich bin von Natur aus sehr neugierig“, sagt die 48-Jährige. „Als ich bemerkte, dass Claudia immer vor ihrem Schichtbeginn am PC arbeitete und sie mir erzählte, dass sie über ihre Zeit in Bolivien schreibt, war mein Interesse sofort geweckt.“ Es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den grundverschiedenen Frauen: Wagener wurde tief religiös erzogen, Stenzel beschreibt sich als „kommunistische Atheistin“.

Nach weiteren Bolivien-Aufenthalten und einem tief einschneidenden Erlebnis dort vor neun Jahren bat Wagener Stenzel, mit ihr das „Aufsatz-Projekt“ wieder aufleben zu lassen. Die Freundinnen beschlossen, sich einmal pro Woche für je zwei Stunden zu treffen und an dem Schriftstück zu arbeiten – Wagener als Autorin, Stenzel als Beraterin, Ideengeberin und Korrekturleserin. „Nach einem Jahr hatten wir 150 Seiten zusammen und ließen diese eine andere Freundin lesen“, erzählt Wagener. „Als sie dann sagte, das müsse als Buch veröffentlicht werden, hielt ich sie zunächst für verrückt“, so die heute 34-Jährige. Dann aber habe sie sich langsam mit dem Gedanken angefreundet.

Gewinn soll teilweise gespendet werden

Bis zur Fertigstellung sollte aber – nicht zuletzt wegen der zwischenzeitlichen Geburt ihres zweiten Kindes – noch einige Zeit vergehen. Als weitere Testleser begeistert waren, verhandelte Wagener mit verschiedenen Verlagen. „Obwohl ich einen Vertrag angeboten bekam, entschloss ich mich letztlich für eine Veröffentlichung im Self-Publishing, damit alle Rechte bei uns bleiben“, sagt sie. Von einem Gewinn soll die Hälfte als Spende an das Kinderheim „Tata Juan de Dios“ in der bolivianischen Hauptstadt Sucre fließen.

„Wir freuen uns sehr über die positive Resonanz, die dieses Buch, in dem immer wieder gesellschaftskritische Themen angesprochen werden, bislang erfahren hat“, sagen Claudia Wagener und Kornelia Stenzel. Das größte Geschenk ihrer Zusammenarbeit sei, dass es zwischen ihnen keine Tabu-Themen gebe. „Gringa dient als Verarbeitung tragischer, spannender, trauriger und emotional erschütternder Erlebnisse und Situationen“, betont Wagener. Daher würden diese Erlebnisse thematisiert, besprochen, mit deutschen Gegebenheiten verglichen, von verschiedenen Seiten beleuchtet und bis ins Detail ausdiskutiert. „Dadurch, dass Kornelia und ich so unterschiedlich sind, fließen die verschiedensten Denkansätze in die Betrachtung der jeweiligen Situation ein.“ Nicht zuletzt wegen dieser perfekt funktionierenden Zusammenarbeit werde schon jetzt an einer Fortsetzung von „Gringa“ gearbeitet.

Nächstes Buch für das Projekt „Großalmerode liest ein Buch“

Das Werk wurde zudem jüngst von der Kulturgemeinschaft Großalmerode zum „Buch des Jahres 2021“ gekürt. Die Auswahl sei in diesem Jahr besonders leicht gefallen, sagt Geschäftsführerin Gundula Klinge. Autorin Claudia Wagener habe viele gute Ideen wie gemeinsames Kochen mit Rezepten aus Bolivien, ein Lese-Café und einen Bilderabend über Bolivien. All das ließe sich wegen der Corona-Pandemie aber erst später verwirklichen. (per)

So kann man das neue Werk bekommen

„Gringa“ von Claudia Wagener (ISBN 978-3-752-66820-9) ist erschienen über die Self-Publishing-Plattform „Books on Demand“ (BoD). Preis: 14,99 Euro (Druckversion) bzw. 8,99 Euro (e-book), erhältlich über Online-bookshops sowie in jeder Buchhandlung zu bestellen.

Wer keine Möglichkeit hat, das Werk für die Aktion „Großalmerode liest ein Buch“ im Internet oder bei der Buchhandlung Hassenpflug in Witzenhausen zu bestellen, kann sich bei der Kulturgemeinschaft melden: Tel. 0 56 04/93 35 26 oder 93 35 52.

E-Mail-Kontakt für Fragen, Anregungen, Lesungen und Vorträge: claudia_wagener@yahoo.de

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