Expertin fordert strengere Regeln

Wasserbüffel von Gut Giesenhagen helfen bei Fortbildung

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Wasserbüffel sind zutraulich: Das beweist Lasse (7) der seinem Vater Burkhard Ernst bei der Pflege der sanften Vierbeiner hilft.

Tiefschwarz, mit geschwungenen Hörnern und einem sanften Blick: Majestätisch steht die Wasserbüffelherde von Burkhard Ernst auf einer Weide bei Großalmerode. Ein eher ungewöhnlicher Anblick, denn in Deutschland gibt es derzeit nur rund 6600 Wasserbüffel.

Doch die Zahl steigt stetig – und damit auch die Notwendigkeit, dass Tiergesundheitsaufseher über die artgerechte Haltung von Wasserbüffeln informiert sind. Denn diese prüfen die Haltung von allen Nutztieren, nicht nur die von Schafen und Kühen.

Damit sie auch die Haltungsbedingungen von exotischen Tieren einschätzen können, organisiert das Regierungspräsidium Kassel jedes Jahr eine Fortbildung.

Auf Gut Giesenhagen konnten die Teilnehmer diese Woche einen Einblick in die artgerechte Haltung von Wasserbüffeln bekommen. Die Büffel brauchen eine Suhle, um sich im Sommer abkühlen zu können, erklärt Tierärztin Dr. Isabelle Kordian, die sich auf die Dickhäuter spezialisiert hat. Sie fordert strengere Regeln für die Haltung von Wasserbüffeln. Denn gesetzlich ist diese bisher nicht reguliert.

Wasserbüffel haben eine sehr dicke Haut und nur sehr wenige Schweißdrüsen, erklärt Ernst. Ab einer Temperatur von 20 Grad benötigen sie daher eine Abkühlungsmöglichkeit – am liebsten ein Schlammloch. In dieses klettern sie dann hinein. „Dann guckt nur noch der Kopf raus“, sagt Ernst. Seine 19 Wasserbüffel stehen nur auf Weiden, auf denen es auch einen Bachlauf gibt. „Die Büffel bauen sich dann ihre eigene Suhle“, so der Landwirt.

Bis zu 25 Jahre alt können europäische Wasserbüffel werden: Auf der Weide von Landwirt Burkhard Ernst stehen im Moment 19 Tiere. Dieses Jahr gab es zum ersten Mal Nachw uchs. Foto: Sarah Neumeyer

Doch nicht alle Landwirte beachten die Bedürfnisse der Tiere, sagt Kordian. Sie hält ein Extra-Kapitel für Wasserbüffel in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für unerlässlich.

Vor der Schulung sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er gesetzlich nicht dazu verpflichtet ist, seinen Wasserbüffeln eine Suhle zur Verfügung zu stellen, sagt Ernst. Für ihn als Bio-Landwirt sei es jedoch eine Selbstverständlichkeit.

Ernst hält seit 2012 Wasserbüffel auf seinem Gut. Durch Zufall, wie er sagt. Er suchte nach einer Nutzungsmöglichkeit für seine feuchten Weiden. Mit dem Wasserbüffel hat er das richtige Tier gefunden: Sie sind anspruchslos, fressen fast jedes Gras und können das ganze Jahr draußen sein. Neben der Landschaftspflege hält er die Wasserbüffel auch wegen ihres Fleisches. Dieses verkauft er direkt von seinem Hof.

Als er die Tiere zum ersten Mal gesehen habe, hätten sie ihn sofort beeindruckt. „Sie strahlen Ruhe aus“, sagt Ernst. „Wenn man Zeit mit ihnen verbringt, ist das wie eine Therapie.“ Zutraulich laufen die Wasserbüffel auf ihn zu, wenn er die Weide betritt. „Sie sind sehr anhänglich“, lacht Ernst.

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