Yak-Butter und ein Sack Gerstenmehl als Schulgeld

Spartanisch: Die Schüler von Jamyang Ling sitzen auf dem Boden, ihre Schultaschen dienen ihnen als Schreibunterlage. Foto:  privat

Großalmerode. Seit vielen Jahren engagieren sich die Großalmeröder Karin und Gerhard Euler im Verein Shambhala für die Schule Jamyang Ling im Himalaya.

Umgerechnet 50 Euro im Jahr kostet der Besuch der Internatsschule Jamyang Ling (Deutsch: Ort der Erkenntnis) im Himalaya. „Viele Eltern bezahlen das Schulgeld aber in Form von zehn Kilogramm Yak-Butter und einem Sack Tsampa, also Mehl aus gerösteter Gerste“, erklärt Karin Euler. Seit vielen Jahren engagiert sich die Großalmeröderin mit ihrem Mann Gerhard im Verein Shambhala, der die Schule 1993 gründete.

Viermal war das Ehepaar bereits in dem kleinen indischen Ort Raru, der 25 Häuser zählt und in 5100 Metern Höhe liegt. Im Umkreis von zwei bis drei Tagesmärschen ist Jamyang Ling, im Bundesstaat Jammu und Kashmir gelegen, die einzige Schule. „Das Schulgeld ist nur ein kleiner Obolus, der vielen Familien bereits schwer fällt - die Kosten für Verpflegung, Schuluniform und Lehrerhonorare deckt er nicht“, sagt die 69-jährige Kosmetikerin. Es handle sich in erster Linie um eine Erziehungsmaßnahme, damit die Eltern nicht beispielsweise auf die Idee kämen, ihre Kinder während der Ernte auf den Feldern arbeiten zu lassen, statt sie in die Schule zu schicken. Für die restlichen Kosten kommen Paten des Vereins auf.

Von Mai bis zum Wintereinbruch Anfang Oktober mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Minus werden 220 Schüler - die Hälfte wohnt im Internat - sechs Tage in der Woche in Jamyang Ling unterrichtet. Die Kinder sitzen auf dem Boden, der mittlerweile vom Lehm- zum Holzfußboden aufgewertet wurde, ihre Schultaschen benutzen sie als Tisch. Englisch, Mathe, Wissenschaft, Sozialwissenschaften, Hindi, Urdu und Burdi stehen auf dem Stundenplan der staatlich kontrollierten Privatschule.

Auch die 15-jährige Palmo geht derzeit noch in Jamyang Ling zur Schule. Das Patenkind von Karin und Gerhard Euler wird demnächst jedoch auf die weiterführende Internatsschule des Vereins in der 700 Kilometer entfernten Stadt Jammu wechseln. Dort ist ein Schulbesuch das ganze Jahr über möglich, da dort nicht so extreme klimatische Verhältnisse herrschen.

Das Mädchen, das noch drei weitere Geschwister hat, hat große Pläne. „Sie will Medizin studieren, ist sehr interessiert und will uns irgendwann mal in Deutschland besuchen kommen“, berichten die Eulers. Wie die meisten Bewohner der Region lebt auch Palmos Familie von der Landwirtschaft. Seit ihr Vater durch eine Lawine ums Leben kam, versucht der Großvater, die Familie mit dem Verkauf von Handarbeiten, wie warmen Wollschuhen, zu versorgen.

Kürzlich erreichte die Eulers ein Brief von Palmo, den sie deutschen Touristen mitgegeben hatte. „Sie nennt uns Mum und Dad und schreibt, dass wir sie aus der Dunkelheit geholt haben - das rührt einen schon“, sagt Karin Euler.

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