Große Angst um Jugendarbeit: Sportvereine kritisieren Sparkurs in Lichtenau

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Haben die Sparmaßnahmen der Stadt satt: Marcel Preßler, Rainer Bohnwagner, Marvin Kraus, Norman Kraus, Kai-Uwe Weber, Friedhelm Koch, Andreas Horn, Mika Kraus und Thomas Lehmann mit dem Protest-Transparent am Spielplatz in Walburg, wo das Gras auf dem Bolzplatz bereits einen halben Meter hoch steht.

Walburg. Teamgeist zeigen Hessisch Lichtenaus Fußballer nicht nur auf dem Rasen, sondern auch im Protest gegen die Sparmaßnahmen der Stadt.

Nach der Stadtverordnetensitzung im Februar hatten sie jetzt ein zweites Mal ihr Transparent mit der Aufschrift „ Keine!!! Jugendarbeit mehr im Verein???“ an gleicher Stätte vor dem Parlament ausgerollt.

Auch wenn die Mehrzahl der Protestler am Freitag mit den blauen Trikots der Spielgemeinschaft Meißner vom Sportverein Velmeden waren, so hatten sich auch Vertreter von Rot-Weiß Fürstenhagen, der TSG Fürstenhagen und des ESV Blau-Weiß Walburg solidarisch gezeigt bei der Frage, wie unter diesen Umständen Jugendarbeit im Verein noch möglich ist. Gemeinsam waren sie mit dem Transparent durch die Hopfelder Mehrzweckhalle gezogen, weil sie die Streichungen der Stadt nicht so ohne weiteres hinnehmen wollen.

Vereine koordinieren Protest

Beim Pressegespräch am Dienstagabend in Walburg machten Fußballer aus dem Ort und der Nachbargemeinde Velmeden deutlich, dass es bei Auftritten mit Transparenten nicht bleiben wird. So treffen sich die Vertreter der Vereine aus dem Stadtgebiet alle vier Wochen, um das weitere gemeinsame Vorgehen zu besprechen, denn die Sparmaßnahmen treffen alle gleichermaßen.

Dass sich die Vereine mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren, ist angesichts der finanziellen Belastung verständlich. Auf 600 Euro jährlich muss beispielsweise die Jugendspielgemeinschaft Meißnerland, die 300 Kinder und Jugendliche zweimal wöchentlich trainiert, verzichten, nachdem die Jugendförderung mit zwei Euro pro Kind gestrichen wurde.

Die aufgegebene Sportplatzpflege schlägt noch deutlicher zu Buche. So ist ein gebrauchter Großflächenmäher unter 3000 Euro nicht zu haben. Mal abgesehen von den immer wieder erforderlichen Reparaturen fallen 20 Euro Benzinkosten bei jedem Mähen an - und das pro Jahr 20-mal. 400 Euro müssen also allein für Benzin jährlich aufgebracht werden. Zudem waren die Vereine früher mit etwa 1500 Euro nur zur Hälfte an den anfallenden Strom-, Wasser- und Heizkosten in den Vereins- und Umkleideräumen mit Duschen beteiligt, jetzt müssen sie das Ganze komplett berappen.

Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge schließt Rainer Bohnwagner vom SV Velmeden aus: „Da laufen mir die Mitglieder davon“, fürchtet er. Aber weil das Geld fehlt, können die defekten Tore, die für die verschiedenen Altersklassen unterschiedlich groß sind, nicht durch neue ersetzt werden. Inzwischen müssen Hütchen die Tore ersetzen.

Absolut unverständlich ist es den Fußballern auch, dass alle bisher an die Stadtverwaltung gestellten Anträge und Anfragen noch nicht einmal beantwortet wurden.

Um überhaupt über die Runden zu kommen, organisieren die Vereine nun vermehrt Feste, um mit den Einnahmen den sportlichen Betrieb zu finanzieren.

Eine Stellungnahme von Bürgermeister Jürgen Herwig zum Thema lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA - Witzenhäuser Allgemeinen.

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