Mehrere Orte mit diesem Namen sorgten für Irrläufer

Gustav Siegel setzte das Hessisch vor Lichtenau

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Gustav Siegel

Hessisch Lichtenau. Wissen Sie, warum die Stadt Lichtenau mit der Zusatzbezeichnung „Hessisch“ versehen wurde? Nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Königliche Regierung in Kassel durch Erlass vom 3. August 1889 die Benennung „Hessisch-Lichtenau“ verfügte, hatte Gustav Siegel.

Siegel, den Lichtenauern als Stadtchronist bekannt, war Postverwalter und hatte täglich die Irrläufer der Post bearbeiten müssen. Es gibt nämlich weitere Orte namens Lichtenau: eine Stadt bei Paderborn, eine Stadt im Landkreis Rastatt (Baden-Württemberg), einen Markt in Mittelfranken, eine Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen, ein Ortsteil der Gemeinde Rothenbuch (Landkreis Aschaffenburg) und ein Ortsteil der Gemeinde Stützengrün (Erzgebirgskreis).

Insbesondere bei Lichtenau in Westfalen gab es falsch gelaufene Briefe. Mit Hessisch Lichtenau sollten Verwechselungen ausgeschlossen sein.

Heute vor 110 Jahren endete die aktive Zeit Siegels als Stadtchronist von Hessisch Lichtenau. Zum 1. April 1904 wurde er als Postsekretär nach Eschwege versetzt. Begonnen hat die Zeit von Gustav Siegel in Hessisch Lichtenau am 1. November 1884, nachdem er als 23-Jähriger zum Vorsteher des hiesigen Postamtes in Hessisch Lichtenau und ab November 1885 zum Postverwalter berufen wurde.

Im Juli 1886 erlebte der Neubürger den großen Brand der Stadtkirche. Zu dieser Zeit wohnte Siegel mit seiner Familie in der Mittelstraße Nr. 90/91 und erledigte von dort die Postgeschäfte. Der im August 1861 in einer kleinen Ackerbürgerstadt geborene Siegel interessierte sich früh für die Heimatgeschichte. 1895 veröffentlichte er das Urkundenbuch über Lichtenau, ein Nachschlagewerk, das heute noch für Heimatchroniken und wissenschaftlichen Arbeiten herangezogen wird.

Die Herausgabe der „Geschichte der Stadt Lichtenau in Hessen“ 1895 und deren Veröffentlichung in der Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 1897 darf aus heutiger Sicht als der Höhepunkt seines Wirkens in Lichtenau gewertet werden.

Nicht zu vergessen: Von 1899 bis 1901 war Siegel die treibende Kraft für die Instandsetzung des Bergfrieds bei Reichenbach. Einen schweren Schicksalsschlag musste der Stadtchronist mit dem Tod seiner Tochter Marie hinnehmen, im Alter von sieben Jahren verstarb sie am 9. August 1901 nach langen schweren Leiden.

Das Grab ist auf dem Alten Friedhof von Hessisch Lichtenau vorhanden und wird liebevoll von den Nachkommen der Familie Siegel gepflegt. Gustav Siegel verstarb 70-jährig am 6. Februar 1931 in Kassel, wohin er 1905 versetzt worden war. Verheiratet war er mit Sophie Wilhelmine geb. Bezzenberger (um 1890), mit der er vier Töchter hatte.

Von Hans Gold

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