„Häusliche Gewalt geht uns alle etwas an“

Höhere Gefahr während Lockdown: Schaufensterkampagne rückt Thema in Öffentlichkeit

Ein Plakat steht in einer Schaufensterscheibe. darauf ist ein Mann zu sehen, der auch ein Plakat hochhält, darauf steht geschrieben „Häusliche Gewalt ist nie privat“.
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„Häusliche Gewalt ist nie privat“: Bürgermeister im Kreis beziehen Stellung. Hier zu sehen ist Frank Hix im Schaufenster der Hobby-Boutique in Bad Sooden-Allendorf.

Das Bewusstsein schärfen für häusliche Gewalt und auf das Thema aufmerksam machen, will die Frauenberatungsstelle des Vereins Frauen für Frauen und hat eine Schaufensterkampagne gestartet.

Werra-Meißner – Häusliche Gewalt ist nie privat. „Häusliche Gewalt geht uns alle etwas an“, sagt Anja Axt von der Frauenberatungsstelle des Vereins Frauen für Frauen, die eine Schaufensterkampagne gemeinsam mit ihrer Kollegin Amy Wiedermann-Claar und der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Thekla Rotermund-Capar, initiiert hat. Das Gleichstellungsbüro hat das Projekt zudem finanziell unterstützt.

Das Thema in die Öffentlichkeit rücken

Unterstützt werden sie von sieben Bürgermeistern des Werra-Meißner-Kreises, die öffentlich Position beziehen. Als Autoritätspersonen verliehen die Bürgermeister in unserer patriarchalen Gesellschaft dem Thema noch einmal besonderen Nachdruck, erklärt Rotermund-Capar. In den Händen halten die Papp-Bürgermeister ein Schild mit der Aufschrift: „Häusliche Gewalt ist nie privat“. Direkt daneben stehen wichtige Telefonnummern, an die sich Betroffene und Zeugen wenden können. Und genau das wollen die Beteiligten erreichen: Dass Nachbarn, Freunde und Bekannte beim Verdacht nicht wegsehen oder weghören, sondern Courage zeigen, Hilfe anbieten oder sogar direkt Hilfe holen. Anzeichen könnten sein, dass sich die Nachbarin zurückzieht und man lautes Geschrei aus der Wohnung hört. Wer sich nicht sicher ist, ob jemand tatsächlich betroffen ist, könne sich Rat bei der Frauenberatung holen.

Nichts aussitzen

„Wir wollen Opfern und Zeugen in dieser Zeit der Kontaktbeschränkungen vor Augen halten, an wen sie sich wenden können“, erklärt Axt. Soziale Distanz, Homeschooling und Homeoffice sorge für eine noch angespanntere Situation in den eigenen vier Wänden. Gewalt, die vorher schon hinter verschlossenen Türen stattfinde, bleibe nun noch mehr im Verborgenen. Die Fallzahlen blieben zwar gleich oder sanken teilweise, erklärt Axt. „Während der Lockdowns ist es aber eher gefährlich ruhig.“ Betroffene scheinen die Zeit auszusitzen, in der sie nicht von zuhause wegkönnen. Denn zuhause stünden viele nun dauerhaft unter Beobachtung und Kontrolle des Partners. Selbst Kinder, bei denen zuvor in der Schule mögliche Probleme auffielen, sind nun dauerhaft zu Hause. Sie sind auch die besonders Leidtragenden, betont Axt. Um das auch in der Kampagne zu verdeutlichen, wurden in den Schaufenstern Bilder aus dem norwegischen Aufklärungsfilm „Wutmann“ von Anita Killi ausgestellt. Im Kurzfilm wird gezeigt, wie sich häusliche Gewalt aus der Perspektive eines Kindes anfühlt. Aus diesem Grund sei diese Schaufensterkampagne so wichtig.

Lebensgroße Banner

In zentral gelegenen Schaufenstern in Eschwege (Familienbüro), Bad-Sooden-Alledorf (Hobby-Boutique) und Witzenhausen (Ermschwerder Straße 6) sind die lebensgroßen Banner bereits ausgestellt. Es folgen nun Sontra (Marktplatz 4), Großalmerode (neben dem Rathaus), Wanfried und Hessisch Lichtenau (Laden Kornblume Landgrafenstr. 36) Gespendet hat die Fotografien der Kameramann Johannes Wiedermann. „Gerade jetzt in dieser Zeit ist es wichtig, den Menschen aufzuzeigen, wohin sie sich wenden können“, sagt Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix. Dem stimmt auch Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard zu: „Es ist wichtig, dieses Thema aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit zu tragen und die Menschen dafür zu sensibilisieren.“ Jessica Sippel

Wichtige Telefonnummern: Für Kinder: Nummer gegen Kummer: 116 111; Frauenberatung: 05651/7843; Frauenhaus: 05651/3 26 65; Awo-Männerberatung: 05651/30 76 20. Polizei: 110.

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