Montagsinterview mit der Suchtprävention

Wann ist die richtige Zeit für das erste Smartphone?

Wann ist mein Kind alt genug für sein erstes Handy? Diese Frage stellen sich viele Eltern, deren Kinder gerne ein eigenes Smartphone hätten. Archiv
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Wann ist mein Kind alt genug für sein erstes Handy? Diese Frage stellen sich viele Eltern, deren Kinder gerne ein eigenes Smartphone hätten. Archiv

Wann ist überhaupt der richtige Zeitpunkt und das richtige Alter dafür? Und was sollten Eltern beachten? Wir sprachen mit Sabrina Hesse von der Fachstelle für Suchtprävention.

Werra-Meißner – Medien gehören heute selbstverständlich zum Alltag. Scheinbar immer jünger werden die Kinder, wenn sie ihr eigenes Smartphone bekommen. Spätestens, wenn die anderen Kinder in der Schulklasse ein Handy haben, kommt das Thema zu Hause auf den Tisch. Sabrina Hesse von der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention vom Diakonischen Werk Werra-Meißner ist eine der ersten Anlaufstellen für Eltern und Jugendliche, wenn es um das Thema exzessive Medien- und Internetnutzung geht.

Frau Hesse, ab wann sollten Kinder ein eigenes Handy bekommen?
Es gibt keine genauen Richtlinien oder Aussagen, ab wann ein Kind ein Recht auf ein eigenes Handy hat. Wenn ich mich in die Rolle der Eltern versetze, sollte man immer schauen: Wo steht mein Kind? Was traue ich ihm bereits zu? Denn es ist klar, dass mit einem Smartphone nicht nur telefoniert wird. Eltern müssen mit ihren Kindern auch über die Gefahren von Smartphones sprechen.
Was sind das für Gefahren? Können Kinder abhängig werden?
Bei Jugendlichen wird nicht von einer Abhängigkeit gesprochen, sondern von einem exzessiven Nutzen. Da kommen wir dann zu dem Thema der Nutzungsbeschränkung: Gebe ich meinem Kind das Handy mit in die Schule oder bleibt es zu Hause? Wird es beim Hausaufgabenmachen weggelegt? Auch da muss man entscheiden, wie weit das eigene Kind mit dem Umgang ist. Eltern sollten sich immer über die Folgen im Klaren sein. Hier kommen wir als Beratungsstelle dann vermehrt ins Spiel. Oft sind Eltern auch nicht genug über diese Themen aufgeklärt.
Haben Sie Tipps, diesem exzessiven Nutzen vorzubeugen?
Regeln aufzustellen ist sehr wichtig. Wann darf das Handy benutzt werden? Wann muss es weggelegt werden? Als gutes Vorbild sollten sich Eltern ebenfalls an die Regeln halten. Wenn zum Beispiel beim Essen ein Handyverbot gilt, müssen alle Smartphones zur Seite gelegt werden. Man sollte auf gleicher Ebene agieren und Konsequenzen festlegen, die von allen befolgt werden.
Wie sollte man mit Chatgruppen umgehen?
Klassenchats sind problematisch, da die Kinder von sich aus Gruppen erstellen können, in denen verunglimpfende Dinge, manipulierte Fotos oder Ähnliches verbreitet werden können. Gruppenchats sind mit Schwierigkeiten verbunden, wenn sie nicht betreut werden. Eltern sollten schauen, was hin und her geschickt wird und wofür die Klassenchats genutzt werden. Dabei soll es aber nicht um Kontrolle gehen. Es muss ein guter Weg gefunden werden, mit dem Kind im Austausch zu bleiben und es dabei zu unterstützen, einen adäquaten Umgang mit solchen Dingen zu lernen.
Wenn es so weit ist: Worauf sollten Eltern achten?
Es ist wichtig nachzuvollziehen, wieso ein Kind ein Smartphone braucht. Wenn es beispielsweise mit dem Bus einen weiteren Weg zur Schule hat, ist es sinnvoll, dass es erreichbar ist. Eltern sollten mit den Kindern darüber sprechen, wieso das Handy jetzt nötig ist. Oft ist der erste Anreiz, dass ein Freund ein Smartphone besitzt und man selbst auch eins haben möchte.
Was sollten Eltern vor der Anschaffung beachten?
Als Elternteil sollte man sich immer damit auseinandersetzen, welche Einstellungen das Gerät besitzt. Man kann auch beim Handyanbieter nachfragen, welche Verträge oder Prepaidkarten am sinnvollsten wären. Es gibt auch Programme, die gewisse Einschränkungen auf dem Handy treffen. Muss das Kind jede App frei herunterladen können? Als Elternteil kann ich zum Beispiel einstellen, dass ich in diesem Fall immer ein Passwort eingeben muss. Auch mit Augenmerk auf den Jugendschutz ist es wichtig zu schauen, welche Internetseiten überhaupt nicht verfügbar sein sollten.
Welche Funktionen wären bei einem ersten Smartphone wichtig?
Das Telefonieren steht bei den Funktionen natürlich an erster Stelle. Hierbei ist es sinnvoll, vorab die wichtigsten Nummern einzuspeichern und mit den Kindern zu üben, wie man das Handy benutzt. Die Frage, die dabei eine wesentliche Rolle spielt, ist, ob das Handy bei einem gewissen Alter dauerhaft einen Internetzugang haben muss – oder ob es überhaupt internetfähig sein muss.
Wie sieht es bei den Eltern aus, die sich mit der Technik nicht so gut auskennen?
Es wenden sich häufig Eltern an uns, die verunsichert oder mit der Situation schlichtweg überfordert sind. Sie wissen nicht genau, was in dem Gerät passiert und was genau das Kind damit macht. Wir geben Eltern den Tipp, mit dem Kind zu sprechen und sich zeigen zu lassen, was es mit dem Smartphone alles macht. Und dann findet man vielleicht auch eine gemeinsame Sache, die man mit dem Gerät machen kann.
Haben Sie dafür Beispiele?
Das kann das Ausprobieren der Kamera sein, indem man Fotos macht und Videos dreht. Aber auch Videotelefonate mit Bekannten können gute Möglichkeiten bieten. Es geht auch darum, sich gegenseitig etwas Neues zu zeigen und gemeinsam zu lernen.
Sollte man dem eigenen Kind ein Smartphone kaufen, nur weil es möglicherweise ausgegrenzt wird?
Von der Seite der Beratungsstelle ist es schwierig, eine konkrete Empfehlung zu geben. Die Regeln der Eltern sind da in jedem Fall zu akzeptieren. Es sollte zunächst erst mal geschaut werden, wieso es eine Ausgrenzung gibt. Warum muss es jetzt unbedingt das Handy haben, was passiert da? Wird es möglicherweise auch unabhängig von dem Besitz eines Handys ausgegrenzt? Da muss man auch als Lehrkraft im Klassenverbund mit den Schülern sprechen und mit den Eltern das Thema anreißen, um eine Lösung zu finden.
Wie sieht Ihre Arbeit aus, wenn sich besorgte Eltern melden?
Erst mal lassen wir uns die verschiedenen Situationen beschreiben: Welchen Umfang hat die Nutzung? Was wird da gemacht? Was wurde beobachtet? Ganz wichtig ist es, sich auch die Sicht der Kinder anzuhören. Beide Seiten sollten betrachtet werden, um zu gucken, welche Grundlagen es gibt, worauf hingearbeitet werden soll und wie das Ziel erreicht werden kann. Es sollte gemeinsam daran gearbeitet werden und so können zum Beispiel alternative Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden. (Patrizia John)

Online-Elterntalk am Donnerstag, 18. November

Weihnachten rückt näher und damit bei vielen Kindern auch der Wunsch nach einem eigenen Smartphone. „Click smart“ – das Mediennetzwerk des Werra-Meißner-Kreises veranstaltet am kommenden Donnerstag, 18. November, von 20 bis 21 Uhr einen Online-Elterntalk zum Thema „Das erste Handy – Was gilt es zu beachten?“.

Eltern können sich unter anderem Tipps holen für die Ersteinrichtung des Smartphones, den täglichen Umgang und zur Mediennutzung. Ab welchem Alter ist ein Smartphone sinnvoll? Woran erkenne ich geeignete Apps für Kinder? Gibt es auch Einstellungen oder Filter-Apps zur Kindersicherung? Welche Regeln zur Nutzung sollte ich mit meinem Kind vereinbaren? Und wie finde ich die Balance zwischen „kontrollieren“ und begleiten? Fragen über Fragen, die an diesem Termin geklärt werden sollen. Nach einem kurzen Vortrag mit Informationen dazu und Tipps für Eltern gibt es genügend Raum zum Austausch unter den Eltern.

Referenten sind Dirk Rudolph (Medienzentrum Werra-Meißner-Kreis) und Armin Bahl (Präventiver Jugendschutz Werra-Meißner-Kreis). Anmelden können sich Interessierte über die Webseite t1p.de/OET .

Die Teilnehmenden erhalten einen Link, mit dem sie sich an dem betreffenden Veranstaltungstag in die Videokonferenz einwählen können. Zur Teilnahme werden ein Computer, Mikrofon, stabiles Internet und optional eine Webcam benötigt. Eine Teilnahme über Smartphone ist auch möglich, wird aber nicht empfohlen. Die Veranstaltung ist kostenlos und läuft über Zoom.

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